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Samuel Jajalian

Samuel Jajalian

Satres Existentialismus

Veröffentlichung:22.12.2020

Das Medium führt in die Grundgedanken des atheistischen Existenzialismus von Jean Paul Sartre ein und stellt dabei insbesondere die Frage nach dem Wesen des Menschen, seiner Freiheit und seiner Verantwortung in den Mittelpunkt. Zunächst wird zwischen dem An sich Sein unbelebter Gegenstände und dem Für sich Sein des Menschen unterschieden. Während Gegenstände kein Bewusstsein ihrer eigenen Existenz besitzen, kann der Mensch über sich selbst und seine Umwelt nachdenken und durch sein Handeln Veränderungen herbeiführen. Daran anschließend erläutert das Medium Sartres zentrale These, dass beim Menschen die Existenz der Essenz vorausgeht. Der Mensch besitzt demnach kein von vornherein festgelegtes Wesen, sondern gestaltet sich durch seine Entscheidungen und sein Handeln selbst. Daraus ergibt sich Sartres radikales Verständnis menschlicher Freiheit. Der Mensch ist frei, seine Zukunft zu gestalten, trägt damit aber zugleich Verantwortung für sein Handeln. Diese Gedanken werden mit Sartres Atheismus verbunden. Da Sartre nicht von der Existenz Gottes ausgeht, gibt es in seinem Ansatz keine von Gott vorgegebene menschliche Wesensbestimmung und keine übergeordneten göttlichen Werte, auf die sich der Mensch zur Rechtfertigung seines Handelns berufen könnte. Der Mensch ist deshalb, wie es im Medium anhand eines bekannten Sartre Zitats verdeutlicht wird, zur Freiheit verurteilt und für das verantwortlich, was er tut. Abschließend setzt sich das Medium kritisch mit Sartres Existenzialismus auseinander und thematisiert insbesondere den Gegensatz zum Determinismus, die Frage nach der Begründung eines Humanismus sowie die mögliche Konzentration Sartres auf den Menschen gegenüber anderen Lebewesen.

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Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 10 in Unterrichtsreihen zu Freiheit und Verantwortung, Menschenbildern, der Frage nach Gott, Atheismus sowie zur Bedeutung von Religion für die menschliche Lebensgestaltung. Sartres Existenzialismus ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage, ob der Mensch ein vorgegebenes Wesen und eine vorgegebene Bestimmung besitzt oder sich durch seine Entscheidungen selbst entwirft. Damit bietet das Medium zugleich eine geeignete nichtreligiöse Position, die mit christlichen Vorstellungen vom Menschen und seiner Freiheit in Beziehung gesetzt werden kann.

Als Einstieg empfiehlt sich die Frage „Wer bestimmt, wer ich bin?“ Die Lernenden können zunächst individuell Faktoren notieren, die ihre Persönlichkeit beeinflussen. Denkbar sind Familie, Freundeskreis, Herkunft, Erziehung, Begabungen, gesellschaftliche Erwartungen, persönliche Entscheidungen und Zukunftsvorstellungen. Anschließend werden die Antworten danach geordnet, was Menschen vorgegeben ist und was sie selbst beeinflussen können. Damit wird unmittelbar auf Sartres Unterscheidung zwischen gegebenen Bedingungen und menschlicher Selbstbestimmung vorbereitet.

Eine alternative Möglichkeit besteht darin, vor der Betrachtung des Mediums zwei gegensätzliche Aussagen zu präsentieren: „Jeder Mensch besitzt von Anfang an ein bestimmtes Wesen“ und „Der Mensch wird erst durch seine Entscheidungen zu dem Menschen, der er ist.“ Die Lernenden positionieren sich zunächst zu diesen Aussagen. Nach der Arbeit mit dem Medium können sie ihre ursprüngliche Position erneut überprüfen. Auf diese Weise wird sichtbar, ob und wie die Auseinandersetzung mit Sartre das eigene Menschenbild verändert oder differenziert hat.

