RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Religionspädagogische BeiträgeBernd Schröder

Religionspädagogische Beiträge,

Bernd Schröder

Religionspädagogik angesichts von Konfessionslosigkeit und Religionspluralität

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel analysiert vier zentrale Facetten der Pluralisierung im religiösen Feld Deutschlands: die wachsende Vielfalt von Religionen und Konfessionen, die interne Pluralität innerhalb von Religionsgemeinschaften, die globale Südwanderung des Christentums sowie das Phänomen der Konfessionslosigkeit. Schröder entwickelt daraus religionspädagogische Herausforderungen und Desiderate für schulische und außerschulische Lernorte.

Products

Der Artikel untersucht die veränderte religiöse Landschaft in Deutschland und ihre Implikationen für die Religionspädagogik. Schröder identifiziert vier Pluralisierungsdynamiken: Erstens die objektive Zunahme religiöser Vielfalt – während 1950 noch 96,4% der Bevölkerung christlich waren, sind es 2015 nur noch etwa 60%, während etwa 31% konfessionslos sind und 7% anderen Religionsgemeinschaften angehören. Zweitens wird die bislang unterschätzte interne Pluralität innerhalb der Konfessionen und Religionen analysiert, die durch Faktoren wie Lebensstil, Bildung, Geschlecht, Region und Migrationshintergrund geprägt ist. Drittens werden globale Prozesse betrachtet – insbesondere die Südwanderung des Christentums und die Nordwanderung durch Migration. Viertens behandelt Schröder die Konfessionslosigkeit als eigenständiges Phänomen, das nicht primär durch religiöse Suchbewegungen, sondern durch strukturelle Faktoren, familiale Sozialisation und gesellschaftliche Säkularisierung gekennzeichnet ist. Auf dieser Grundlage leitet Schröder religionspädagogische Grundfragen ab: Wie sollte religiöse Bildung organisiert werden? Wie kann heterogenitätssensible Didaktik aussehen? Wie sollten globale Perspektiven in den Unterricht integriert werden? Wie kann Religionspädagogik auf Konfessionslosigkeit reagieren? Er argumentiert, dass religiöse Bildung weniger auf Rückgewinnung von Kirchenmitgliedern abzielen sollte, sondern auf öffentliche Diskursfähigkeit, religiöse Orientierung und die Vermittlung von Religion als attraktives Lebensführungsmodell. Schröder entwickelt konkrete Desiderate für verschiedene Lernorte: Im schulischen Bereich plädiert er für eine Regionalisierung der Organisationsform des Religionsunterrichts, konfessionelle Kooperation, Profilierung eines roten Fadens und Ergänzung um außerunterrichtliche Angebote. In der Lehrendenausbildung fordert er stärkere Berücksichtigung religiöser Pluralität. Für außerschulische Lernorte empfiehlt er erfahrungsorientierte Akzente und bessere Vernetzung mit anderen Feldern kirchlicher Arbeit. Im Bereich Gemeinde/Kirche betont er die Notwendigkeit von Stil-Diversifizierung, die Vermittlung von Religion als Lebensstil und eine Neuausrichtung der Pfarrenausbildung mit stärkerem pädagogischem Fokus. Im Fazit fordert Schröder eine grundlegende Neuorientierung der Religionspädagogik, einschließlich der Dialogbereitschaft mit nicht-christlichen Theologien, material-theologischer Besinnung auf das Christliche, interdisziplinärer Zusammenarbeit und dem Aufbau eines globalen, multi-theologischen Horizonts. Die zentrale Aufgabe besteht darin, das Christentum in seiner Erkennbarkeit und Inanspruchnahkeit für individuelle Lebensführung zu stärken.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.