Der Film eignet sich besonders für den Religionsunterricht und Ethikunterricht der Sekundarstufe I ab der achten Jahrgangsstufe sowie für die Sekundarstufe II. Er bietet einen anschaulichen Zugang zu grundlegenden anthropologischen, philosophischen und theologischen Fragestellungen und ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von materiellen Lebensbedingungen, persönlichem Bewusstsein, religiösen Überzeugungen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wodurch das Denken und Handeln des Menschen bestimmt wird und in welchem Umfang persönliche Überzeugungen, religiöse Vorstellungen und moralische Entscheidungen von den jeweiligen Lebensumständen beeinflusst werden. Die Lernenden setzen sich mit der materialistischen Gesellschaftsauffassung von Karl Marx auseinander und vergleichen diese mit christlichen Vorstellungen vom Menschen als freiem, verantwortlichem und zur Selbstreflexion befähigtem Geschöpf Gottes. Dabei kann deutlich werden, dass die Frage nach dem Verhältnis von Sein und Bewusstsein nicht nur eine philosophische Grundsatzfrage darstellt, sondern unmittelbare Bedeutung für das eigene Leben, die persönliche Identitätsentwicklung und die Gestaltung gesellschaftlicher Beziehungen besitzt.
Als Einstieg in die Unterrichtseinheit bietet sich eine lebensweltorientierte Auseinandersetzung mit der Frage an, wodurch die eigenen Einstellungen, Überzeugungen und Wertvorstellungen entstehen. Die Lernenden können zunächst überlegen, welche Bedeutung Familie, Freundeskreis, Schule, soziale Herkunft, wirtschaftliche Möglichkeiten, Religion, Medien und gesellschaftliche Erwartungen für ihre persönliche Entwicklung besitzen. Eine geeignete Impulsfrage lautet: „Denke ich so, wie ich lebe, oder lebe ich so, wie ich denke?“ Diese Frage kann zunächst in Einzelarbeit reflektiert und anschließend in Partnerarbeit oder im Unterrichtsgespräch diskutiert werden. Alternativ können unterschiedliche Lebenssituationen vorgestellt werden, beispielsweise die Lebensbedingungen eines Jugendlichen aus einer wohlhabenden Familie und eines Jugendlichen, der unter wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen aufwächst. Die Lernenden können untersuchen, inwiefern sich unterschiedliche materielle Voraussetzungen auf Zukunftserwartungen, Bildungsentscheidungen, Wertvorstellungen und gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten auswirken. Auf diese Weise wird ein unmittelbarer Zugang zur zentralen These von Karl Marx geschaffen, ohne dass bereits umfassende philosophische Vorkenntnisse erforderlich sind.
Während der Filmvorführung können die Lernenden gezielte Beobachtungsaufträge erhalten. Sie können beispielsweise herausarbeiten, welche Erwartungen Marie an die Philosophie richtet, warum Marx idealistische Vorstellungen kritisiert und was mit der Aussage „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ gemeint ist. Darüber hinaus können sie untersuchen, welche Bedeutung wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedingungen nach Marx für das Denken der Menschen besitzen. Im Anschluss an die Filmvorführung empfiehlt sich eine gemeinsame Klärung der Begriffe Sein, Bewusstsein, Materialismus und Idealismus. Dabei sollte deutlich werden, dass Marx mit dem gesellschaftlichen Sein insbesondere die materiellen Lebensverhältnisse und die gesellschaftlichen Produktionsbedingungen meint. Seine These sollte nicht als Behauptung verstanden werden, dass jeder einzelne Gedanke ausschließlich durch wirtschaftliche Faktoren festgelegt sei. Vielmehr geht es um den grundlegenden Einfluss gesellschaftlicher Strukturen auf die Entstehung und Entwicklung menschlicher Vorstellungen. Eine Gegenüberstellung idealistischer und materialistischer Denkansätze kann dazu beitragen, die philosophischen Unterschiede verständlich herauszuarbeiten und die Fähigkeit zur begrifflichen Unterscheidung zu fördern.