Während der Betrachtung des Mediums empfiehlt sich ein strukturierter Beobachtungsauftrag. Die Lernenden können die Begriffe An sich Sein, Für sich Sein, Existenz, Essenz, Freiheit, Verantwortung, Atheismus und Determinismus notieren und in eigenen Worten erklären. Gerade die Aussage, dass die Existenz der Essenz vorausgeht, sollte nicht lediglich auswendig gelernt, sondern anhand des im Medium verwendeten Vergleichs zwischen Mensch und Gegenstand nachvollzogen werden. Während bei einem hergestellten Gegenstand sein Zweck bereits vor seiner Herstellung feststeht, entsteht der Mensch nach der Darstellung des Mediums zunächst als Existenz und formt anschließend sein eigenes Wesen.

Zur Sicherung bietet sich ein Begriffsnetz an. Im Mittelpunkt steht der Mensch. Von dort aus werden die Begriffe Existenz, Essenz, Freiheit, Entscheidung und Verantwortung miteinander verbunden. Die Lernenden erläutern anschließend die einzelnen Verbindungen. So kann beispielsweise herausgearbeitet werden, dass die fehlende vorgegebene Essenz nach Sartre Freiheit ermöglicht, Freiheit Entscheidungen notwendig macht und Entscheidungen wiederum Verantwortung begründen.

Besonders geeignet für den Religionsunterricht ist die im Medium dargestellte Verbindung zwischen Existenzialismus und Atheismus. Sartres Argumentation kann zunächst sachlich rekonstruiert werden: Wenn kein Gott existiert, gibt es nach der im Medium dargestellten Position keinen Schöpfer, der das Wesen des Menschen bereits vor dessen Existenz festgelegt hat. Daraus folgt für Sartre jedoch gerade keine Befreiung von Verantwortung. Im Gegenteil wird die Verantwortung des Menschen besonders groß, weil er sich nicht auf eine vorgegebene menschliche Natur oder auf göttlich festgelegte Werte berufen kann.

An diesem Punkt bietet sich eine religionspädagogische Gegenüberstellung mit einem christlichen Menschenbild an. Die Lernenden können beispielsweise untersuchen, ob der Glaube an einen Schöpfer menschliche Freiheit notwendigerweise einschränkt. Dabei sollte keine einfache Gegenüberstellung nach dem Muster Atheismus bedeutet Freiheit und Religion bedeutet Unfreiheit entstehen. Stattdessen kann gefragt werden, ob ein christliches Verständnis des Menschen als Geschöpf Gottes ebenfalls Freiheit und Verantwortung voraussetzen kann. Begriffe wie Gottebenbildlichkeit, Menschenwürde, Freiheit, Gewissen, Schuld und Verantwortung können hierbei einbezogen werden.

Methodisch eignet sich dafür eine vergleichende Gruppenarbeit. Eine Gruppe rekonstruiert Sartres Menschenbild anhand des Mediums. Eine weitere Gruppe erarbeitet ein christliches Menschenbild anhand geeigneter biblischer Texte, beispielsweise aus den Schöpfungserzählungen. Anschließend werden beide Vorstellungen anhand gemeinsamer Kategorien verglichen: Ursprung des Menschen, Wesen des Menschen, Bedeutung Gottes, Freiheit, Verantwortung, Werte und Lebenssinn. Dabei sollten sowohl Unterschiede als auch mögliche Berührungspunkte herausgearbeitet werden.

Eine besondere Bedeutung besitzt Sartres Aussage, der Mensch sei zur Freiheit verurteilt. Sie eignet sich als Ausgangspunkt für ein Unterrichtsgespräch oder eine schriftliche Reflexion. Die Lernenden können zunächst erklären, warum Freiheit hier mit dem zunächst widersprüchlich erscheinenden Begriff der Verurteilung verbunden wird. Anschließend können sie diskutieren, ob Freiheit tatsächlich als Belastung erfahren werden kann. Lebensweltliche Beispiele wie Berufswahl, Freundschaften, Partnerschaft, Umgang mit sozialen Medien oder moralische Entscheidungen ermöglichen einen konkreten Zugang.

