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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten – die ersten Sätze

Veröffentlichung:1.1.1795

Das Medium enthält einen zentralen Ausschnitt aus Immanuel Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten von 1785 und führt in einen Grundgedanken seiner Moralphilosophie ein. Kant eröffnet seine Überlegungen mit der These, dass allein ein guter Wille ohne Einschränkung als gut gelten könne. Fähigkeiten wie Verstand, Urteilskraft, Mut, Entschlossenheit und Beharrlichkeit besitzen für Kant keinen unbedingten moralischen Wert, weil sie sowohl für gute als auch für schlechte Zwecke eingesetzt werden können. Auch Selbstbeherrschung, Mäßigung und vernünftige Überlegung sind nicht aus sich heraus moralisch gut. Entscheidend ist vielmehr der Wille, der diese Fähigkeiten und Eigenschaften gebraucht. Kant grenzt den moralischen Wert des guten Willens außerdem deutlich vom Erfolg einer Handlung ab. Der gute Wille ist nicht deshalb gut, weil er bestimmte erwünschte Folgen hervorbringt oder einen Zweck erreicht, sondern aufgrund seines Wollens selbst. Selbst wenn eine moralisch handelnde Person trotz ernsthafter Bemühungen ihr Ziel nicht erreicht, behält der gute Wille seinen Wert. Mit dem bekannten Bild des Juwels verdeutlicht Kant, dass dieser Wert unabhängig von den tatsächlich eintretenden Folgen besteht. Der Text bietet damit einen geeigneten Ausgangspunkt, um im Religionsunterricht grundlegende Fragen nach moralischem Handeln, Verantwortung, Absicht, Erfolg und der Begründung ethischer Urteile zu behandeln.

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Der Text eignet sich besonders für Lernende der Jahrgangsstufe 10, wenn grundlegende ethische Fragestellungen behandelt und unterschiedliche Möglichkeiten moralischer Urteilsbildung untersucht werden. Eine besondere didaktische Chance besteht darin, Kants abstrakte Argumentation mit lebensnahen Entscheidungssituationen zu verbinden. Als Einstieg kann beispielsweise die Frage gestellt werden, ob eine Handlung moralisch gut bleibt, wenn sie gut gemeint war, aber schlechte Folgen hatte. Umgekehrt lässt sich fragen, ob eine aus egoistischen Motiven vollzogene Handlung moralisch gut genannt werden kann, wenn sie zufällig positive Folgen hervorbringt. Solche Situationen ermöglichen einen problemorientierten Zugang zur Unterscheidung von Absicht, Handlung und Handlungsfolge.

Für die Texterschließung empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen. Zunächst markieren die Lernenden alle Eigenschaften, die Kant ausdrücklich als grundsätzlich wünschenswert bezeichnet. Anschließend untersuchen sie, weshalb diese Eigenschaften nach Kant dennoch nicht uneingeschränkt gut sind. In einem weiteren Arbeitsschritt wird die Sonderstellung des guten Willens herausgearbeitet. Dabei können zentrale Aussagen des Textes in die Sprache der Lernenden übertragen werden. Gerade Formulierungen wie „ohne Einschränkung gut“, „an sich gut“ oder das Bild des „Juwels“ sollten sprachlich geklärt werden. Die historische Schreibweise des Originals bietet zusätzlich Gelegenheit, zwischen sprachlicher Schwierigkeit und philosophischer Schwierigkeit zu unterscheiden.

Methodisch bietet sich anschließend eine Visualisierung der Argumentation an. Im Zentrum steht der Begriff „guter Wille“. Ihm können Verstand, Mut, Entschlossenheit, Selbstbeherrschung und weitere Eigenschaften gegenübergestellt werden. Die Lernenden formulieren für jede Eigenschaft ein Beispiel, in dem sie einem guten Zweck dient, und ein Gegenbeispiel, in dem dieselbe Eigenschaft für einen moralisch problematischen Zweck eingesetzt wird. So kann etwa Entschlossenheit einer Person helfen, einem bedrohten Menschen beizustehen. Dieselbe Entschlossenheit kann aber auch dazu beitragen, einen schädlichen Plan besonders konsequent auszuführen. Dadurch wird Kants Argument konkret nachvollziehbar.

