Der Text eignet sich für den Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 10 besonders für die Themen Wahrheit, Erkenntnis, Zweifel, Selbstbewusstsein, Menschenbild, Vernunft sowie Glaube und Wissen. Inhaltlich bietet sich eine unmittelbare Verbindung zur „Ersten Meditation“ an. Dort hat Descartes seine bisherigen Gewissheiten schrittweise durch den Zweifel an den Sinnen, das Traumargument und die Vorstellung eines mächtigen Betrügers erschüttert. Die „Zweite Meditation“ vollzieht nun die entscheidende Wendung. Der Zweifel führt nicht in eine vollständige Erkenntnislosigkeit, sondern eröffnet den Weg zu einer ersten Gewissheit.
Als Einstieg kann die Frage „Kannst du an deiner eigenen Existenz zweifeln?“ an die Lernenden gestellt werden. Die Lernenden können zunächst spontan begründen, weshalb sie ihre eigene Existenz für sicher halten. Anschließend kann die Frage verschärft werden: „Was wäre, wenn alles, was du gerade siehst und wahrnimmst, eine Täuschung wäre?“ Dadurch wird die Problemstellung Descartes’ unmittelbar erfahrbar. Wichtig ist, zunächst keine Lösung vorzugeben, sondern die Lernenden selbst nach etwas suchen zu lassen, das auch unter der Annahme einer umfassenden Täuschung noch sicher wäre.
Für die Texterschließung sollte die Argumentation in einzelne gedankliche Schritte zerlegt werden. Die Lernenden markieren zunächst alle Dinge, die Descartes weiterhin bezweifelt. Dazu gehören die Sinneswahrnehmungen, das Gedächtnis, der Körper und die Außenwelt. Anschließend markieren sie Aussagen, die sich auf das zweifelnde oder getäuschte Ich beziehen. Auf diese Weise wird der entscheidende Übergang sichtbar: Descartes fragt nicht länger nur danach, was möglicherweise falsch ist, sondern danach, was selbst dann wahr sein muss, wenn sämtliche bisherigen Annahmen falsch wären.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Vorstellung des mächtigen und listigen Betrügers. Sie sollte als Gedankenexperiment erschlossen werden. Descartes muss nicht beweisen, dass ein solcher Betrüger tatsächlich existiert. Für seine Argumentation genügt die Annahme, dass eine umfassende Täuschung denkbar ist. Gerade diese Annahme führt jedoch zur entscheidenden Gewissheit. Damit Descartes getäuscht werden kann, muss es jemanden geben, der getäuscht wird. Der Versuch, die eigene Existenz zu bezweifeln, bestätigt deshalb im Vollzug des Zweifelns die Existenz des Zweifelnden.
Methodisch kann dieser Gedankengang durch ein Tafelbild oder ein Flussdiagramm gesichert werden. Ausgangspunkt ist der radikale Zweifel. Darauf folgt die Annahme, dass alle Wahrnehmungen und Vorstellungen falsch sein könnten. Anschließend wird die Möglichkeit einer vollständigen Täuschung aufgenommen. Daraus ergibt sich die Frage, wer überhaupt getäuscht wird. Die Antwort lautet: das denkende Ich. Die Schlussfolgerung besteht schließlich in der Gewissheit der eigenen Existenz. Diese Visualisierung unterstützt die Lernenden dabei, die argumentative Struktur des Textes zu erfassen, statt lediglich den bekannten Satz „Ich denke, also bin ich“ auswendig zu lernen.
Didaktisch sollte außerdem herausgearbeitet werden, was Descartes an dieser Stelle noch nicht bewiesen hat. Aus der Gewissheit des denkenden Ichs folgt zunächst nicht, dass die Außenwelt tatsächlich existiert. Ebenso ist damit noch nicht bewiesen, dass der eigene Körper in der angenommenen Weise existiert. Sicher ist zunächst lediglich, dass das Ich in dem Moment existiert, in dem es denkt. Diese Unterscheidung ist für das Verständnis des Textes zentral und verhindert eine Verkürzung der Argumentation.
