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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Zurückweisung des Relativismus

Veröffentlichung:1.1.2013

Der philosophische Text „Zurückweisung des Relativismus“ setzt sich kritisch mit der Position eines globalen Relativismus auseinander. Ausgangspunkt ist die Frage, ob Aussagen über die Wirklichkeit unabhängig von menschlichen Überzeugungen wahr sein können. Dies wird am anschaulichen Beispiel der Aussage „Es gab Dinosaurier“ verdeutlicht. Ein globaler Relativist würde nach der im Text dargestellten Position bestreiten, dass diese Aussage unabhängig von einer bestimmten Theorie wahr sein kann. Stattdessen müsste er formulieren, dass es gemäß einer von Menschen befürworteten Theorie Dinosaurier gegeben habe. Der Text untersucht anschließend, welche Schwierigkeiten sich aus dieser Position ergeben. Werden Tatsachen darüber, welche Theorien Menschen vertreten, als absolute Tatsachen anerkannt, wird der globale Relativismus nach Auffassung des Autors aufgegeben. Werden auch diese Tatsachen nur als relativ angesehen, muss wiederum auf eine weitere Theorie verwiesen werden. Dadurch entsteht ein unendlicher Regress. Jede Aussage müsste durch eine weitere Aussage darüber abgesichert werden, innerhalb welcher Theorie sie als wahr gelten kann. Der Autor kommt deshalb zu dem Schluss, dass ein konsequenter globaler Relativismus nicht überzeugend vertreten werden könne. Das Medium führt damit in zentrale erkenntnistheoretische Fragen nach Wahrheit, Wirklichkeit, Perspektivität und der Begründbarkeit menschlicher Erkenntnis ein und bietet zugleich Anknüpfungspunkte für die Frage nach religiösen Wahrheitsansprüchen.

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Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 10, wenn Fragen nach Wahrheit, Wirklichkeit, Glauben, Wissen und religiösen Wahrheitsansprüchen behandelt werden. Der Text ermöglicht es den Lernenden, zwischen der Existenz einer Wirklichkeit und unterschiedlichen menschlichen Deutungen dieser Wirklichkeit zu unterscheiden. Gerade im Religionsunterricht besitzt diese Unterscheidung eine besondere Bedeutung, weil Lernende häufig mit unterschiedlichen religiösen, weltanschaulichen und nicht religiösen Überzeugungen konfrontiert sind. Dabei kann die verbreitete Aussage „Jeder hat eben seine eigene Wahrheit“ zum Ausgangspunkt einer vertieften Auseinandersetzung werden. Der Text hilft zu untersuchen, ob unterschiedliche Perspektiven zwangsläufig bedeuten, dass es überhaupt keine von diesen Perspektiven unabhängige Wahrheit geben kann.

Als Einstieg kann die Aussage „Es gab Dinosaurier“ an die Tafel geschrieben werden. Die Lernenden nehmen zunächst begründet Stellung dazu, ob diese Aussage wahr ist und wovon ihre Wahrheit abhängt. Anschließend kann die relativistische Variante „Gemäß einer Theorie, die wir befürworten, gab es Dinosaurier“ gegenübergestellt werden. Die Lernenden vergleichen beide Aussagen und erläutern den Bedeutungsunterschied. Dadurch wird das abstrakte philosophische Problem anhand eines leicht verständlichen Beispiels erschlossen.

Bei der anschließenden Textarbeit empfiehlt sich eine abschnittsweise Erschließung. Die Lernenden markieren zunächst die zentrale These des Relativismus sowie die Einwände des Autors. Begriffe wie „absolute Tatsache“, „relative Tatsache“, „Theorie“ und „Regress“ sollten geklärt und mit eigenen Worten definiert werden. Anschließend können die Aussagen 1, 2 und 3 aus dem Text auf Karten übertragen und in eine logische Reihenfolge gebracht werden. Besonders der Gedankengang des infiniten Regresses sollte visualisiert werden. Die Lernenden können beispielsweise eine immer länger werdende Folge von Aussagen formulieren. Auf diese Weise erkennen sie, dass jede relativierte Aussage eine weitere Ebene voraussetzt, auf deren Grundlage sie als wahr bezeichnet werden kann.

In einer kooperativen Arbeitsphase können Kleingruppen unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Eine Gruppe rekonstruiert die Position des globalen Relativismus, eine zweite untersucht den ersten Einwand des Autors, eine dritte beschäftigt sich mit dem Problem des infiniten Regresses und eine weitere entwickelt mögliche Antworten eines Relativisten auf die Kritik. Anschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt. Diese Vorgehensweise verhindert, dass die Argumentation lediglich als fertige philosophische Position übernommen wird. Die Lernenden sollen vielmehr Argumente rekonstruieren, prüfen und selbstständig beurteilen.

