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Religionspädagogische BeiträgeJochen Bauer

Religionspädagogische Beiträge,

Jochen Bauer

Konfessionelle Kooperation und Religionsunterricht für alle 2.0

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel vergleicht zwei Modelle des Religionsunterrichts – die evangelisch-katholische konfessionelle Kooperation (kokoRU) und den Hamburger Religionsunterricht für alle (RUfa) – die lange Zeit als konkurrierende Konzepte galten, sich aber zunehmend annähern. Anhand von Analyse ihrer Entstehung, rechtlichen Rahmung, theologischen Grundlegung und didaktischen Ausgestaltung werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet sowie Lernpotentiale für die schulische Praxis aufgezeigt.

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Der Artikel analysiert und vergleicht zwei religionsdidaktische Modelle, die sich in ihrer Entstehungsgeschichte unterschiedlich entwickelt haben, aber aktuell vermehrt konvergieren. Die evangelisch-katholische konfessionelle Kooperation (kokoRU) entstand ab 1994 aus der EKD-Denkschrift „Identität und Verständigung" mit dem Fokus auf christlich-konfessionelle Zusammenarbeit. Der Hamburger Religionsunterricht für alle (RUfa) entwickelte sich parallel, richtete seinen Blick aber auf die interkulturell-interreligiöse Dimension. Rechtlich müssen beide Modelle gemäß Art. 7 Abs. 3 GG die Anforderungen von Verantwortungsklarheit und Bekenntnishaftigkeit erfüllen. Beide Modelle haben hier eine ähnliche Entwicklung durchlaufen: Die verfassungsrechtliche Legitimation verschiebt sich von äußeren Kriterien (Konfession der Lehrkraft) zu inneren, didaktischen Gestaltungsmerkmalen. Organisatorisch zeigt sich eine große Vielfalt beider Modelle je nach lokalen Bedingungen. Theologisch kann kokoRU auf einen gemeinsamen christlichen Kern zurückgreifen, während RUfa 2.0 mit seiner Multiperspektivität eine zentrale Rolle für Differenz als Kategorie hat. Beide Modelle betonen Differenzsensibilität bzw. Religionenspezifik und zielen auf existenzielle Bedeutsamkeit durch korrelative Lernprozesse. Bei der Identitätsbildung verfolgen beide „standpunktbefähigendes" bzw. „urteils- und orientierungskompetenzbezogenes" Lernen. Die Lehrerrolle wird neu bestimmt: Lehrkräfte sollen sich weder der Repräsentationslogik unterwerfen noch vollständig subjektivieren, sondern durch „transparente Positionalität" und „subjekt- und objektauthentische" Darstellung von Positionen agieren. Der Artikel schließt mit der Feststellung, dass beide Modelle vor ähnlichen religionsdidaktischen Herausforderungen stehen und voneinander lernen können – besonders bezüglich der Fragen nach existenzieller Bedeutsamkeit, der Vermeidung von Subjektivierung oder Konfessionalismus, der Komplexitätsreduktion sowie der Lehrerbildung und Unterrichtsmaterialentwicklung.

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