Zur Vertiefung eignet sich eine Fallanalyse. Eine Lernende könnte beispielsweise erklären: „Meine Familie und meine Erziehung haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Deshalb kann ich gar nicht wirklich anders handeln.“ Die Lerngruppe untersucht diese Aussage aus Sartres Perspektive. Dabei kann herausgearbeitet werden, dass das Medium zwar körperliche Voraussetzungen, Erziehung und Geburt als Bedingungen menschlicher Existenz berücksichtigt, zugleich aber Sartres Auffassung darstellt, dass der Mensch durch seine Vergangenheit nicht vollständig determiniert ist und seine Zukunft gestalten kann.

Für leistungsstärkere Lerngruppen bietet sich die Auseinandersetzung mit der im Medium vorgestellten deterministischen Kritik an. Die Lernenden können Sartres Vorstellung von Freiheit einer deterministischen Position gegenüberstellen und untersuchen, welche Folgen beide Positionen für den Begriff der Verantwortung besitzen. Das Medium macht diesen Gegensatz ausdrücklich deutlich: Sartre schreibt dem Menschen Freiheit und Verantwortung für die Gestaltung seiner Zukunft zu, während die dargestellte deterministische Perspektive gerade diese Offenheit der Zukunft bestreitet.

Die abschließende Urteilsbildung kann durch die Frage erfolgen, ob Sartres Vorstellung menschlicher Freiheit überzeugend ist. Dabei sollten die Lernenden Argumente für und gegen seine Position berücksichtigen und zwischen Darstellung, Analyse und eigener Bewertung unterscheiden. Besonders produktiv ist die Verbindung mit der religiösen Leitfrage, ob der Glaube an Gott menschliche Freiheit einschränkt oder ob Freiheit gerade Bestandteil eines religiösen Menschenbildes sein kann. Damit führt das Medium von einer philosophischen Einführung zu zentralen Fragen religiöser und ethischer Bildung.


Prüfungsfragen für eine Klausur in der Jahrgangsstufe 10 mit Lösungen


Aufgabe 1: Beschreiben

Beschreibe Sartres Unterscheidung zwischen An sich Sein und Für sich Sein.

Lösung: Als An sich Sein werden im Medium Existenzformen beschrieben, die kein Bewusstsein ihrer eigenen Existenz besitzen und nicht über sich selbst reflektieren können. Als Beispiel werden unbelebte Gegenstände genannt. Der Mensch besitzt dagegen Bewusstsein, kann sich von seiner Umwelt unterscheiden, über sich selbst nachdenken und durch sein Handeln Veränderungen bewirken. Diese Form der Existenz bezeichnet Sartre als Für sich Sein. Die Unterscheidung macht somit das menschliche Bewusstsein und die Fähigkeit zur Selbstreflexion zu entscheidenden Merkmalen des Menschen.


Aufgabe 2: Erläutern

Erläutere Sartres Aussage, dass beim Menschen die Existenz der Essenz vorausgeht.

Lösung: Mit Existenz ist gemeint, dass der Mensch zunächst überhaupt vorhanden ist. Essenz bezeichnet dagegen sein Wesen. Sartre geht nach der Darstellung des Mediums davon aus, dass der Mensch nicht mit einem vollständig festgelegten Wesen geboren wird. Er existiert zunächst und bestimmt anschließend durch seine Entscheidungen und Handlungen, wer er ist. Das Medium verdeutlicht dies durch den Vergleich mit einem Gegenstand. Bei einem Löffel stehen Zweck und Eigenschaften bereits vor seiner Herstellung fest. Beim Menschen verhält es sich nach Sartre umgekehrt. Er existiert zuerst und gestaltet anschließend sein eigenes Wesen.


Aufgabe 3: Erklären

Erkläre den Zusammenhang zwischen Freiheit und Verantwortung in Sartres Existenzialismus.

Lösung: Der Mensch besitzt nach der im Medium dargestellten Position Sartres die Freiheit, seine Zukunft durch seine Entscheidungen zu gestalten. Diese Freiheit führt zugleich zu Verantwortung. Wenn ein Mensch selbst entscheidet, kann er die Verantwortung für sein Handeln nicht vollständig auf seine Vergangenheit, seine Umwelt oder eine übergeordnete Macht übertragen. Freiheit bedeutet bei Sartre deshalb nicht nur eine Möglichkeit, sondern auch eine Belastung. Der Mensch muss Entscheidungen treffen und für deren Folgen Verantwortung übernehmen.


