Der Artikel behandelt die wachsende Distanz von Jugendlichen zur christlichen Kirche in Deutschland. Die Autoren hinterfragen gängige soziologische Erklärungsmodelle (Säkularisierungstheorie, Verdunstung des Religiösen, Patchwork-Religion) und argumentieren, dass diese nur partielle Erklärungen bieten. Sie entwickeln ein vierdimensionales Verständnis des Begriffs "Kirche": als Institution (Meso-Ebene der Gesellschaft), als Gruppe von Amtsträgern (reale Wirklichkeit der Institution), als Gebäude (räumliche Verankerung) und als Gemeinde (Mikro-Ebene der konkreten Begegnungen). Empirische Befunde zeigen, dass Jugendliche gegenüber der Kirche als Institution skeptisch sind, aber über die Gemeinde als lokale Wirklichkeit keine Kenntnisse haben – sie bleibt "terra incognita". Besonders aufschlussreich ist die Analyse nach generationsübergreifender Religiosität: Säkulare Jugendliche der zweiten Generation (ohne religiöse Eltern) haben keinen nennenswerten Kontakt zu Gemeinden gehabt und können daher keine Meinung zu ihnen äußern. Die hohen Antwortlücken bei Fragen zur lokalen Gemeinde bestätigen deren Unbekanntheit. Die Autoren kritisieren zwei kirchliche Strategien – Anpassung an die Moderne und Rückzug auf die "kleine Herde" – da beide die Ebene der Gemeinden vernachlässigen. Sie argumentieren für eine "Kirche des Willkommens", in der die Institution die lebendige Gemeinde trägt und unterstützt, um Menschen in ihrer Menschlichkeit und Individualität anzusprechen. Die öffentliche Präsenz der Gemeinden könnte durch verstärkte Übernahme von Aufgaben wie Katechumenat und persönlicher Zeugschaft verbessert werden.