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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Hans Albert: Pascals falsche Wette (1972)

Veröffentlichung:1.1.2014

Das Medium enthält einen Auszug aus Hans Alberts Text „Pascals falsche Wette“ aus dem Jahr 1972. Albert setzt sich darin kritisch mit Blaise Pascals berühmtem Argument für eine Entscheidung zugunsten des Gottesglaubens auseinander. Ausgangspunkt ist Pascals Annahme, dass die Existenz Gottes mit den Mitteln der Vernunft weder eindeutig bewiesen noch widerlegt werden könne. Deshalb versteht Pascal die Entscheidung für oder gegen den Glauben als eine Wette. Wer an Gott glaubt und damit richtigliegt, kann die ewige Seligkeit gewinnen. Sollte Gott dagegen nicht existieren, sei der Verlust vergleichsweise gering. Albert kritisiert insbesondere die Voraussetzungen dieser Argumentation. Pascal berücksichtige nur wenige Möglichkeiten und setze bereits eine bestimmte Vorstellung Gottes voraus. Denkbar sei beispielsweise ein Gott, der einen ausschließlich aus persönlichem Nutzen angenommenen Glauben gerade nicht belohnt. Ebenso könnte Gott nicht den Glauben, sondern das moralische Verhalten eines Menschen zum entscheidenden Maßstab machen. Albert zeigt damit, dass Pascals Wette nur unter bestimmten Voraussetzungen funktioniert und zusammenbricht, sobald weitere mögliche Gottesvorstellungen berücksichtigt werden. Das Medium eröffnet somit zentrale Fragen nach dem Verhältnis von Glaube und Vernunft, nach der Begründbarkeit des Gottesglaubens und nach den Motiven religiösen Glaubens.

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Aufgabe 1, Anforderungsbereich I, Operator: Zusammenfassen


Fasse die Grundidee der von Hans Albert dargestellten Wette Pascals in eigenen Worten zusammen.

Musterlösung:

Pascal geht davon aus, dass die Vernunft nicht eindeutig entscheiden kann, ob Gott existiert oder nicht. Deshalb betrachtet er die Entscheidung für oder gegen den Glauben als eine Wette. Wenn ein Mensch an Gott glaubt und Gott tatsächlich existiert, kann dieser Mensch nach Pascals Vorstellung die ewige Seligkeit gewinnen. Wenn Gott dagegen nicht existiert, verliert der glaubende Mensch nach dieser Argumentation vergleichsweise wenig. Pascal hält es deshalb für vernünftig, sich für den Glauben zu entscheiden, weil einem möglichen begrenzten Verlust ein unbegrenzter möglicher Gewinn gegenübersteht.


Aufgabe 2, Anforderungsbereich I bis II, Operator: Erläutern

Erläutere, welche Vorstellung von Gott Pascal nach der Darstellung Hans Alberts für seine Wette voraussetzen muss.

Musterlösung:

Pascal muss für seine Wette eine bestimmte Vorstellung Gottes voraussetzen. Dieser Gott muss zunächst tatsächlich existieren können. Darüber hinaus muss angenommen werden, dass dieser Gott zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden unterscheidet und den Glauben an ihn für die Entscheidung über das jenseitige Schicksal eines Menschen berücksichtigt. Glaubende können nach dieser Vorstellung mit ewiger Seligkeit rechnen, während Nichtglaubende die Seligkeit nicht erhalten oder sogar mit Verdammnis rechnen müssen.

Albert macht darauf aufmerksam, dass diese Vorstellung nicht selbstverständlich ist. Denkbar wären auch andere Gottesbilder. Gott könnte beispielsweise das moralische Verhalten eines Menschen höher bewerten als dessen Glauben. Damit zeigt Albert, dass Pascals Wette bereits bestimmte theologische Annahmen benötigt, bevor die eigentliche Entscheidung getroffen werden kann.


Aufgabe 3, Anforderungsbereich II, Operator: Analysieren

Analysiere Hans Alberts Kritik an Pascals Wette. Arbeite heraus, mit welcher Strategie Albert versucht, die Argumentation Pascals infrage zu stellen.

Musterlösung:

Albert kritisiert vor allem die Voraussetzungen von Pascals Wette. Pascal berücksichtigt nach Alberts Darstellung nur eine begrenzte Zahl von Möglichkeiten. Entweder existiert ein Gott, der Glaubende mit ewiger Seligkeit belohnt, oder ein solcher Gott existiert nicht.

