RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Religionspädagogische BeiträgeHarmjan Dam

Religionspädagogische Beiträge,

Harmjan Dam

Was ist evangelische Schulseelsorge?

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel definiert evangelische Schulseelsorge als wichtige Form kirchlicher Präsenz in der Schule. Sie wird als Wahrnehmungskompetenz verstanden, die von einer Haltung des „Für-andere-da-seins" geprägt ist. Schulseelsorge geht von einem breiten Seelsorgeverständnis aus und verbindet dabei Spiritualität mit Engagement für alle in der Schule tätigen Personen.

Products

Der Artikel behandelt die Definition und Entwicklung der evangelischen Schulseelsorge in Deutschland. Der Autor beschreibt Schulseelsorge zunächst als ein Angebot für alle in der Schule tätigen Personen, die jedoch für diejenigen, die Schulseelsorge anbieten, eher eine Haltung darstellt, die besondere Wahrnehmungs- und Kommunikationskompetenzen erfordert. Die zentrale Frage lautet: „Was brauchen die Menschen wirklich?" Die historische Entwicklung wird anhand der Ev. Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) nachgezeichnet. In den 1980er-Jahren bestanden große Unzufriedenheit über das Verhältnis von Kirche und Schule. Durch das Hessische Schulgesetz 1992 und ein Pilotprojekt der EKHN wurden verschiedene Formen kirchlicher Präsenz in Schulen entwickelt, wobei Schulseelsorge sich als eigenständige vierte Form etablierte. Der Artikel unterscheidet drei konzeptionelle Richtungen: (1) Schulseelsorge als individuelle Lebenshilfe und Beratung mit Fokus auf religiöse Identitätsbildung, (2) Schulseelsorge als Form gelebter Kirche durch religiöse Erfahrungsräume, (3) Schulseelsorge als Element der Schulentwicklung. Der Autor betont, dass diese drei Richtungen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern als unterschiedliche Akzentuierungen zu verstehen sind. Die theologische Begründung erfolgt ekklesiologisch: Schulseelsorge wird als gelebter christlicher Glaube verstanden, der auf eine „Geh-Struktur" setzt und sich im Missionsbefehl gründet. Der Artikel stellt Standards und Kompetenzbereiche dar, die für die Qualitätssicherung notwendig sind: (1) persönliche Seelsorgekompetenz, (2) theologische, liturgische und spirituelle Kompetenz, (3) fallbezogene Feld- und Handlungskompetenz, (4) systembezogene Feld- und Handlungskompetenz, (5) Kompetenz in rechtlichen Fragen wie Schweigepflicht und Zeugnisverweigerungsrecht. Der Artikel zeigt die Ausbreitung von Schulseelsorge in allen Landeskirchen der EKD bis 2014, mit über 1300 qualifizierten Personen. Schulseelsorge wird als Begleitung der religiösen Sozialisation über den Religionsunterricht hinaus, als Beitrag zur Schulentwicklung und als gute Vernetzung mit anderen sorgenden Personen in der Schule charakterisiert.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.