Eine Partnerarbeit kann die Texterschließung vertiefen. Eine Person übernimmt die Rolle des radikal Zweifelnden und versucht, jede Behauptung der anderen Person infrage zu stellen. Die zweite Person versucht, eine Aussage zu finden, die dem Zweifel standhält. Anschließend wird gemeinsam geprüft, weshalb der Denkakt selbst nicht auf dieselbe Weise bestritten werden kann. So wird die abstrakte Argumentation in eine kommunikative Situation übertragen.
Ein lebensweltlicher Zugang kann über virtuelle Wirklichkeiten, Computersimulationen oder künstlich erzeugte Inhalte hergestellt werden. Die Lernenden können sich vorstellen, sämtliche aktuellen Wahrnehmungen seien Teil einer perfekten Simulation. Anschließend wird gefragt, was unter dieser Voraussetzung dennoch sicher wäre. Auch wenn die wahrgenommene Welt künstlich erzeugt wäre, müsste zumindest ein Bewusstsein vorhanden sein, das diese Wahrnehmungen erlebt oder über sie nachdenkt. Der Gegenwartsbezug sollte jedoch als Gedankenexperiment verstanden werden und nicht als Behauptung, dass die Welt tatsächlich eine Simulation sei.
Für den Religionsunterricht bietet der Text darüber hinaus einen Zugang zum Verhältnis von Vernunft, Selbstgewissheit und Gottesfrage. Während Descartes in diesem Abschnitt zunächst beim denkenden Ich ansetzt, kann anschließend gefragt werden, welche Rolle Gott für die weitere Begründung von Erkenntnis spielt. Ebenso lässt sich untersuchen, ob religiöser Glaube eine andere Form von Gewissheit beansprucht als die von Descartes gesuchte philosophische Gewissheit.
Ein Vergleich mit Platons Höhlengleichnis bietet sich ebenfalls an. Sowohl Platon als auch Descartes stellen die vermeintliche Selbstverständlichkeit menschlicher Wahrnehmung infrage. Bei Platon muss sich der Mensch von den Schatten lösen und einen Bildungsweg zur Erkenntnis durchlaufen. Descartes dagegen sucht durch methodischen Zweifel nach einer Aussage, die selbst unter den radikalsten Zweifelsbedingungen wahr bleibt. Beide Ansätze können somit als unterschiedliche Wege der Suche nach Wahrheit und sicherer Erkenntnis betrachtet werden.
Zur Ergebnissicherung können die Lernenden die Herleitung des Cogito in eigenen Worten formulieren. Besonders geeignet ist die Aufgabe, die Argumentation in höchstens fünf gedanklichen Schritten darzustellen. Dadurch wird überprüft, ob die Lernenden nicht nur das Ergebnis, sondern auch dessen Begründung verstanden haben.
Lösung der Frage: In welchen Schritten gelangt Descartes zu einem unbestreitbar wahren Ausgangssatz?
Descartes gelangt nicht unmittelbar zu seiner ersten Gewissheit. Er entwickelt sie aus dem radikalen Zweifel heraus.
Erster Schritt: Fortsetzung des radikalen Zweifels
Descartes hält weiterhin alles für falsch, woran auch nur der geringste Zweifel möglich ist. Er bezweifelt seine Sinneswahrnehmungen, seine Erinnerungen, seinen Körper und die gesamte Außenwelt. Er nimmt gedanklich sogar an, dass Himmel, Erde und Körper überhaupt nicht existieren.
Zweiter Schritt: Zweifel an der eigenen Existenz
Nachdem Descartes nahezu alles ausgeschlossen hat, stellt sich die entscheidende Frage, ob auch er selbst möglicherweise nicht existiert. Zunächst scheint dies möglich zu sein, weil auch der eigene Körper und die Sinne bezweifelt worden sind. Descartes erkennt jedoch, dass die Existenz des Ichs nicht von der sicheren Existenz des Körpers abhängig ist.
