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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Offener Brief an Angela Merkel

Veröffentlichung:1.1.2016

Das Medium „Offener Brief an Angela Merkel“ von Juli Zeh, Ilija Trojanow und weiteren Unterzeichnenden entstand 2013 im Zusammenhang mit den durch Edward Snowden bekannt gewordenen Überwachungspraktiken und der öffentlichen Debatte über die NSA. Der Brief fordert von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel Aufklärung und politisches Handeln und wurde als öffentliche Petition verbreitet. Im Zentrum stehen die Überwachung elektronischer Kommunikation, die Speicherung und Auswertung persönlicher Daten, Bewegungsprofile, staatliche Kontrolle sowie die Frage nach dem Schutz der Privatsphäre. Die Verfassenden zeichnen das Bild des „gläsernen Menschen“ und problematisieren ein Machtgefälle, bei dem das Privatleben der Menschen zunehmend transparent werde, während die Arbeitsweisen der Geheimdienste der öffentlichen Kontrolle entzogen blieben. Der Text verbindet Datenschutz deshalb mit grundsätzlichen Fragen nach Freiheit, Rechtsstaat, Unschuldsvermutung und demokratischer Kontrolle. Er ist als politischer Appell gestaltet und arbeitet mit zugespitzten Aussagen, direkten Fragen und konkreten Forderungen an die damalige Bundesregierung.

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Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht insbesondere im Rahmen der Themen Menschenwürde, Freiheit, Verantwortung, Gewissen, Menschenbild, Gerechtigkeit und Ethik der Digitalisierung. Aufgrund seiner sprachlichen Zugänglichkeit und der unmittelbaren Verbindung von ethischen Grundfragen mit gesellschaftlichen Problemen kann der Text sowohl in der Sekundarstufe II als auch in ausgewählten Zusammenhängen in höheren Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I verwendet werden. Ein besonderer didaktischer Wert liegt darin, dass der Text die abstrakte Frage nach der Würde und Freiheit des Menschen mit dem konkreten Umgang mit persönlichen Daten verbindet. Die Lernenden können herausarbeiten, dass Privatsphäre nicht lediglich bedeutet, bestimmte Informationen geheim zu halten. Sie kann vielmehr als Voraussetzung dafür diskutiert werden, eigene Entscheidungen zu treffen, Beziehungen zu gestalten, Überzeugungen zu entwickeln und sich ohne permanente Beobachtung frei zu entfalten. Damit eröffnet das Medium einen Zugang zur Frage, welche Bedingungen ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben benötigt.

Für einen problemorientierten Einstieg eignet sich der im Text verwendete Begriff des „gläsernen Menschen“. Die Lernenden können zunächst Assoziationen zu diesem Bild sammeln und überlegen, was von einem Menschen sichtbar wird, wenn Kommunikation, Kontakte, Aufenthaltsorte, Interessen und Verhaltensweisen digital erfasst werden. Anschließend kann gefragt werden, ob der Verlust von Privatsphäre überhaupt problematisch ist, wenn eine Person nichts Verbotenes tut. Die verbreitete Vorstellung, wer nichts zu verbergen habe, müsse Überwachung nicht fürchten, eignet sich dabei als kontroverser Impuls. Die Lernenden können Argumente entwickeln und anschließend mit der Position des offenen Briefes vergleichen. Dadurch wird eine ethische Problemstellung eröffnet, bei der nicht technisches Detailwissen, sondern die Bedeutung von Freiheit, Selbstbestimmung und Menschenwürde im Mittelpunkt steht.

