Der Artikel befasst sich mit der bislang wenig erforschten Frage, welche Vorstellungen christliche Religionslehrkräfte zu Politik, politischer Bildung und kontroversen Themen im Unterricht haben. Nach einem Überblick über bisherige religionspädagogische Forschung präsentiert der Autor die Ergebnisse einer quantitativen Studie (PBkT-Umfrage) mit n=293 praktizierenden Religionslehrkräften (Erhebungszeitraum: September-Oktober 2023). Die Stichprobe umfasst vorwiegend Sekundarstufe-II-Lehrkräfte (79,5%), einen hohen Anteil katholischer Religionslehrkräfte (77,9%) und ist geschlechtsparität (61,7% weiblich). Zentrale Ergebnisse: (1) Religionslehrkräfte interessieren sich deutlich stärker für Politik als der Durchschnitt (über 80% für verschiedene Politikbereiche). (2) Sie vertreten eher progressive als konservative Einstellungen – erkennbar an überdurchschnittlicher Unterstützung der Grünen (52,1% vs. 15% Bundesschnitt) und minimaler AfD-Unterstützung (1,9% vs. 22% Bundesschnitt). (3) Zum Beutelsbacher Konsens haben nur 50% gute bis sehr gute Kenntnisse. (4) Religionslehrkräfte sehen Potenzial des Religionsunterrichts für politische Bildung, ordnen diese aber im Rang der Bildungsziele eher im mittleren Bereich ein (Rang 8 von 9). (5) 94% unterrichten häufig bis sehr häufig kontroverse Themen mit hoher Bereitschaft (93,6% unterrichtsbereit). (6) Als Lernziele dominieren Wissensvermittlung, Urteils- und Argumentationskompetenzen vor Einstellungs-/Verhaltensänderung. (7) Diskussionen sind die häufigste Methode; politische Aktionen werden kaum durchgeführt. (8) Ein erhebliches Ausbildungsdefizit wird evident: 56,9% erhielten selten/nie Unterricht zu politischer Bildung im Studium, nur 42,3% fühlen sich gut vorbereitet. (9) Nur 24,1% fühlen sich gut auf den Unterricht von Kontroversen vorbereitet. (10) 85,8% halten neutralen Unterricht für nicht oder eher nicht möglich. (11) Externe Interventionssorgen sind gering. Der Autor schließt, dass mangelnde politikdidaktische Ausbildung die größte Herausforderung darstellt und formuliert Perspektiven für zukünftige qualitative und empirische Unterrichtsforschung.