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Religionspädagogische BeiträgeBernd Ziegler

Religionspädagogische Beiträge,

Bernd Ziegler

Globale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit im Religionsunterricht

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht, wie Religionsunterricht ethisch-moralische Reflexion über globale Probleme fördern kann. Aus der Perspektive des allgemeinpädagogischen Diskurses zum Globalen Lernen werden drei didaktische Herausforderungen beim Umgang mit weltweiten Gerechtigkeits- und Nachhaltigkeitsleitbildern identifiziert und theoretische Impulse für den Religionsunterricht abgeleitet.

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Der Artikel analysiert die Bedeutung globaler Gerechtigkeits- und Nachhaltigkeitsfragen für den Religionsunterricht vor dem Hintergrund voranschreitender Globalisierung. Der Autor zeigt anhand der Sinus-Jugendstudie auf, dass Jugendliche zwar globale Probleme wie Klimawandel als zentrale Herausforderungen erkennen, aber erhebliche Unterschiede in ihrem Wissen über globale Zusammenhänge und ihre Handlungsfähigkeit bestehen. Dies wirft Fragen an die schulische Vermittlung von Globalisierungsthemen auf. Der Artikel verbindet religionspädagogische Überlegungen mit dem allgemeinpädagogischen Diskurs zum Globalen Lernen. Dabei werden drei zentrale didaktische Herausforderungen identifiziert: Erstens die Verhältnisbestimmung zwischen der Normativität weltweiter Leitbilder und der Mündigkeit von Schüler*innen zur eigenen Entscheidungsfindung. Der Autor orientiert sich dabei an Scheunpflugs reflexiv ausgerichteter Didaktik, die auf Kant'schen Freiheitskonzepten basiert. Statt Handlungsrezepte zu vermitteln, sollen offene Reflexionsangebote aus einer Gerechtigkeitsperspektive formuliert werden, die Schüler*innen zur eigenständigen Urteilsbildung anregen. Zweite Herausforderung ist die gleichberechtigte Integration nicht-westlicher Perspektiven auf Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Der Artikel kritisiert eurozentrische Auslegungen von Nachhaltigkeitsideen und plädiert für eine ideologiekritische Perspektive, die auch südliche Sichtweisen adäquat berücksichtigt. Dabei werden Ansätze einer dekolonialisierten religiösen Bildung für nachhaltige Entwicklung vorgestellt. Drittens wird der Umgang mit der enormen sozialen Komplexität globaler Probleme thematisiert. Der Autor problematisiert rein systemtheoretische Ansätze und schlägt stattdessen Youngs Social-Connection-Modell vor, das kollektive Handlungsmöglichkeiten in den Fokus rückt. Dies führt zu einer Stärkung politischer Kompetenzen im Religionsunterricht, insbesondere der Wahrnehmungs- und Handlungskompetenz gemäß Grümmes Modell eines politisch dimensionierten Religionsunterrichts. Der Artikel konstatiert, dass eine reflexive Verhältnisbestimmung zwischen normativen Leitbildern und Schüler*innenmündigkeit, die Berücksichtigung nicht-westlicher Perspektiven und eine verstärkte Förderung politischer Kompetenzen zentrale Themenfelder einer religionspädagogischen Auseinandersetzung mit globaler Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit darstellen. Diese Überlegungen haben weitreichende Konsequenzen für das Selbstverständnis des Religionsunterrichts und verweisen auf Schnittstellen zur interkulturellen religiösen Bildung und zu einer neuen politischen Religionspädagogik.

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