Für die Texterschließung bietet sich eine strukturierende Analyse an. Die Lernenden markieren zunächst Aussagen über die damalige Überwachungssituation, Wertungen der Verfassenden, Fragen an die Bundesregierung und konkrete Forderungen. In einem zweiten Arbeitsschritt können sie die Argumentationsstruktur rekonstruieren. Dabei lässt sich untersuchen, von welchen Beobachtungen der Brief ausgeht, welche Gefahren daraus abgeleitet werden und welche politischen Konsequenzen gefordert werden. Zugleich sollte die besondere Textsorte des offenen Briefes berücksichtigt werden. Anders als ein privater Brief richtet er sich zwar formal an eine konkrete Person, tatsächlich aber zugleich an eine breite Öffentlichkeit. Die Lernenden können untersuchen, wie direkte Anrede, rhetorische Fragen, Wiederholungen, Gegenüberstellungen und zugespitzte Formulierungen eingesetzt werden, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen und politischen Handlungsdruck aufzubauen.

Besonders ergiebig ist die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Freiheit und Sicherheit. Hier kann eine Dilemmadiskussion durchgeführt werden. Die Lernenden erhalten beispielsweise die Aufgabe, über eine fiktive staatliche Maßnahme zu urteilen, durch die umfangreiche Kommunikationsdaten zur Gefahrenabwehr gespeichert werden sollen. Sie bestimmen zunächst die betroffenen Werte und Interessen. Auf der einen Seite können Sicherheit und Schutz stehen, auf der anderen Seite Privatsphäre, Freiheit, informationelle Selbstbestimmung und Schutz vor staatlicher Kontrolle. Anschließend entwickeln sie Kriterien, unter welchen Voraussetzungen eine staatliche Datenerhebung legitim sein könnte. Dabei kann zwischen Anlass, Verhältnismäßigkeit, Transparenz, Kontrolle, zeitlicher Begrenzung und Rechtsschutz unterschieden werden. Der Text wird so zum Ausgangspunkt für eine eigenständige ethische Urteilsbildung und nicht lediglich zum Gegenstand einer inhaltlichen Wiedergabe.

Im Religionsunterricht lässt sich diese Auseinandersetzung mit der christlichen Anthropologie verbinden. Die Frage nach dem „gläsernen Menschen“ kann der Vorstellung gegenübergestellt werden, dass der Mensch mehr ist als die Summe der über ihn verfügbaren Informationen. Die Lernenden können diskutieren, was die Vorstellung von der unverfügbaren Würde jedes Menschen für den Umgang mit persönlichen Daten bedeutet. Anknüpfungspunkte bieten die Gottebenbildlichkeit, die individuelle Würde des Menschen, Freiheit und Verantwortung sowie das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft. Ebenso lässt sich fragen, ob es Bereiche menschlichen Lebens geben muss, die der Verfügung und Kontrolle anderer grundsätzlich entzogen bleiben. Damit können Datenschutz und Privatsphäre als anthropologische und ethische Fragen erschlossen werden.

Da es sich um einen politischen Text aus dem Jahr 2013 handelt, sollte er zugleich konsequent historisch eingeordnet werden. Die im Brief formulierten Aussagen und Vorwürfe sind zunächst als Position seiner Verfassenden im damaligen Kontext zu behandeln und nicht ungeprüft als gegenwärtige Tatsachenbeschreibung zu übernehmen. Der Brief entstand im Umfeld der Snowden Enthüllungen und der damaligen öffentlichen Auseinandersetzung mit Überwachung und Geheimdiensten. Diese zeitliche Distanz lässt sich produktiv nutzen. Lernende können unterscheiden zwischen historischen Aussagen des Textes, normativen Wertungen und Fragen, die auch für ihre heutige digitale Lebenswelt von Bedeutung sind. Auf diese Weise verbindet die Arbeit mit dem Medium ethisches Lernen mit Quellenkritik und politischer Medienbildung.

