Vor gut 50 Jahren hat die katholische Kirche auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Religionsfreiheit anerkannt. Die Autoren untersuchen in ihrem Buch, welche Faktoren zur Wende in der kirchlichen Lehrmeinung geführt haben. Zunächst stellen die Autoren die Textgenese der Erklärung „Dignitatis humanae“ dar. Daran anschließend werden Begriffsklärungen zum Thema Moderne/Religion vorgenommen. Sodann widmen sich die Autoren dem Begriff der Religionsfreiheit und den unterschiedlichen Interpretationen dieses Begriffes. Daran anschließend werden Thesen namhafter Wissenschaftler zu der Frage aufgezeigt, wie die katholische Kirche zur Anerkennung der Religionsfreiheit finden konnte. Auf Grundlage dieser Thesen wird dann ein großes Spektrum von Faktoren aufgezeigt, die den Lernprozess der Kirche ermöglicht und befördert haben. Das Buch kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Frage, wie die katholische Kirche zur Religionsfreiheit kam, nicht eindeutig klären lässt. Vielmehr wird ein Geflecht von historischen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gesehen, die die Neuorientierung der Kirche verursacht haben. Die Hinwendung des Konzils zu dieser Thematik sei nicht allein ursächlich durch das Eingreifen der US-Bischöfe verursacht worden. Mitentscheidend waren auch die im Nationalsozialismus gemachten Erfahrungen, die Menschenrechtserklärung, die aufsteigende wirtschaftliche Entwicklung ab 1950, die Blockkonfrontation und die katholizismusinterne Pluralität in Vereinen und Verbänden. Die umfangreiche Untersuchung gibt einen Forschungsüberblick zum Thema und zeigt ein großes Spektrum wissenschaftlicher Positionen auf. Das Buch ist in der Reihe „Katholizismus zwischen Religionsfreiheit und Gewalt“ als Band 2 erschienen. Diese Monografie liefert thematisch einen wichtigen Aspekt zur Thematik dieser Reihe. Nicht nur für Theologen, sondern auch für Juristen ist der Inhalt der Monografie interessant. Rechtlich wurde die Religionsfreiheit als Ausdruck der Menschenwürde schon lange vor dem Vatikanischen Konzil durch das Grundgesetz geschützt. Interessant ist nachzuvollziehen, wie sich Religionsfreiheit nach Artikel 4 GG und Religionsfreiheit des Katholizismus angenähert haben. Schließlich ergeben sich aus der Monografie weitergehende Denkanstöße. Insbesondere könnte nach der Lektüre die Frage auftreten, ob sich die aufgezeigte Wandlung des Katholizismus zur Religionsfreiheit auch auf andere Religionen übertragen lässt. Paderborn: Schöningh Verlag. 2016 324 Seiten 39,90 € ISBN 978-3-506-77405-7