Der Artikel behandelt die paradigmatische Verschiebung in der Religionspädagogik von der kerygmatischen Ausrichtung (Bezeugen des Glaubens) hin zur empirisch-analytischen Forschung (Beobachten). Bucher rekonstruiert diese Entwicklung historisch, beginnend mit Jean-Jacques Rousseaus "Emile" (1762) und der dadurch angestoßenen Kinderforschung. Er stellt dar, wie sich die Religionspädagogik besonders ab den 1960er-Jahren dem empirischen Paradigma zuwandte, um ihre wissenschaftliche Reputation an staatlichen Universitäten zu stärken. Der Autor verfolgt dabei drei Thesen: Erstens, dass Beobachtung ein unverzichtbarer methodischer Königsweg bleibt, jedoch nicht gegen das Bezeugen ausgespielt werden sollte. Zweitens, dass solide Empirie die wissenschaftliche Reputation der Religionspädagogik erhöht, ohne dass dies allerdings eine Rückkehr zu normativ-deduktiven Ansätzen rechtfertigt. Drittens argumentiert Bucher, dass Wahrheit perspektivisch ist und dass die gesamte Theologie als empirisch betrieben werden kann. Der Artikel problematisiert dabei die Überbetonung von Plausibilität und Viabilität gegenüber Wahrheitsansprüchen, warnt vor naturalistischen Fehlschlüssen und betont die Bedeutung von Empathie und Verständnis für die Perspektiven von Schülern. Abschließend plädiert Bucher für ein komplementäres Verhältnis von Beobachten und Bezeugen, wonach empirische Methoden nicht gegen theologische Expertise und Glaubenszeugnis ausgespielt werden dürfen.