Angela Kaupp argumentiert für eine explizite Anerkennung kirchlicher Jugendarbeit als (religiöser) Bildungsraum. Der Artikel zeigt, dass Bildung nicht nur in Schulen und formalen Bildungsinstitutionen erfolgt, sondern zunehmend in außerschulischen Lebensräumen. Kirchliche Jugendarbeit wird dabei als wichtiger Bildungsort positioniert, nicht nur als pastorales Handlungsfeld oder Freizeitgestaltung. Der Beitrag entwickelt zunächst ein differenziertes Verständnis von Bildung, das über kognitive Aspekte hinausgeht und kulturelle, soziale und identitätsbezogene Dimensionen einbezieht. Besonderheit der Jugendarbeit ist das Überwiegen informeller und nicht-formaler Lernprozesse gegenüber formalem Lernen. Dies ermöglicht durch die damit verbundene Freiwilligkeit den Erwerb spezifischer Kompetenzen. Konkrete Bildungsformate werden exemplarisch dargestellt: Raumaneignung als Bildungsprozess, ehrenamtliches Engagement als „learning by doing", Peer-Education im Modell der „reflektierten Gruppe", biografisches Lernen und korrelatives Lernen. In allen Formaten werden durch die Verbindung von Theologie und Glauben spezifische Kompetenzen gefördert. Die sieben Verbandsprinzipien des BDKJ (Demokratie, Partizipation, Selbstorganisation, Ehrenamtlichkeit, Freiwilligkeit, christlicher Glaube, Lebensweltbezug) werden als Grundlage eines theologischen Selbstverständnisses entfaltet. Fazit: Kirchliche Jugendarbeit bleibt ein unverzichtbarer Bildungsraum, der Kompetenzen fördert, die schulische Lernformate nicht erreichen. Dies gilt besonders für die Identitätsentwicklung im Jugendalter. Der Artikel konstatiert gleichzeitig Herausforderungen durch Ganztagsschulen und veränderte Zeitbudgets sowie ein Forschungsdesiderat zur empirischen Erforschung religiöser Bildungsprozesse außerschulischer Orte.