Als Vertiefung bietet sich ein Perspektivwechsel an. Lernende können eine Antwort auf den offenen Brief aus unterschiedlichen damaligen gesellschaftlichen Perspektiven verfassen oder eine moderierte Diskussion gestalten, in der Datenschutz, staatliche Sicherheitsinteressen, Bürgerrechte und demokratische Kontrolle thematisiert werden. Ebenso können sie einen eigenen offenen Brief zum Schutz der Privatsphäre in der heutigen digitalen Gesellschaft formulieren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einen Katalog digitaler Grundrechte zu entwickeln und jede Forderung ethisch zu begründen. Für eine Klausur eignet sich der Text besonders zur Analyse der Argumentation und sprachlichen Gestaltung sowie für Aufgaben zur ethischen Beurteilung des Verhältnisses von Sicherheit, Freiheit, Menschenwürde und Privatsphäre. Auch ein Vergleich mit christlichen Menschenbildern, einer Verantwortungsethik oder unterschiedlichen Freiheitsverständnissen bietet sich an.


Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10

Aufgabe 1

Operator: zusammenfassen

Fasse die zentralen Aussagen und Forderungen des offenen Briefes in eigenen Worten zusammen.

Musterantwort

Der offene Brief kritisiert die im Zusammenhang mit den Enthüllungen Edward Snowdens öffentlich diskutierte umfassende Überwachung elektronischer Kommunikation.

Die Verfassenden argumentieren, dass Nachrichtendienste Informationen über Kommunikation, Kontakte, Beziehungen, politische Einstellungen und Bewegungen von Menschen sammeln könnten. Dadurch entstehe der gläserne Mensch.

Besonders kritisch bewerten sie das Machtgefälle zwischen Bürgern und staatlichen Institutionen. Während persönliche Lebensbereiche zunehmend sichtbar würden, blieben Methoden und Arbeitsweisen der Geheimdienste nach Darstellung des Briefes weitgehend verborgen.

Die Verfassenden verbinden die massenhafte Überwachung außerdem mit einer Gefährdung der Unschuldsvermutung. Wenn Daten sehr vieler Menschen ohne konkreten Verdacht gesammelt würden, könne der Eindruck eines allgemeinen Verdachts entstehen.

Der Brief richtet konkrete Fragen an die damalige Bundesregierung und fordert Transparenz und Aufklärung. Insgesamt geht es den Verfassenden um den Schutz von Freiheit, Privatsphäre und Rechtsstaat.


Aufgabe 2

Operator: erläutern

Erläutere anhand des Textes den Begriff „gläserner Mensch“.

Musterantwort

Der Begriff des gläsernen Menschen ist ein bildlicher Ausdruck. Glas ermöglicht es, etwas zu sehen, das normalerweise verborgen sein könnte.

Übertragen auf den Menschen bedeutet dies, dass immer mehr persönliche Lebensbereiche für andere sichtbar werden.

Im offenen Brief werden beispielsweise Kommunikation, Kontakte, Freundschaften, politische Einstellungen und Bewegungsdaten genannt.

Wer über solche Informationen verfügt, kann ein umfangreiches Bild einer Person erstellen. Dadurch können persönliche Lebensbereiche sichtbar werden, die der Mensch möglicherweise nicht öffentlich machen möchte.

Der Begriff besitzt deshalb eine kritische Bedeutung. Er weist auf den möglichen Verlust von Privatsphäre und Kontrolle über persönliche Informationen hin.

Der gläserne Mensch steht somit für eine Person, deren Verhalten und Beziehungen durch umfangreiche Datensammlung zunehmend beobachtbar und auswertbar werden.


Aufgabe 3

Operator: analysieren

Analysiere die Argumentationsweise des offenen Briefes. Berücksichtige dabei Sprache, direkte Anrede, rhetorische Fragen und Forderungen.

Musterantwort

Der Text ist als offener Brief gestaltet und richtet sich unmittelbar an die damalige Bundeskanzlerin. Dadurch wird politische Verantwortung personalisiert und eine direkte Kommunikationssituation erzeugt.

Die Verfassenden verwenden zahlreiche zugespitzte Begriffe. Der Ausdruck „gläserner Mensch“ vermittelt anschaulich die Vorstellung umfassender Sichtbarkeit. Der Begriff des Generalverdachts verstärkt die Kritik an massenhafter Datenerfassung.