Für den Religionsunterricht eröffnet der Film insbesondere die Möglichkeit, das materialistische Menschenbild von Karl Marx mit dem christlichen Menschenbild in Beziehung zu setzen. Die Lernenden können untersuchen, inwiefern der Mensch durch seine Umwelt geprägt wird und welche Bedeutung Freiheit, Gewissen, Verantwortung und religiöser Glaube für seine persönliche Entwicklung besitzen. Als biblischer Bezug eignet sich besonders die Schöpfungserzählung in Genesis 1,26 bis 27, in der der Mensch als Ebenbild Gottes beschrieben wird. Ausgehend von diesem Text kann diskutiert werden, ob sich menschliche Identität allein aus materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen erklären lässt oder ob der christliche Glaube darüber hinaus eine eigenständige Dimension menschlicher Würde und Freiheit eröffnet. Ergänzend kann Psalm 8 herangezogen werden, der nach der besonderen Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung fragt. Die Lernenden können Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen einer gesellschaftlich geprägten Vorstellung vom Menschen und einer theologischen Deutung menschlicher Existenz herausarbeiten. Dabei sollte nicht vorschnell ein unvereinbarer Gegensatz zwischen materialistischen und religiösen Perspektiven konstruiert werden. Vielmehr können beide Sichtweisen unterschiedliche Aspekte menschlicher Wirklichkeit erschließen und zu einer differenzierten Betrachtung beitragen.
Eine besonders ergiebige religionspädagogische Vertiefung bietet die Auseinandersetzung mit der Religionskritik von Karl Marx. Seine Überlegungen zum Verhältnis von Sein und Bewusstsein bilden eine wichtige Grundlage für seine Auffassung, dass religiöse Vorstellungen im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen der Menschen verstanden werden müssen. In diesem Zusammenhang kann die bekannte Aussage von Marx, Religion sei das „Opium des Volkes“, aufgegriffen und in ihrem historischen sowie gesellschaftlichen Kontext untersucht werden. Die Lernenden können erarbeiten, warum Marx Religion einerseits als Ausdruck menschlichen Leidens und andererseits als mögliche Form der Vertröstung auf ein besseres Jenseits betrachtet. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass seine Religionskritik nicht ausschließlich auf die Ablehnung religiöser Überzeugungen abzielt, sondern wesentlich mit seiner Kritik an gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten verbunden ist. Im Unterricht kann anschließend die Frage diskutiert werden, ob Religion Menschen eher dazu bewegt, bestehende gesellschaftliche Verhältnisse hinzunehmen, oder ob sie auch zur Überwindung von Ungerechtigkeit und Unterdrückung beitragen kann.
Zur Vertiefung dieser Fragestellung bietet sich die Beschäftigung mit biblischen und historischen Beispielen religiös begründeten gesellschaftlichen Engagements an. Die prophetische Sozialkritik im Alten Testament, insbesondere in Amos 5,21 bis 24 und Jesaja 58,6 bis 10, verdeutlicht, dass religiöser Glaube mit der Forderung nach Gerechtigkeit und der Verantwortung für benachteiligte Menschen verbunden sein kann. Auch das Handeln Jesu gegenüber gesellschaftlich ausgegrenzten Menschen sowie seine Kritik an Reichtum und Macht bieten geeignete Anknüpfungspunkte. Ergänzend können Persönlichkeiten wie Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer oder Óscar Romero betrachtet werden, deren religiöse Überzeugungen zu gesellschaftlichem Engagement und Widerstand gegen Unrecht beigetragen haben. Die Lernenden können untersuchen, ob solche Beispiele die Religionskritik von Marx widerlegen, ergänzen oder zu einer differenzierteren Bewertung herausfordern. Auf diese Weise wird deutlich, dass Religion sowohl gesellschaftliche Verhältnisse stabilisieren als auch Impulse zu deren Veränderung geben kann.
Ein weiterer Schwerpunkt kann auf der Frage nach Freiheit und Selbstbestimmung liegen. Wenn das menschliche Bewusstsein wesentlich durch gesellschaftliche Bedingungen geprägt wird, stellt sich die Frage, in welchem Umfang Menschen ihre Einstellungen und Lebensentscheidungen eigenständig gestalten können. Die Lernenden können hierzu Beispiele aus ihrer Lebenswelt untersuchen, etwa den Einfluss sozialer Medien, gesellschaftlicher Schönheitsideale, wirtschaftlicher Möglichkeiten, familiärer Erwartungen oder religiöser Traditionen. In einer strukturierten Diskussion können sie die Frage erörtern, ob Menschen tatsächlich frei entscheiden oder ob ihre Entscheidungen bereits durch äußere Einflüsse vorgeprägt sind. Dabei bietet sich eine Verbindung zur christlichen Vorstellung von Gewissensfreiheit und persönlicher Verantwortung an. Auch die Auseinandersetzung mit dem Apostel Paulus, insbesondere Römer 12,2, kann neue Perspektiven eröffnen. Der dort formulierte Gedanke einer Erneuerung des Denkens ermöglicht es, über die Veränderbarkeit persönlicher Überzeugungen und die bewusste Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Erwartungen nachzudenken.