Dritter Schritt: Die Entdeckung des zweifelnden Ichs
Descartes erkennt, dass er zweifelt und sich Gedanken macht. Damit muss es etwas geben, das diesen Zweifel vollzieht. Schon der Versuch, die eigene Existenz zu bezweifeln, setzt ein zweifelndes und damit denkendes Ich voraus. Der Zweifel hebt die Existenz des Zweifelnden deshalb nicht auf, sondern bestätigt sie.
Vierter Schritt: Das Argument des Betrügers
Descartes verschärft die Überlegung erneut. Selbst wenn ein äußerst mächtiger Betrüger existieren würde, der ihn ständig täuscht, könnte dieser Betrüger Descartes nur dann täuschen, wenn Descartes existiert. Ohne ein Ich, das getäuscht wird, könnte keine Täuschung stattfinden.
Fünfter Schritt: Die erste unbezweifelbare Gewissheit
Damit findet Descartes einen Satz, den selbst der radikalste Zweifel nicht widerlegen kann. Sobald er denkt, zweifelt oder getäuscht wird, muss er existieren.
Der unbestreitbar wahre Ausgangssatz lautet:
„Ich bin, ich existiere.“
Der zugrunde liegende Gedanke wird häufig mit der Formel „Ich denke, also bin ich“ zusammengefasst.
Die Argumentation lässt sich knapp darstellen:
Radikaler Zweifel → Alles Wahrgenommene könnte falsch sein → Auch der eigene Körper kann bezweifelt werden → Aber das Zweifeln selbst findet statt → Zweifeln ist eine Form des Denkens → Denken setzt ein denkendes Ich voraus → Selbst eine Täuschung setzt jemanden voraus, der getäuscht wird → Also ist die eigene Existenz während des Denkens gewiss
5. Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10 mit Musterantworten
Aufgabe 1: Beschreiben Sie die Ausgangssituation Descartes’ zu Beginn der „Zweiten Meditation“.
Operator: Beschreiben
Musterantwort:
Descartes befindet sich nach seinen vorherigen Überlegungen in einem Zustand umfassenden Zweifels. Er hat beschlossen, alles zurückzuweisen, woran auch nur der geringste Zweifel möglich ist. Deshalb betrachtet er Sinneswahrnehmungen, Erinnerungen, seinen Körper und die Außenwelt zunächst als unsicher. Er sucht nach einer Erkenntnis, die selbst diesem radikalen Zweifel standhalten kann.
Aufgabe 2: Geben Sie die wesentlichen Schritte wieder, durch die Descartes zur Gewissheit seiner eigenen Existenz gelangt.
Operator: Wiedergeben
Musterantwort:
Descartes bezweifelt zunächst Sinneswahrnehmungen, Erinnerungen, seinen Körper und die Außenwelt. Danach fragt er, ob auch seine eigene Existenz bezweifelt werden kann. Er erkennt, dass er zweifelt und damit denkt. Wenn er denkt, muss es ein denkendes Ich geben. Selbst wenn ein mächtiger Betrüger ihn vollständig täuschen würde, müsste Descartes existieren, damit er getäuscht werden kann. Daraus gewinnt er die Gewissheit: „Ich bin, ich existiere.“
Aufgabe 3: Erläutern Sie, weshalb der Versuch, die eigene Existenz zu bezweifeln, für Descartes gerade zur Gewissheit der eigenen Existenz führt.
Operator: Erläutern
Musterantwort:
Wer an seiner eigenen Existenz zweifelt, vollzieht bereits einen Denkakt. Dieser Zweifel kann nur stattfinden, wenn etwas oder jemand zweifelt. Deshalb kann Descartes zwar den Inhalt seiner Gedanken bezweifeln, nicht aber die Tatsache, dass er gerade denkt. Der Versuch, die eigene Existenz zu bestreiten, setzt somit bereits ein existierendes denkendes Ich voraus. Der Zweifel bestätigt daher genau das, was er zu widerlegen versucht.