Außerdem verwendet der Brief zahlreiche Fragen. Diese dienen nicht nur dazu, Informationen zu erhalten. Sie stellen die Verantwortung der damaligen Bundesregierung zur Diskussion und fordern eine öffentliche Erklärung.

Der Text verbindet somit Beschreibung und Bewertung. Aus den dargestellten Problemen werden politische Forderungen nach Transparenz und Aufklärung abgeleitet.

Die Sprüche besitzt einen deutlich appellativen Charakter. Der Brief möchte nicht neutral über ein Problem informieren, sondern öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen und politisches Handeln einfordern.


Aufgabe 4

Operator: in Beziehung setzen

Setze das Bild des gläsernen Menschen in Beziehung zum christlichen Verständnis des Menschen als Ebenbild Gottes nach Genesis 1,26 bis 27.

Musterantwort

Der gläserne Mensch wird vor allem anhand von Informationen beschrieben, die über ihn gesammelt werden können. Kommunikation, Kontakte, Bewegungen und politische Einstellungen werden zu Daten, aus denen ein digitales Bild einer Person entsteht.

Das christliche Menschenbild setzt einen anderen Schwerpunkt. Nach Genesis 1,26 bis 27 besitzt der Mensch als Ebenbild Gottes eine besondere Würde.

Diese Würde hängt nicht davon ab, welche Daten über einen Menschen vorhanden sind oder wie eine Institution ihn bewertet.

Der Mensch ist deshalb mehr als die Summe der Informationen, die über ihn gesammelt werden können.

Aus christlicher Perspektive gehören außerdem Freiheit, Verantwortung und Beziehungen zur menschlichen Existenz.

Eine problematische Situation entsteht, wenn ein Mensch nur noch als Objekt von Beobachtung betrachtet wird und seine Selbstbestimmung nicht ausreichend berücksichtigt wird.

Der Schutz persönlicher Daten kann deshalb mit dem christlichen Schutz der Person verbunden werden. Menschenwürde verlangt, Menschen als selbstbestimmte Subjekte und nicht ausschließlich als Objekte staatlicher oder wirtschaftlicher Datenerfassung zu behandeln.


Aufgabe 5

Operator: erörtern

Erörtere folgende Aussage: „Massenhafte Datensammlung stellt jeden Menschen unter Generalverdacht.“

Musterantwort

Für die Aussage spricht, dass bei massenhafter Datensammlung Informationen sehr vieler Menschen erfasst werden, obwohl gegen diese Personen kein konkreter Verdacht besteht.

Dadurch kann der Eindruck entstehen, grundsätzlich jeder Mensch müsse vorsorglich kontrolliert werden.

Der offene Brief verbindet diese Entwicklung deshalb mit einer Gefährdung der Unschuldsvermutung.

Gegen die Aussage spricht, dass Datensammlung nicht automatisch mit einer konkreten Beschuldigung gleichgesetzt werden kann. Eine Institution kann Daten erfassen, ohne jede betroffene Person tatsächlich einer Straftat zu verdächtigen.

Für die ethische Beurteilung muss deshalb genauer untersucht werden, welche Daten gesammelt werden, warum dies geschieht und welche Folgen daraus für die betroffenen Menschen entstehen.

Besonders problematisch wäre eine Situation, in der Menschen allein aufgrund ihrer Daten ohne konkreten Anlass als verdächtig eingestuft oder benachteiligt werden.

Die Formulierung Generalverdacht ist daher eine zugespitzte Kritik. Sie macht auf ein wichtiges Problem aufmerksam, muss aber hinsichtlich konkreter Formen der Datenerfassung differenziert geprüft werden.


Aufgabe 6

Operator: vergleichen

Vergleiche staatliche Überwachung mit dem Motiv des göttlichen Erkanntseins in Psalm 139.

Musterantwort

Psalm 139 beschreibt einen Gott, der den Menschen umfassend kennt. Gott kennt nach der religiösen Vorstellung das Leben, die Gedanken und die Wege des Menschen.