Eine vertiefende Unterrichtsphase sollte sich der Unabhängigkeit des moralischen Wertes vom Handlungserfolg widmen. Dafür eignet sich ein Fallbeispiel: Eine Person versucht aus moralischer Überzeugung, einem anderen Menschen zu helfen, kann den gewünschten Erfolg jedoch trotz aller verfügbaren Mittel nicht erreichen. Die Lernenden prüfen anhand des Textes, welchen moralischen Wert Kant diesem Handeln zuschreiben würde. Wichtig ist hierbei Kants Einschränkung, dass der gute Wille kein bloßer Wunsch ist. Er verlangt vielmehr das ernsthafte Bemühen und den Einsatz der verfügbaren Mittel. Dadurch kann einem möglichen Missverständnis begegnet werden, nach dem für Kant eine gute Absicht unabhängig vom tatsächlichen Handeln bereits ausreichend wäre.

Im Religionsunterricht bietet sich darüber hinaus ein Vergleich mit christlichen Vorstellungen guten Handelns an. Beispielsweise können die Bedeutung der inneren Haltung, das Gebot der Nächstenliebe und die Verantwortung für konkrete Mitmenschen mit Kants Verständnis des guten Willens verglichen werden. Dabei sollten Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden, ohne Kant vorschnell mit christlicher Ethik gleichzusetzen. Die Lernenden können untersuchen, aus welchen Quellen moralische Verpflichtung jeweils begründet wird und welche Bedeutung Motivation, Pflicht, Nächstenliebe und Handlungsfolgen besitzen.

Für eine abschließende Urteilsbildung eignen sich Dilemmata und kurze Fallgeschichten. Die Lernenden beurteilen zunächst einen Fall aus ihrer eigenen Perspektive und wenden anschließend Kants Argumentation darauf an. Dadurch wird zwischen persönlicher Meinung und philosophisch begründetem Urteil unterschieden. Leistungsstärkere Lernende können zusätzlich die Frage diskutieren, ob die Folgen einer Handlung tatsächlich so weit aus der Beurteilung ihres moralischen Wertes herausgehalten werden können. Damit wird zugleich eine spätere Gegenüberstellung von Pflichtethik und konsequentialistischen beziehungsweise utilitaristischen Ansätzen vorbereitet.


Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10 mit Lösungen


Aufgabe 1, Anforderungsbereich I, Operator: Beschreiben

Beschreibe Kants Auffassung vom guten Willen anhand des vorliegenden Textes.

Musterlösung: Kant betrachtet den guten Willen als das Einzige, das ohne Einschränkung gut genannt werden kann. Andere positive Eigenschaften wie Verstand, Mut, Entschlossenheit oder Selbstbeherrschung können sowohl für gute als auch für schlechte Zwecke eingesetzt werden. Ihr moralischer Wert hängt deshalb davon ab, wie der Wille sie verwendet. Der gute Wille besitzt seinen Wert dagegen in sich selbst. Sein moralischer Wert hängt nach Kant auch nicht davon ab, ob die beabsichtigte Handlung erfolgreich ist.


Aufgabe 2, Anforderungsbereich II, Operator: Erläutern

Erläutere Kants Aussage, dass Eigenschaften wie Verstand, Mut und Selbstbeherrschung nicht ohne Einschränkung gut sind. Beziehe mindestens ein eigenes Beispiel ein.

Musterlösung: Diese Eigenschaften können nach Kant nicht ohne Einschränkung als gut gelten, weil ihre moralische Bedeutung davon abhängt, für welchen Zweck sie eingesetzt werden. Mut kann beispielsweise dazu führen, dass eine Person trotz eigener Angst einem bedrohten Menschen hilft. Mut kann aber ebenso bei einer moralisch schlechten Handlung eingesetzt werden. Auch ein intelligenter Mensch kann seine Fähigkeiten verwenden, um andere Menschen zu täuschen. Die Fähigkeit selbst entscheidet daher noch nicht über den moralischen Wert. Entscheidend ist für Kant der Wille, der sie einsetzt.


