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Religionspädagogische BeiträgeHicham TiflatiAzeddine Hmimssa

Religionspädagogische Beiträge,

Hicham Tiflati,

Azeddine Hmimssa

Islamic Religious Schooling

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht islamische Schulen in Nordamerika (USA und Kanada) und analysiert ihre historischen Ursprünge, pädagogischen Modelle, Herausforderungen und ihre Rolle bei der Identitätsbildung von muslimischen Schülern. Im Fokus stehen Fragen von Bürgerschaft, religiöser Identität und Integration in pluralistische westliche Gesellschaften.

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Der Artikel von Tiflati und Hmimssa bietet einen umfassenden Überblick über islamische Schulen im nordamerikanischen Kontext. Die Autoren definieren islamische Schulen als moderne, staatlich akkreditierte Bildungsinstitutionen, die den säkularen Lehrplan des Staates mit islamischem Unterricht verbinden (Koranunterricht, Islamische Studien, Arabisch). Historisch werden zwei Ursprünge unterschieden: erstens die Nation-of-Islam-Schulen, gegründet in den 1930er Jahren von afrikanischen Amerikanern, und zweitens die Immigranten-Schulen, die ab den 1970ern von muslimischen Migranten etabliert wurden, insbesondere unter Einfluss der Muslim Students Association (MSA). Nach 2021 gibt es über 300 islamische Schulen in Nordamerika mit über 50.000 Schülern. Die Autoren identifizieren ein zentrales Paradoxon: Während die Gründer diese Schulen als temporäre Einrichtungen zur Bewahrung ihrer kulturellen und religiösen Identität konzipiert hatten, basieren ihre pädagogischen Modelle unbewusst auf kolonialen Bildungssystemen aus ihren Herkunftsländern – nämlich der Trennung von säkularen Fächern und religiösem Unterricht. Dies steht im Widerspruch zu einer authentischen islamischen Epistemologie. Zentral ist die Analyse der Identitätsbildung: Die Autoren unterscheiden zwischen Ersatz- und Zweitgeneration-Muslimen. Erstgeneration-Migranten streben die Bewahrung ihrer Herkunftsidentität an, während Zweitgeneration-Muslime komplexe, hybride Identitäten entwickeln – sie verstehen sich als „Citizens of the World", die gleichzeitig kanadisch, quebecisch, muslimisch und an ihrer ethnischen Herkunft gebunden sind. Der Artikel behandelt auch öffentliche Schulen als Assimilationsinstrumente und analysiert die Marginalisiering von Minderheitsreligionen im staatlichen Schulsystem (z.B. die ungleiche Behandlung von christlichen versus muslimischen Feiertagen). Dies motiviert viele Eltern, ihre Kinder in islamische Schulen zu schicken. Kritisch wird festgestellt, dass islamische Schulen den Prozess der Rekonstruktion und Neubewertung des Glaubens im westlichen Kontext nicht angemessen unterstützen. Stattdessen perpetuieren sie die von den Eltern vererbte traditionelle islamische Identität, was Schülern begrenzte Möglichkeiten zur kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Glauben gibt. Die Autoren analysieren auch die Spannungen zwischen Religionspflege und Bürgererziehung: Islamische Schulen müssen gleichzeitig kulturell-religiöse Werte vermitteln und Bürger heranbilden, die liberaldemokratische Werte teilen. Dies ist eine zentrale Herausforderung für konfessionelle Schulen. Abschließend wird die Rolle von Islamophobie und Identitätspolitik thematisiert. Stereotype wie die Darstellung des Hijabs als Zeichen von Geschlechterungleichheit und die Versuche, religiöse Symbole zu verbieten (Quebec Charter of Values), führen zu Marginalisierung und Alienation der muslimischen Jugend, anstatt Integration zu fördern.

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