Aufgabe 4: Analysieren

Ein Jugendlicher erklärt: „Ich bin eben so. Meine Familie und meine Erziehung haben mich dazu gemacht. Ich kann daran nichts ändern.“

Analysiere diese Aussage aus der Perspektive des im Medium dargestellten Existenzialismus Sartres.

Lösung: Sartre würde die Aussage in dieser Form nicht akzeptieren. Zwar berücksichtigt die Darstellung im Medium, dass Menschen durch körperliche Voraussetzungen, Geburt und Erziehung geprägt werden. Diese Bedingungen legen nach Sartres Existenzialismus jedoch nicht vollständig fest, wer ein Mensch zukünftig sein wird. Der Mensch besitzt als Für sich Sein die Möglichkeit, sich zu seinen Voraussetzungen zu verhalten und seine Zukunft durch Entscheidungen mitzugestalten. Die Aussage des Jugendlichen würde deshalb seine eigene Freiheit und Verantwortung unterschätzen. Aus Sartres Perspektive kann sich der Mensch nicht vollständig auf seine Vergangenheit berufen, um gegenwärtiges Handeln zu entschuldigen.


Aufgabe 5: Vergleichen

Vergleiche Sartres Vorstellung vom Menschen mit einem christlichen Menschenbild hinsichtlich Freiheit und Verantwortung.

Lösung: Nach Sartres atheistischem Existenzialismus besitzt der Mensch keine von Gott vorgegebene Essenz. Er muss sein Wesen durch seine eigenen Entscheidungen gestalten. Daraus entstehen umfassende Freiheit und zugleich umfassende Verantwortung.

Ein christliches Menschenbild geht dagegen von einer Beziehung zwischen Gott und Mensch aus. Der Mensch versteht sich als Geschöpf Gottes und kann beispielsweise über die Vorstellung der Gottebenbildlichkeit eine besondere Würde erhalten. Auch innerhalb eines christlichen Menschenbildes können Freiheit und Verantwortung zentrale Bedeutung besitzen.

Ein wesentlicher Unterschied besteht somit in der Begründung. Sartre begründet menschliche Selbstbestimmung ohne Rückgriff auf Gott. Ein christliches Menschenbild kann Freiheit und Verantwortung dagegen innerhalb der Beziehung zwischen Mensch und Gott verstehen.


Aufgabe 6: Erläutern

Erläutere die Bedeutung des Atheismus für Sartres Existenzialismus.

Lösung: Sartre geht nach der Darstellung des Mediums nicht von der Existenz Gottes aus. Damit entfällt die Vorstellung eines Schöpfers, der dem Menschen bereits vor seiner Existenz ein bestimmtes Wesen oder einen bestimmten Zweck gegeben hat. Der Mensch muss deshalb selbst bestimmen, wer er sein möchte. Gleichzeitig kann er sich bei seinen Entscheidungen nicht auf von Gott vorgegebene Werte berufen, um sein Handeln zu rechtfertigen. Der Atheismus steht im dargestellten Existenzialismus deshalb in engem Zusammenhang mit Freiheit, Selbstbestimmung und Verantwortung.


Aufgabe 7: Beurteilen

Beurteile die Aussage: „Wenn der Mensch frei ist, trägt er auch Verantwortung für sein Handeln.“

Lösung: Die Aussage entspricht einem zentralen Zusammenhang des im Medium dargestellten Existenzialismus. Wenn Menschen tatsächlich zwischen verschiedenen Möglichkeiten entscheiden und ihre Zukunft selbst gestalten können, lassen sich ihre Handlungen ihnen auch zurechnen. Freiheit und Verantwortung gehören dann unmittelbar zusammen.

Allerdings kann kritisch eingewandt werden, dass menschliche Entscheidungen unter Bedingungen stattfinden, die nicht selbst gewählt wurden. Herkunft, Erziehung, körperliche Voraussetzungen und gesellschaftliche Bedingungen können die Handlungsmöglichkeiten eines Menschen beeinflussen. Das Medium weist selbst darauf hin, dass der Mensch auch von solchen Voraussetzungen geprägt ist. Ein begründetes Urteil sollte deshalb zwischen menschlicher Freiheit und den Bedingungen unterscheiden, innerhalb derer diese Freiheit ausgeübt wird.