Methodisch bietet der Film zahlreiche Möglichkeiten für einen dialogischen, problemorientierten und kompetenzfördernden Unterricht. In einer Gruppenarbeit können die Lernenden unterschiedliche Positionen zur Frage nach der Entstehung menschlicher Überzeugungen erarbeiten und miteinander vergleichen. Eine Gruppe kann die materialistische Perspektive von Karl Marx vertreten, während andere Gruppen idealistische, christlich anthropologische oder sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze untersuchen. Anschließend können die Ergebnisse in einer moderierten Diskussion zusammengeführt werden. Ebenso eignet sich ein philosophisches Gespräch, in dem die Lernenden anhand konkreter Beispiele darüber nachdenken, ob Gedanken gesellschaftliche Verhältnisse verändern können oder ob gesellschaftliche Veränderungen zunächst neue Denkweisen ermöglichen. Ein Rollenspiel zwischen Karl Marx, Marie, einer religiösen Person und einer Person aus schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen kann unterschiedliche Perspektiven veranschaulichen und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel fördern.
Für eine kreative Weiterführung können die Lernenden einen fiktiven Dialog zwischen Karl Marx und Jesus über die Bedeutung materieller Lebensbedingungen, menschlicher Freiheit und gesellschaftlicher Gerechtigkeit verfassen. Dabei sollten die jeweiligen Positionen zuvor anhand geeigneter Texte erschlossen werden, damit die unterschiedlichen Denkweisen sachgerecht dargestellt werden können. Alternativ können die Lernenden einen persönlichen Reflexionstext zur Frage „Was prägt mein Denken und woran orientiere ich mein Leben?“ gestalten. Auch die Analyse von Werbung, sozialen Medien oder gesellschaftlichen Debatten eignet sich, um den Zusammenhang zwischen Lebensbedingungen und Bewusstsein auf aktuelle Beispiele zu übertragen. In der Sekundarstufe II kann die Unterrichtseinheit durch die Arbeit mit ausgewählten Originaltexten von Karl Marx und Friedrich Engels vertieft werden. Besonders geeignet sind Auszüge aus „Die deutsche Ideologie“ sowie aus dem Vorwort von „Zur Kritik der politischen Ökonomie“. Die Lernenden können zentrale Aussagen analysieren, mit dem Film vergleichen und die Reichweite der materialistischen Geschichtsauffassung kritisch beurteilen.
Zur Ergebnissicherung empfiehlt sich die Entwicklung einer differenzierten Stellungnahme zur Leitfrage „Bestimmt das Sein das Bewusstsein oder kann das Bewusstsein das Sein verändern?“ Die Lernenden können dabei die Position von Marx erläutern, mit religiösen und philosophischen Vorstellungen vergleichen und ein begründetes eigenes Urteil formulieren. Als abschließender Transfer bietet sich die Frage an, welche Bedeutung Bildung, Religion, gesellschaftliches Engagement und persönliche Verantwortung für die Veränderung ungerechter Lebensverhältnisse besitzen. Dadurch wird die Auseinandersetzung mit einer philosophischen Grundthese zu einer Reflexion über die eigene Lebensgestaltung und die Verantwortung gegenüber anderen Menschen erweitert. Der Film fördert somit die religiöse und ethische Urteilskompetenz, die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit Weltanschauungen sowie das Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Strukturen, persönlichen Überzeugungen und menschlichem Handeln. Gleichzeitig eröffnet er die Möglichkeit, die gesellschaftliche Bedeutung von Religion differenziert zu betrachten und den christlichen Glauben im Spannungsfeld von materiellen Lebensbedingungen, individueller Freiheit und sozialer Gerechtigkeit zu reflektieren.