Für den Religionsunterricht ist anschließend eine Übertragung auf religiöse Wahrheitsfragen besonders ergiebig. Denkbar sind Aussagen wie „Gott existiert“, „Jesus ist von den Toten auferstanden“ oder „Religionen beschreiben unterschiedliche Zugänge zur Wirklichkeit“. Die Lernenden können untersuchen, inwiefern sich solche Aussagen von der Aussage über die Existenz von Dinosauriern unterscheiden. Dabei sollte zwischen empirisch überprüfbaren Aussagen, historischen Aussagen, Glaubensaussagen und theologischen Deutungen differenziert werden. Ziel ist nicht, eine bestimmte religiöse oder nicht religiöse Position vorzugeben. Vielmehr sollen die Lernenden erkennen, dass die Frage nach Wahrheit genauer bestimmt werden muss und unterschiedliche Arten von Wahrheitsansprüchen unterschiedliche Begründungsformen erfordern können.

Eine abschließende Diskussion kann von der These „Wenn Menschen unterschiedliche Überzeugungen haben, gibt es keine objektive Wahrheit“ ausgehen. Die Lernenden entwickeln Argumente dafür und dagegen und beziehen den vorliegenden Text ausdrücklich in ihre Argumentation ein. Dadurch werden Sachkompetenz, Urteilskompetenz und Argumentationskompetenz miteinander verbunden. Gleichzeitig bietet das Medium Möglichkeiten zur Differenzierung. Lernende, die Unterstützung benötigen, können den Argumentationsgang mithilfe vorgegebener Satzanfänge oder eines Schaubildes rekonstruieren. Leistungsstärkere Lernende können prüfen, ob die Kritik tatsächlich jede Form des Relativismus trifft oder in erster Linie gegen einen konsequenten globalen Relativismus gerichtet ist. Diese Differenzierung ist philosophisch bedeutsam, da aus einer Kritik des globalen Relativismus nicht automatisch folgt, dass jede Form von Perspektivität oder Kontextabhängigkeit zurückgewiesen werden muss.


Prüfungsfragen für eine Klausur in der Jahrgangsstufe 10 mit Musterantworten


Aufgabe 1: Beschreiben Sie die im Text dargestellte Position des globalen Relativismus.

Musterantwort:

Der globale Relativismus geht nach der Darstellung des Textes davon aus, dass es keine absoluten Tatsachen gibt, deren Wahrheit unabhängig von menschlichen Theorien oder Überzeugungen besteht. Deshalb soll beispielsweise nicht einfach gesagt werden „Es gab Dinosaurier“. Stattdessen müsste die Aussage lauten: „Gemäß einer Theorie, die wir befürworten, gab es Dinosaurier.“ Wahrheit wird damit von einer bestimmten Theorie beziehungsweise von den Überzeugungen einer Gemeinschaft abhängig gemacht.


Aufgabe 2: Erläutern Sie anhand des Dinosaurierbeispiels den Unterschied zwischen einer absoluten und einer relativen Tatsachenbehauptung.

Musterantwort:

Die Aussage „Es gab Dinosaurier“ beansprucht, unabhängig davon wahr zu sein, was Menschen darüber denken. Sie formuliert im Sinne des Textes eine absolute Tatsachenbehauptung. Die Aussage „Gemäß einer Theorie, die wir befürworten, gab es Dinosaurier“ macht die Gültigkeit dagegen von einer Theorie abhängig. Sie formuliert damit eine relative Tatsachenbehauptung. Entscheidend ist also die Frage, ob eine Aussage aufgrund der Wirklichkeit selbst wahr ist oder nur innerhalb eines bestimmten menschlichen Deutungssystems als wahr gelten kann.


Aufgabe 3: Analysieren Sie die Argumentation, mit der der Autor den globalen Relativismus kritisiert.

Musterantwort:

Der Autor untersucht zunächst, ob die Aussage, dass Menschen eine bestimmte Theorie befürworten, selbst eine absolute Tatsache sein kann. Bejaht der Relativist diese Frage, muss er zumindest bestimmte absolute Tatsachen anerkennen. Damit vertritt er jedoch keinen konsequenten globalen Relativismus mehr, denn dieser wollte gerade bestreiten, dass es absolute Tatsachen gibt. Verneint der Relativist die Frage, muss auch die Aussage über die vertretene Theorie wiederum auf eine weitere Theorie bezogen werden. Dann entsteht eine neue Aussage: Gemäß einer Theorie vertreten wir eine weitere Theorie, nach der es Dinosaurier gab. Auch diese Aussage müsste erneut relativiert werden. Der Vorgang kann unbegrenzt fortgesetzt werden. Daraus entsteht ein infiniter Regress. Der Autor argumentiert deshalb, dass ein konsequenter globaler Relativismus dazu führen würde, dass Wahrheitsaussagen eine unendliche Folge von Relativierungen voraussetzen. Da Menschen solche unendlichen Aussagen weder vollständig ausdrücken noch verstehen können, betrachtet er diese Konsequenz als absurd und weist den globalen Relativismus zurück.