Aufgabe 3, Anforderungsbereich II, Operator: Analysieren

Analysiere, wie Kant seine These vom besonderen Wert des guten Willens begründet.

Musterlösung: Kant beginnt mit der Behauptung, dass allein der gute Wille uneingeschränkt gut sei. Anschließend betrachtet er verschiedene Fähigkeiten und Charaktereigenschaften, die normalerweise positiv bewertet werden. Er zeigt jedoch, dass diese Eigenschaften auch für schlechte Zwecke eingesetzt werden können. Deshalb besitzen sie keinen unbedingten moralischen Wert. Danach verstärkt Kant seine Argumentation, indem er den guten Willen vom Erfolg einer Handlung unabhängig macht. Selbst wenn eine Person trotz ernsthafter Bemühungen ihr Ziel nicht erreicht, behält der gute Wille seinen Wert. Das Bild des Juwels veranschaulicht schließlich, dass der gute Wille seinen Wert in sich selbst trägt.


Aufgabe 4, Anforderungsbereich II, Operator: Anwenden

Eine Jugendliche bemerkt, dass ein Mitschüler ausgegrenzt wird. Sie versucht, ihn zu unterstützen und andere von der Ausgrenzung abzuhalten. Trotz ihrer Bemühungen gelingt ihr dies zunächst nicht. Wende Kants Verständnis des guten Willens auf diese Situation an.

Musterlösung: Aus Kants Perspektive hängt der moralische Wert des Handelns nicht allein davon ab, ob die Jugendliche die Ausgrenzung tatsächlich beendet. Entscheidend ist zunächst, aus welchem Willen heraus sie handelt. Wenn sie das moralisch Richtige tun möchte und ernsthaft die ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzt, verliert ihr Handeln seinen moralischen Wert nicht dadurch, dass der gewünschte Erfolg ausbleibt. Das Beispiel entspricht Kants Gedanken, dass der gute Wille seinen Wert auch dann behält, wenn er seine Absicht aufgrund äußerer Umstände nicht verwirklichen kann.


Aufgabe 5, Anforderungsbereich III, Operator: Beurteilen

Beurteile die Aussage: „Für die moralische Bewertung einer Handlung ist nur entscheidend, ob sie gute Folgen hat.“ Beziehe Kants Position in deine Argumentation ein.

Musterlösung: Aus Kants Perspektive ist die Aussage abzulehnen, weil gute Folgen allein noch keinen moralisch guten Willen beweisen. Eine Person könnte beispielsweise aus egoistischen Gründen handeln und dabei zufällig etwas Positives bewirken. Umgekehrt kann eine Person mit einem guten Willen handeln, obwohl ihr Vorhaben aufgrund äußerer Umstände scheitert. Für Kant liegt der moralische Wert deshalb nicht hauptsächlich im Ergebnis, sondern im Willen. Allerdings lässt sich kritisch einwenden, dass die Folgen einer Handlung für betroffene Menschen eine große Bedeutung besitzen. Für eine umfassende ethische Beurteilung kann deshalb diskutiert werden, ob neben der Absicht auch vorhersehbare Folgen berücksichtigt werden sollten.


Aufgabe 6, Anforderungsbereich III, Operator: Erörtern

Erörtere die These: „Eine gute Absicht reicht aus, damit eine Handlung moralisch gut ist.“ Beziehe dich auf den Text und entwickle eine begründete eigene Position.

Musterlösung: Für die These spricht zunächst Kants Betonung des guten Willens. Der moralische Wert kann nicht ausschließlich vom Erfolg abhängen, weil Menschen nicht alle Folgen ihres Handelns kontrollieren können. Eine Person kann sich ernsthaft um das Richtige bemühen und dennoch scheitern. Gegen die These spricht jedoch, dass eine bloße gute Absicht nach Kant gerade nicht ausreicht. Kant unterscheidet den guten Willen ausdrücklich von einem bloßen Wunsch. Die handelnde Person muss die ihr zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen. Darüber hinaus kann argumentiert werden, dass Menschen auch Verantwortung für vorhersehbare Folgen ihres Handelns tragen. Eine begründete Position kann daher zwischen bloßer Absicht, ernsthaftem moralischem Wollen und verantwortlichem Handeln unterscheiden.

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