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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Karin Göring Eckardt: Das dionysische Moment des Netzes

Veröffentlichung:1.1.2014

Der Text „Das dionysische Moment des Netzes“ von Karin Göring Eckardt setzt sich mit der gesellschaftlichen und politischen Bedeutung des Internets und insbesondere der sozialen Netzwerke auseinander. Die Autorin widerspricht einer ausschließlich kritischen Sicht auf die digitale Welt, nach der wirtschaftliche Interessen, Marktmacht, Kontrolle und Überwachung den Einzelnen zunehmend entmündigen. Sie verweist darauf, dass digitale Kommunikation zugleich Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe und politischer Selbstermächtigung eröffnet. An Beispielen wie den Protesten auf dem Maidan, der Grünen Revolution im Iran und dem Arabischen Frühling verdeutlicht sie, dass das Internet oppositionellen Bewegungen ermöglicht, Informationen zu verbreiten, Unterstützung zu organisieren und gesellschaftliche Gegenmacht aufzubauen. Das Netz erscheint damit als ambivalenter Raum: Die technischen Mittel, die Kontrolle und Überwachung ermöglichen, können zugleich der Freiheit, Demokratisierung und politischen Beteiligung dienen. Besonders prägnant ist die These, dass das Netz in revolutionären Situationen der Bürgergesellschaft gehören könne und Einzelnen die Möglichkeit gebe, Gegenmacht von unten zu entwickeln.

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Für den Religionsunterricht eignet sich der Text besonders zur Auseinandersetzung mit Freiheit, Verantwortung, Menschenbild, gesellschaftlicher Teilhabe und ethischer Urteilsbildung in der digitalen Welt. Ausgangspunkt kann die zentrale Spannung des Textes zwischen Kontrolle und Freiheit sein. Die Lernenden können zunächst herausarbeiten, welche Gefahren und welche Chancen digitaler Kommunikation die Autorin beschreibt. Dazu bietet sich eine strukturierende Textarbeit an, bei der Aussagen den Kategorien Kontrolle, wirtschaftliche Macht, Freiheit, Selbstermächtigung, politische Beteiligung und Demokratisierung zugeordnet werden. Anschließend kann die zentrale Aussage diskutiert werden, dass die Mittel der Kontrolle und Überwachung zugleich Mittel der Freiheit seien. Diese These eignet sich besonders für eine Positionierungsaufgabe, da sie die Lernenden dazu anregt, eigene Erfahrungen mit sozialen Netzwerken und digitaler Kommunikation mit gesellschaftlichen und ethischen Fragestellungen zu verbinden. Im Religionsunterricht kann die Auseinandersetzung vertieft werden, indem das im Text erkennbare Verständnis von Freiheit mit einem christlichen Freiheitsverständnis in Beziehung gesetzt wird. Dabei kann thematisiert werden, dass Freiheit aus christlicher Perspektive nicht lediglich als individuelle Unabhängigkeit verstanden werden kann, sondern mit Verantwortung für andere, Menschenwürde, Gerechtigkeit und der Gestaltung von Gemeinschaft verbunden ist. Denkbar ist beispielsweise eine Verbindung zu Galater 5,13, wo Freiheit mit dem Dienst am Mitmenschen verknüpft wird. Die Lernenden können prüfen, inwiefern digitale Selbstermächtigung diesem Verständnis von verantworteter Freiheit entspricht und an welchen Stellen neue Formen von Abhängigkeit entstehen.

Methodisch bietet sich eine schrittweise Erschließung an. Vor der Lektüre können die Lernenden spontan den Satz „Das Internet macht Menschen frei“ beurteilen und ihre Position begründen. Nach der Textarbeit wird dieselbe Aussage erneut aufgegriffen, sodass Veränderungen oder Differenzierungen der eigenen Position sichtbar werden. Für eine vertiefende Gruppenarbeit können unterschiedliche Perspektiven auf das Internet untersucht werden. Eine Gruppe beschäftigt sich mit dem Netz als Raum der Freiheit, eine weitere mit Überwachung und Kontrolle, eine weitere mit wirtschaftlicher Macht und eine weitere mit politischer und gesellschaftlicher Beteiligung. Die Ergebnisse können anschließend in einer gemeinsamen Übersicht zusammengeführt und auf die Frage bezogen werden, ob digitale Freiheit ohne Verantwortung denkbar ist. Ebenso eignet sich eine Pro und Contra Diskussion zur Frage, ob soziale Netzwerke eher zur Selbstermächtigung oder zur Fremdbestimmung beitragen. Wichtig ist dabei, die im Text genannten politischen Beispiele historisch einzuordnen und nicht unkritisch als Beleg dafür zu verwenden, dass digitale Kommunikation automatisch demokratische Entwicklungen hervorbringt. Gerade die Spannung zwischen technischer Möglichkeit und menschlicher Verantwortung eröffnet den religionspädagogisch produktiven Zugang. Als weiterführende Aufgabe können die Lernenden Grundsätze für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien formulieren und diese mit Begriffen wie Freiheit, Nächstenliebe, Menschenwürde, Wahrheit, Verantwortung und Gerechtigkeit begründen. Auf diese Weise ermöglicht das Medium sowohl eine sachbezogene Auseinandersetzung mit Digitalisierung als auch eine eigenständige ethische und religiöse Urteilsbildung.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.2 Anthropologie und Religion.

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Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

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