Auf den ersten Blick besteht eine Gemeinsamkeit zur Überwachung, weil in beiden Fällen von umfassendem Wissen über einen Menschen gesprochen werden kann.

Die Bedeutung dieses Wissens unterscheidet sich jedoch grundlegend.

In Psalm 139 steht das Erkanntsein in einem religiösen Beziehungskontext. Es kann als Ausdruck von Nähe, Begleitung und Geborgenheit verstanden werden.

Staatliche Überwachung findet dagegen innerhalb menschlicher Machtverhältnisse statt. Gesammelte Informationen können gespeichert, ausgewertet und mit konkreten gesellschaftlichen oder rechtlichen Konsequenzen verbunden werden.

Der entscheidende Unterschied besteht deshalb in Beziehung, Zweck und Macht. Das religiöse Motiv des göttlichen Erkanntseins darf nicht einfach mit technischer oder staatlicher Überwachung gleichgesetzt werden.

Der Vergleich verdeutlicht vielmehr, dass Wissen über einen Menschen ethisch danach beurteilt werden muss, wer dieses Wissen besitzt, zu welchem Zweck es verwendet wird und welche Folgen daraus entstehen.


Aufgabe 7

Operator: erörtern

Erörtere die Frage: „Wie viel Privatsphäre darf für mehr Sicherheit eingeschränkt werden?“

Beziehe Menschenwürde, Freiheit, Verantwortung und Verhältnismäßigkeit ein.

Musterantwort

Für begrenzte Eingriffe in die Privatsphäre kann sprechen, dass staatliche Institutionen die Aufgabe besitzen, Menschen vor schweren Gefahren und Straftaten zu schützen.

Digitale Informationen können unter bestimmten Bedingungen helfen, konkrete Gefahren zu erkennen oder Straftaten aufzuklären.

Sicherheit besitzt deshalb ebenfalls eine ethische Bedeutung. Sie schützt menschliches Leben und kann eine Voraussetzung dafür sein, Freiheit tatsächlich auszuüben.

Gegen eine umfassende Einschränkung der Privatsphäre spricht jedoch, dass Menschen geschützte persönliche Räume benötigen. Dauerhafte Beobachtung kann Selbstbestimmung und freie Kommunikation beeinträchtigen.

Bei dieser Perspektive müssen Menschenwürde und Verantwortung berücksichtigt werden. Menschen dürfen nicht ausschließlich als mögliche Gefahren betrachtet werden.

Aus christlicher Perspektive müssen Menschenwürde und Verantwortung berücksichtigt werden. Menschen dürfen nicht ausschließlich als mögliche Gefahren betrachtet werden.

Entscheidend ist deshalb die Verhältnismäßigkeit. Eine Überwachungsmaßnahme sollte einen legitimen Zweck besitzen, tatsächlich erforderlich sein und die Freiheit der Betroffenen nicht stärker einschränken als notwendig.

Eine pauschale Antwort ist daher nicht möglich. Begrenzte Eingriffe können bei konkreten schweren Gefahren vertretbar sein. Eine dauerhafte und unterschiedslose Überwachung aller Menschen wäre dagegen ethisch wesentlich schwieriger zu rechtfertigen.


Aufgabe 8

Operator: beurteilen

Beurteile die Forderung, staatliche Überwachung müsse für die betroffenen Menschen und für unabhängige Kontrollinstanzen möglichst transparent sein.

Musterantwort

Für Transparenz spricht zunächst das Machtgefälle zwischen staatlichen Institutionen und einzelnen Menschen. Eine staatliche Stelle verfügt über erheblich größere Möglichkeiten zur Sammlung und Auswertung von Informationen als eine einzelne Person.

Je größer diese Macht ist, desto wichtiger werden Kontrolle und Rechenschaft.

Transparenz kann dazu beitragen, dass Menschen erfahren, unter welchen Voraussetzungen Daten gesammelt werden und welche Rechte sie besitzen.