Aufgabe 8: Erörtern

Erörtere Sartres Aussage, der Mensch sei „verurteilt frei zu sein“.

Lösung: Für Sartres Aussage spricht, dass Menschen immer wieder Entscheidungen treffen müssen. Selbst die Entscheidung, eine Entscheidung anderen zu überlassen oder nicht zu handeln, kann als eine Form des Entscheidens verstanden werden. Freiheit kann deshalb als Belastung erscheinen, weil Menschen Verantwortung für ihre Lebensgestaltung übernehmen müssen.

Kritisch lässt sich fragen, ob Sartre die menschliche Freiheit zu umfassend versteht. Menschen können ihre Herkunft, viele körperliche Voraussetzungen und zahlreiche äußere Bedingungen nicht selbst wählen. Auch gesellschaftliche und persönliche Erfahrungen können die vorhandenen Möglichkeiten begrenzen.

Die Aussage macht dennoch einen zentralen Gedanken des Existenzialismus deutlich: Freiheit bedeutet nicht ausschließlich, tun zu können, was man möchte. Sie beinhaltet auch die Aufgabe, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen zu müssen. Eine begründete Beurteilung muss deshalb sowohl Sartres Verständnis von Freiheit als auch mögliche Grenzen dieser Freiheit berücksichtigen.


Aufgabe 9: Stellung nehmen

Nimm begründet Stellung zu der Frage: „Schränkt der Glaube an Gott die Freiheit des Menschen ein?“

Lösung: Aus Sartres Perspektive könnte die Vorstellung eines Gottes problematisch erscheinen, wenn angenommen wird, dass Gott das Wesen und den Lebenszweck des Menschen bereits vollständig festgelegt hat. Sartres Existenzialismus betont dagegen, dass der Mensch sein Wesen selbst gestaltet.

Aus christlicher Perspektive muss der Glaube an Gott jedoch nicht zwangsläufig als Gegensatz zur Freiheit verstanden werden. Der Mensch kann als von Gott geschaffen und zugleich mit Freiheit und Verantwortung ausgestattet verstanden werden. Freiheit würde dann nicht bedeuten, vollkommen unabhängig von Gott zu sein, sondern selbstständig Entscheidungen treffen und dafür Verantwortung übernehmen zu können.

Eine begründete Stellungnahme sollte daher berücksichtigen, welches Gottesbild und welcher Freiheitsbegriff zugrunde gelegt werden. Die entscheidende Frage lautet, ob die Beziehung zu Gott als Fremdbestimmung oder als Grundlage verantwortlicher Freiheit verstanden wird.


Aufgabe 10: Erörtern

Erörtere die Frage, ob ein Mensch ohne vorgegebene religiöse Werte verantwortlich handeln kann.

Lösung: Dafür spricht, dass Menschen moralische Werte auch durch Vernunft, Mitgefühl, gemeinsame Erfahrungen und gesellschaftliche Verständigung entwickeln können. Sartres Existenzialismus verbindet die Abwesenheit vorgegebener göttlicher Werte gerade mit einer besonders großen Verantwortung des Menschen. Der Mensch kann sein Handeln nicht mit einer vorgegebenen Ordnung entschuldigen, sondern muss für seine Entscheidungen selbst einstehen.

Demgegenüber können religiöse Werte Orientierung bieten und moralisches Handeln begründen. Gebote, religiöse Traditionen und Vorstellungen von Menschenwürde können Menschen Maßstäbe zur Beurteilung ihres Handelns geben.

Für das Urteil ist deshalb zwischen der Herkunft moralischer Werte und der Fähigkeit zu verantwortlichem Handeln zu unterscheiden. Die Frage, ob Werte religiös begründet werden müssen, wird von Sartres atheistischem Existenzialismus und religiösen Menschenbildern unterschiedlich beantwortet. Entscheidend für eine begründete Stellungnahme ist, diese unterschiedlichen Begründungswege nachvollziehbar gegeneinander abzuwägen.

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