Aufgabe 4: Erklären Sie die Funktion des mächtigen Betrügers für die Herleitung des Cogito.
Operator: Erklären
Musterantwort:
Der mächtige Betrüger dient als Gedankenexperiment, mit dem Descartes den Zweifel bis an seine äußerste Grenze führt. Selbst wenn ein Betrüger alle Wahrnehmungen und Gedanken manipulieren könnte, müsste jemand vorhanden sein, der getäuscht wird. Der Betrüger könnte Descartes über alles Mögliche täuschen, aber nicht darüber, dass Descartes in dem Moment existiert, in dem er getäuscht wird. Das Gedankenexperiment stärkt daher die Gewissheit des denkenden Ichs.
Aufgabe 5: Analysieren Sie die Argumentationsstruktur, mit der Descartes zu dem Satz „Ich bin, ich existiere“ gelangt.
Operator: Analysieren
Musterantwort:
Die Argumentation beginnt mit der konsequenten Fortführung des methodischen Zweifels. Descartes betrachtet alles als unsicher, was möglicherweise falsch sein könnte. Dazu gehören die Außenwelt, sein Körper und seine Sinneswahrnehmungen. Anschließend richtet er den Zweifel auf die eigene Existenz. Dabei erkennt er eine Grenze des Zweifelns. Um überhaupt zweifeln zu können, muss ein zweifelndes Subjekt existieren. Diese Erkenntnis wird durch die Vorstellung des Betrügers weiter geprüft. Auch eine vollständige Täuschung setzt jemanden voraus, der getäuscht wird. Deshalb bleibt die Existenz des denkenden Ichs selbst unter der radikalsten Täuschungsannahme bestehen. Der Satz „Ich bin, ich existiere“ wird somit zur ersten Gewissheit, die Descartes nicht mehr sinnvoll bezweifeln kann.
Aufgabe 6: Arbeiten Sie heraus, was Descartes mit dem Satz „Ich bin, ich existiere“ bereits sicher weiß und was dadurch noch nicht bewiesen ist.
Operator: Herausarbeiten
Musterantwort:
Descartes weiß sicher, dass er in dem Moment existiert, in dem er denkt. Sicher ist damit zunächst die Existenz eines denkenden Ichs. Noch nicht bewiesen ist dagegen, dass die wahrgenommene Außenwelt tatsächlich existiert. Ebenso folgt aus dem Cogito zunächst nicht, dass der eigene Körper in der wahrgenommenen Form existiert. Auch die Zuverlässigkeit der Sinne ist noch nicht wiederhergestellt. Descartes hat somit einen ersten sicheren Ausgangspunkt gefunden, aber noch keine vollständige Gewissheit über die Welt gewonnen.
Aufgabe 7: Vergleichen Sie die Wahrheitssuche in Descartes’ „Zweiter Meditation“ mit Platons Höhlengleichnis.
Operator: Vergleichen
Musterantwort:
Sowohl Descartes als auch Platon gehen davon aus, dass die unmittelbare Wahrnehmung nicht automatisch mit sicherer Erkenntnis gleichgesetzt werden kann. Die Gefangenen in Platons Höhle halten Schatten für die Wirklichkeit. Descartes bezweifelt ebenfalls, dass Sinneswahrnehmungen eine vollkommen sichere Erkenntnis ermöglichen. Unterschiede bestehen im Weg zur Wahrheit. Platon beschreibt Erkenntnis bildhaft als Aufstieg aus der Höhle zum Licht. Descartes verwendet dagegen den methodischen Zweifel und sucht nach einer Aussage, die überhaupt nicht mehr bezweifelt werden kann. Bei Descartes findet sich diese erste Gewissheit im denkenden Ich.
Aufgabe 8: Beurteilen Sie die Aussage: „Die eigene Existenz ist sicherer als die Existenz der Außenwelt.“ Beziehen Sie Descartes’ Argumentation ein.