Auch unabhängige Kontrollinstanzen sind wichtig, weil Sicherheitsmaßnahmen teilweise geheim bleiben müssen, um ihren Zweck erfüllen zu können. Vollständige öffentliche Transparenz ist deshalb nicht in jeder Situation möglich.

Aus christlich ethischer Perspektive sind Verantwortung und Menschenwürde wichtige Kriterien. Wer Macht über andere Menschen ausübt, trägt besondere Verantwortung für einen gerechten und verhältnismäßigen Umgang mit dieser Macht.

Staatliche Überwachung sollte deshalb rechtlich begründet und unabhängig kontrolliert werden. Transparenz muss dabei so weit reichen, dass demokratische Verantwortung und der Schutz grundlegender Rechte gewährleistet werden können.


Aufgabe 9

Operator: vergleichen

Vergleiche die Argumentation des offenen Briefes mit Juli Zehs Forderung nach dem Schutz des Datenkörpers.

Musterantwort

Beide Texte stellen einen engen Zusammenhang zwischen persönlichen Daten, Freiheit und Selbstbestimmung her.

Der offene Brief konzentriert sich besonders auf staatliche Überwachung, Geheimdienste, Rechtsstaat und Unschuldsvermutung. Er fordert Transparenz und politische Verantwortung.

Juli Zehs Text über den Datenkörper richtet den Blick stärker auf die grundsätzliche Bedeutung persönlicher Daten für Identität und Autonomie. Sie warnt davor, dass umfassendes Wissen über Menschen zu Bewertung, Kontrolle und Verhaltensanpassung führen kann.

Gemeinsam ist beiden Texten die Überzeugung, dass persönliche Daten nicht als bedeutungslose Informationen betrachtet werden dürfen.

Ein Unterschied liegt vor allem in der Schwerpunktsetzung. Der offene Brief argumentiert stärker aus einer rechtsstaatlichen und politischen Perspektive. Zeh entwickelt darüber hinaus eine umfassendere ethische Vorstellung von digitaler Identität und persönlicher Autonomie.

Beide Texte können jedoch mit der Forderung verbunden werden, dass digitale Entwicklungen die Würde und Selbstbestimmung des Menschen respektieren müssen.


Aufgabe 10

Operator: Stellung nehmen

Nimm begründet zu folgender Aussage Stellung: „Je mächtiger eine Institution durch Wissen über Menschen wird, desto stärker muss sie selbst kontrolliert werden.“Beziehe den offenen Brief und christlich ethische Kriterien ein.

Musterantwort

Die Aussage lässt sich mit einem zentralen Problem des offenen Briefes verbinden. Die Verfassenden kritisieren ein Machtgefälle zwischen Menschen, über die Informationen gesammelt werden, und Institutionen, die über diese Informationen verfügen.

Wissen kann Macht erzeugen. Wer umfangreiche Informationen über andere besitzt, kann Entscheidungen treffen, Verhalten bewerten und möglicherweise Einfluss ausüben.

Aus christlich ethischer Perspektive muss Macht mit Verantwortung verbunden werden. Menschenwürde verlangt, dass Personen nicht willkürlich zum Objekt fremder Entscheidungen werden.

Kontrolle bedeutet dabei nicht, staatliche Institutionen grundsätzlich unter Verdacht zu stellen. Sie soll sicherstellen, dass Macht nach nachvollziehbaren Regeln ausgeübt wird.

Besonders wichtig sind klare rechtliche Grundlagen, Verhältnismäßigkeit, unabhängige Kontrolle und Möglichkeiten zur Rechenschaft.

Je größer die technischen Möglichkeiten zur Beobachtung von Menschen werden, desto bedeutsamer werden deshalb auch die Regeln für diejenigen, die diese Möglichkeiten besitzen.

Die Aussage kann somit als ethisches Prinzip verstanden werden: Große Informationsmacht erfordert entsprechend große Verantwortung und wirksame Kontrolle.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.2 Anthropologie und Religion.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

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