Albert zeigt, dass weitere Möglichkeiten denkbar sind. Beispielsweise könnte ein Gott existieren, der Menschen gerade deshalb nicht belohnt, weil sie nur aus persönlichem Nutzen an ihn glauben. Ebenso könnte Gott ausschließlich das moralische Verhalten eines Menschen beurteilen und dessen Glauben oder Nichtglauben für unwichtig halten.

Alberts argumentative Strategie besteht somit darin, Pascals Voraussetzungen durch zusätzliche Möglichkeiten zu erweitern. Er muss dafür nicht beweisen, dass seine alternativen Gottesvorstellungen tatsächlich zutreffen. Es genügt für seine Kritik zu zeigen, dass Pascal nicht begründet, weshalb gerade sein vorausgesetztes Gottesbild das richtige sein sollte. Wenn verschiedene mögliche Gottesvorstellungen zu unterschiedlichen Ergebnissen der Wette führen, verliert die Wette nach Albert ihre eindeutige Entscheidungsfunktion.


Aufgabe 4, Anforderungsbereich II, Operator: Vergleichen

Vergleiche die Gottesvorstellung, die Pascal für seine Wette benötigt, mit einer von Albert genannten alternativen Gottesvorstellung.

Musterlösung:

In der von Albert dargestellten Pascalschen Wette spielt der Glaube an Gott eine entscheidende Rolle. Der Mensch, der sich für den Glauben entscheidet, kann mit ewiger Seligkeit rechnen, sofern Gott existiert. Damit wird vorausgesetzt, dass Gott den Glauben eines Menschen für dessen jenseitiges Schicksal berücksichtigt.

Albert stellt dieser Vorstellung unter anderem die Möglichkeit eines Gottes gegenüber, für den nicht der Glaube, sondern das moralische Verhalten entscheidend ist. Ein Mensch könnte dann auch ohne Gottesglauben ewige Seligkeit erlangen, wenn er moralisch gut handelt. Umgekehrt würde das bloße Bekenntnis zu Gott keine Garantie für eine Belohnung darstellen.

Der wesentliche Unterschied besteht somit in dem Kriterium, nach dem Gott Menschen beurteilt. In Pascals Modell besitzt der Glaube eine zentrale Bedeutung. In Alberts alternativem Gedankenmodell steht dagegen das moralische Verhalten im Mittelpunkt. Dieser Unterschied ist entscheidend, weil Pascals Wette bei der zweiten Gottesvorstellung nicht mehr zum gleichen Ergebnis führt.


Aufgabe 5, Anforderungsbereich II bis III, Operator: Erörtern

Erörtere die Aussage: „Es ist vernünftig, an Gott zu glauben, wenn man dadurch unendlich viel gewinnen und nur wenig verlieren kann.“ Beziehe Pascals Argumentation und Alberts Kritik ein.

Musterlösung:

Für Pascals Überlegung spricht zunächst die Struktur der Risikoabwägung. Wenn die Existenz Gottes weder bewiesen noch widerlegt werden kann und der mögliche Gewinn des Glaubens in ewiger Seligkeit besteht, erscheint es zunächst vernünftig, die Möglichkeit mit dem größten denkbaren Gewinn zu wählen. Besonders überzeugend kann diese Überlegung erscheinen, wenn der Einsatz für den Glauben als vergleichsweise gering angesehen wird.

Albert macht jedoch darauf aufmerksam, dass diese Rechnung nur funktioniert, wenn bestimmte Voraussetzungen akzeptiert werden. Man müsste bereits wissen, dass ein existierender Gott Glauben belohnt. Genau dies ist jedoch nicht selbstverständlich. Ein möglicher Gott könnte moralisches Verhalten wichtiger finden als ein Glaubensbekenntnis. Ebenso könnte er einen Glauben, der lediglich aus der Hoffnung auf persönlichen Gewinn angenommen wird, gerade nicht belohnen.

Zusätzlich stellt sich die Frage, ob Menschen Glaubensüberzeugungen überhaupt allein aufgrund einer Nutzenrechnung annehmen können. Die Entscheidung, sich so zu verhalten, als glaube man an Gott, ist nicht automatisch identisch mit der tatsächlichen Überzeugung, dass Gott existiert.

Pascals Argument macht somit auf die möglichen Konsequenzen einer Glaubensentscheidung aufmerksam. Alberts Kritik zeigt jedoch, dass die Entscheidung nur dann eindeutig erscheint, wenn zuvor bestimmte Annahmen über Gott akzeptiert werden. Gerade diese Annahmen sind selbst begründungsbedürftig.


Aufgabe 6, Anforderungsbereich III, Operator: Beurteilen

Beurteile Hans Alberts Einwand, ein Gott könnte Menschen, die nur aus persönlichem Nutzen an ihn glauben, anders beurteilen als Menschen, die aus ehrlicher Überzeugung glauben oder nicht glauben.