Operator: Beurteilen
Musterantwort:
Aus der Perspektive der Argumentation Descartes’ lässt sich die Aussage begründen. Die Außenwelt wird durch Sinneswahrnehmungen erfahren, deren Zuverlässigkeit Descartes zunächst bezweifelt. Auch eine vollständige Täuschung über die Außenwelt erscheint in seinem Gedankenexperiment möglich. Die eigene Existenz besitzt dagegen eine besondere Stellung. Wer darüber nachdenkt, ob er existiert, vollzieht bereits einen Denkakt. Dieser Denkakt setzt für Descartes ein existierendes denkendes Ich voraus. Innerhalb seiner Methode ist die Existenz des denkenden Ichs daher unmittelbar gewiss, während die Existenz der Außenwelt noch einer weiteren Begründung bedarf.
Aufgabe 9: Erörtern Sie, ob Descartes’ Suche nach absoluter Gewissheit für den Alltag sinnvoll ist.
Operator: Erörtern
Musterantwort:
Für Descartes’ Vorgehensweise spricht, dass Zweifel Menschen dazu anregen kann, vermeintliche Selbstverständlichkeiten kritisch zu überprüfen. Gerade bei widersprüchlichen Informationen kann es sinnvoll sein, Wahrnehmungen und Behauptungen nicht vorschnell zu akzeptieren. Gegen eine vollständige Übertragung auf den Alltag spricht jedoch, dass Menschen viele Entscheidungen treffen müssen, ohne absolute Gewissheit erreichen zu können. Häufig genügt es, wenn Informationen durch gute Gründe, Erfahrungen und zuverlässige Quellen gestützt werden. Descartes’ radikaler Zweifel ist deshalb besonders als philosophische Methode zur Untersuchung der Grundlagen unseres Wissens sinnvoll. Für das alltägliche Handeln wäre ein Anspruch auf absolute Gewissheit in vielen Situationen kaum umsetzbar.
Aufgabe 10: Nehmen Sie begründet Stellung zu der Aussage: „Zweifel zerstört Gewissheit.“ Berücksichtigen Sie Descartes’ Herleitung des Cogito.
Operator: Stellung nehmen
Musterantwort:
Descartes’ Argumentation zeigt, dass Zweifel Gewissheit nicht ausschließlich zerstören muss. Zunächst beseitigt der methodische Zweifel tatsächlich zahlreiche vermeintliche Gewissheiten. Sinneswahrnehmungen, der Körper und die Außenwelt werden unsicher. Gleichzeitig ermöglicht gerade der radikale Zweifel die Entdeckung einer neuen Form von Gewissheit. Descartes erkennt, dass der Vollzug des Zweifelns ein denkendes Ich voraussetzt. Der Zweifel führt somit zum Satz „Ich bin, ich existiere“. Zweifel kann daher bestehende Überzeugungen erschüttern, zugleich aber ein Mittel sein, besser begründete Gewissheiten zu suchen.
Aufgabe 11: Setzen Sie Descartes’ Vorstellung von Gewissheit in Beziehung zur Frage nach religiösem Glauben.
Operator: In Beziehung setzen
Musterantwort:
Descartes sucht nach einer Erkenntnis, die auch unter den Bedingungen eines radikalen Zweifels vollkommen sicher bleibt. Seine erste Gewissheit gewinnt er durch die Reflexion auf das eigene Denken. Religiöser Glaube kann ebenfalls mit Fragen nach Wahrheit und Gewissheit verbunden sein, beruht jedoch nicht ausschließlich auf derselben Form philosophischer Beweisführung. Religiöse Überzeugungen können beispielsweise Vertrauen, Offenbarung, religiöse Erfahrungen und Tradition einbeziehen. Descartes’ Überlegungen ermöglichen deshalb die Frage, ob Gewissheit in Philosophie und Religion auf unterschiedliche Weise begründet werden kann und welche Bedeutung Zweifel innerhalb des Glaubens besitzt.