Alexander Unser kritisiert in seinem Artikel die Argumentation von Judith Könemann zur Bildungsgerechtigkeit in der Religionspädagogik. Während er ihre Beobachtung begrüßt, dass sich die Religionspädagogik mit Fragen der Bildungsgerechtigkeit auseinandersetzen sollte, lehnt er ihre Problemanalyse und Lösungsvorschläge ab. Könemann nutzt zur Erklärung von Bildungsungerechtigkeit die Theorie rationaler Bildungsentscheidungen, die Ungleichheiten auf primäre und sekundäre Herkunftseffekte zurückführt. Unser argumentiert jedoch, dass dieser theoretische Ansatz die pädagogische Profession entlastet und strukturelle Probleme übersieht. Als Alternative schlägt er Bourdieus Theorie milieuspezifischer Bildungsbenachteiligung vor, die den Fokus auf kulturelle Kämpfe zwischen sozialen Milieus legt und zeigt, wie Bildungsinstitutionen die Kultur privilegierter Milieus bevorzugen. Im zweiten Teil des Artikels wendet Unser diese Theorie auf die Religionspädagogik an. Er zeigt empirisch, dass Religionslehrer/-innen überwiegend dem liberal-intellektuellen Milieu entstammen und einen ideell-geistigen Zugang zu Religion verkörpern. Dies führt zu einer impliziten Milieuverengung des Religionsunterrichts: Während privilegierte Schüler/-innen ihre milieuspezifischen Zugänge problemlos einbringen können, werden sozial benachteiligte Jugendliche in ihren lebensweltlichen Religionszugängen nicht anerkannt und erneut benachteiligt. Unser skizziert abschließend drei Forschungsschwerpunkte für eine zukünftige Religionspädagogik, die sich des Themas Bildungsgerechtigkeit annimmt: kritische Reflexion religionsdidaktischer Konzepte, Entwicklung einer Milieuöffnungs-Perspektive und milieuorientierte Religositätsforschung.