Aufgabe 4: Erklären Sie, was unter einem infiniten Regress zu verstehen ist, und wenden Sie den Begriff auf die Argumentation des Textes an.

Musterantwort:

Ein infiniter Regress bezeichnet eine Begründungsfolge, die niemals zu einem abschließenden Ausgangspunkt gelangt, weil jede Begründung wiederum eine weitere Begründung voraussetzt. Im Text entsteht ein solcher Regress, wenn der Relativist keine Aussage als unabhängig von einer Theorie wahr anerkennen möchte. Die Behauptung, dass eine bestimmte Theorie vertreten wird, müsste dann selbst wieder nur innerhalb einer weiteren Theorie wahr sein. Für diese weitere Theorie müsste dasselbe gelten. Dadurch entsteht eine unbegrenzte Folge immer neuer Relativierungen. Nach Auffassung des Autors zeigt diese Konsequenz ein grundlegendes Problem des globalen Relativismus.


Aufgabe 5: Vergleichen Sie die Aussagen „Es gab Dinosaurier“ und „Gott existiert“ hinsichtlich ihrer Möglichkeiten der Begründung.

Musterantwort:

Beide Aussagen erheben einen Anspruch darauf, etwas über Wirklichkeit auszusagen. Sie unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der Möglichkeiten ihrer Begründung. Die Existenz von Dinosauriern lässt sich unter anderem durch Fossilien und andere naturwissenschaftlich untersuchbare Spuren empirisch begründen. Die Aussage „Gott existiert“ kann dagegen nicht auf dieselbe Weise empirisch überprüft werden. Für sie spielen philosophische Argumente, religiöse Erfahrungen, Offenbarungsvorstellungen und Glaubenstraditionen eine Rolle. Daraus folgt nicht automatisch, dass die eine Aussage wahr und die andere falsch ist. Der Vergleich zeigt vielmehr, dass unterschiedliche Aussagen unterschiedliche Formen der Begründung besitzen können und dass bei der Diskussion von Wahrheitsansprüchen berücksichtigt werden muss, um welche Art von Aussage es sich handelt.


Aufgabe 6: Beurteilen Sie die Aussage „Weil Religionen unterschiedliche Wahrheitsansprüche vertreten, kann es keine religiöse Wahrheit geben“. Beziehen Sie die Argumentation des Textes in Ihr Urteil ein.

Musterantwort:

Die Aussage ist nicht allein dadurch begründet, dass verschiedene Religionen unterschiedliche Überzeugungen vertreten. Aus der Tatsache, dass Menschen oder Gemeinschaften unterschiedlicher Meinung sind, folgt logisch noch nicht, dass es keine Wahrheit gibt. Genau an diesem Punkt ist die Kritik des Textes am globalen Relativismus relevant. Der Autor wendet sich gegen die Annahme, Wahrheit müsse vollständig von den jeweils vertretenen Theorien abhängig gemacht werden. Auf Religionen übertragen bedeutet dies zunächst, dass religiöse Vielfalt und die Existenz religiöser Wahrheit logisch voneinander unterschieden werden müssen. Allerdings lässt sich aus der Kritik am Relativismus ebenso wenig ableiten, welche konkrete Religion oder religiöse Aussage wahr ist. Dafür müssten die jeweiligen Wahrheitsansprüche und ihre Begründungen gesondert untersucht werden. Ein begründetes Urteil sollte deshalb zwischen der Existenz unterschiedlicher religiöser Überzeugungen und der Frage nach ihrer Wahrheit unterscheiden.


Aufgabe 7: Erörtern Sie, ob die Zurückweisung des globalen Relativismus bedeutet, dass es nur eine einzige richtige Sicht auf die Wirklichkeit geben kann.

Musterantwort:

Die Zurückweisung des globalen Relativismus bedeutet zunächst lediglich, dass nicht jede Wahrheit vollständig von einer bestimmten Theorie oder Perspektive abhängig sein muss. Daraus folgt nicht zwingend, dass Menschen nur eine einzige zulässige Perspektive auf die Wirklichkeit haben können. Verschiedene Menschen können denselben Sachverhalt unterschiedlich wahrnehmen, beschreiben und deuten. Perspektivität und objektive Wahrheit müssen daher nicht grundsätzlich Gegensätze sein. Im religiösen Bereich können beispielsweise unterschiedliche Traditionen verschiedene Deutungen menschlicher Erfahrungen anbieten. Die entscheidende Frage lautet dann, ob diese Deutungen miteinander vereinbar sind, einander ergänzen oder sich in bestimmten Aussagen widersprechen. Die Kritik am globalen Relativismus fordert somit vor allem dazu auf, Wahrheitsansprüche argumentativ zu prüfen, statt aus der bloßen Existenz unterschiedlicher Perspektiven unmittelbar zu folgern, dass es keine Wahrheit geben könne.

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