Musterlösung:

Alberts Einwand trifft einen wichtigen Punkt der Pascalschen Argumentation, weil er zwischen äußerem Glaubensverhalten und innerer Überzeugung unterscheidet. Ein Mensch kann sich möglicherweise entscheiden, religiöse Handlungen auszuführen. Schwieriger ist jedoch die bewusste Entscheidung, etwas tatsächlich für wahr zu halten. Wer nur deshalb glaubt, weil er sich davon eine Belohnung verspricht, handelt zunächst aus Eigeninteresse.

Aus religiöser Perspektive kann außerdem gefragt werden, ob ein Gott, der die Gedanken und Motive eines Menschen kennt, einen lediglich berechnenden Glauben genauso beurteilen würde wie einen Glauben aus Vertrauen und Überzeugung. Alberts Beispiel zeigt deshalb, dass Pascal für seine Wette bereits voraussetzen muss, dass die Motivation des Glaubens die erwartete Belohnung nicht verhindert.

Der Einwand ist als Kritik an der logischen Struktur der Wette bedeutsam, weil bereits eine zusätzliche mögliche Gottesvorstellung die scheinbar eindeutige Nutzenrechnung verändert. Er beweist allerdings weder, dass Alberts alternatives Gottesbild zutrifft, noch dass Gott nicht existiert. Seine Funktion besteht darin, eine nicht ausreichend begründete Voraussetzung von Pascals Argument sichtbar zu machen.


Aufgabe 7, Anforderungsbereich III, Operator: Stellung nehmen

Nimm begründet zu der Frage Stellung, ob moralisches Verhalten oder der Glaube an Gott entscheidender dafür sein sollte, einen Menschen als guten Menschen zu beurteilen. Beziehe den Text von Hans Albert in deine Argumentation ein.

Musterlösung:

Für eine Beurteilung nach dem moralischen Verhalten spricht, dass sich das Handeln eines Menschen unmittelbar auf andere Menschen auswirkt. Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Verantwortung können unabhängig davon verwirklicht werden, ob ein Mensch religiös ist. Alberts alternative Gottesvorstellung macht deshalb auf die Möglichkeit aufmerksam, dass ein Gott moralisches Verhalten wichtiger beurteilen könnte als das bloße Bekenntnis zu ihm.

Aus religiöser Perspektive kann dagegen eingewendet werden, dass Glaube mehr sein kann als die Zustimmung zur Aussage, dass Gott existiert. Christlicher Glaube kann als Vertrauen verstanden werden, aus dem moralisches Handeln hervorgehen soll. Glaube und moralisches Verhalten müssten dann nicht als Gegensätze betrachtet werden.

Für die Beurteilung eines Menschen erscheint es problematisch, ausschließlich auf ein religiöses Bekenntnis zu achten und das tatsächliche Verhalten auszublenden. Gleichzeitig wäre es zu einfach, religiöse Überzeugungen grundsätzlich für moralisch bedeutungslos zu erklären, da sie das Handeln eines Menschen prägen können. Entscheidend ist daher, welche Beziehung zwischen Überzeugung, Motivation und konkretem Handeln besteht.


Aufgabe 8, Anforderungsbereich III, Operator: Prüfen

Prüfe die Aussage: „Hans Albert widerlegt mit seiner Kritik an Pascals Wette den Glauben an Gott.“

Musterlösung:

Die Aussage trifft nicht zu. Albert untersucht im vorliegenden Text nicht unmittelbar, ob Gott existiert oder nicht. Seine Kritik richtet sich gegen eine bestimmte Argumentation, mit der Pascal eine Entscheidung für den Gottesglauben begründen möchte.

Albert zeigt, dass Pascals Wette bestimmte Voraussetzungen über Gott benötigt. Insbesondere muss angenommen werden, dass Gott Glauben belohnt und Nichtglauben entsprechend negativ bewertet. Albert entwickelt alternative Möglichkeiten und zeigt dadurch, dass die Wette bei anderen Gottesvorstellungen zu anderen Ergebnissen führen könnte.

Damit wird eine wichtige Unterscheidung deutlich: Die Widerlegung eines Arguments für den Gottesglauben wäre nicht automatisch eine Widerlegung der Existenz Gottes. Selbst wenn Pascals Wette als Argument nicht überzeugen sollte, könnte Gott aus anderen Gründen existieren oder der Gottesglaube könnte anders begründet werden. Alberts Kritik betrifft daher die Tragfähigkeit der Pascalschen Wette und nicht unmittelbar die Frage nach der Existenz Gottes.

Hessen

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