Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht und Ethikunterricht in der Grundschule sowie in den unteren Klassen der Sekundarstufe I. Es eröffnet einen altersgerechten Zugang zu grundlegenden ethischen Fragen und ermöglicht es den Lernenden, eigene Vorstellungen von Gut und Böse wahrzunehmen, sprachlich auszudrücken, zu hinterfragen und mit den Vorstellungen anderer zu vergleichen. Dabei sollte es nicht darum gehen, möglichst schnell eindeutige Definitionen von Gut und Böse zu vermitteln. Vielmehr bietet das Medium einen Anlass zum gemeinsamen Philosophieren und theologischen Nachdenken. Die Lernenden erfahren, dass moralische Urteile begründet werden müssen und dass die Bewertung einer Handlung unter anderem von Absichten, Folgen, Regeln und der jeweiligen Situation abhängig sein kann.
Als Einstieg können die Lernenden zunächst spontan sammeln, was sie persönlich mit den Begriffen „gut“ und „böse“ verbinden. Besonders geeignet ist die auf der Internetseite vorgeschlagene Anknüpfung an Märchen. Bekannte Figuren können gesammelt und danach befragt werden, weshalb sie als gut oder böse wahrgenommen werden. Eigenschaften wie Neid, Habgier, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit oder Rücksichtnahme können anschließend geordnet werden. Dadurch werden vorhandene Vorstellungen sichtbar und zugleich erste Differenzierungen angebahnt. Das angebotene Arbeitsmaterial unterstützt diesen Zugang, indem die Lernenden beispielsweise Begriffe den Kategorien gut und böse zuordnen und ihre Entscheidungen begründen. Entscheidend ist dabei die Begründung: So können die Lernenden etwa diskutieren, weshalb Wut zunächst ein Gefühl ist und ein wütender Mensch deshalb nicht automatisch ein böser Mensch sein muss.
Der Film kann anschließend gemeinsam angesehen werden. Für den Religionsunterricht empfiehlt es sich, die Rezeption durch Beobachtungsfragen zu strukturieren. Die Lernenden können beispielsweise darauf achten, welche Beispiele Knietzsche für gutes und böses Verhalten nennt, an welchen Stellen eine eindeutige Unterscheidung schwierig wird und welche Aussagen sie überzeugend oder fragwürdig finden. Nach der Betrachtung sollten spontane Reaktionen zunächst gesammelt werden, bevor einzelne Aussagen vertieft diskutiert werden. Auf diese Weise wird der Film nicht nur konsumiert, sondern zum Ausgangspunkt eines eigenen ethischen Urteilsprozesses.
Besonders ergiebig ist die Vorstellung von Gut und Böse als Licht und Schatten. Sie kann genutzt werden, um einfache Schwarz Weiß Vorstellungen aufzubrechen. Die Lernenden können Situationen aus ihrem Alltag untersuchen, in denen eine Person etwas Falsches getan hat, ohne deshalb grundsätzlich ein schlechter Mensch zu sein. Ebenso können Handlungen betrachtet werden, bei denen eine gute Absicht problematische Folgen hat. Die von Planet Schule vorgeschlagenen Entscheidungssituationen eignen sich für Partnerarbeit, Kleingruppen oder ein philosophisches Unterrichtsgespräch. Die Lernenden sammeln Argumente, vergleichen unterschiedliche Perspektiven und formulieren anschließend ein eigenes begründetes Urteil.
Für den Religionsunterricht bietet insbesondere das Material zu Geboten und Verboten eine Möglichkeit zur religiösen Vertiefung. Die Lernenden können untersuchen, welche Vorstellungen von gutem und schlechtem Handeln im Christentum und im Islam formuliert werden. Das Material regt ausdrücklich dazu an, entsprechende Gebote beider Religionen zu recherchieren und miteinander zu vergleichen. Im christlichen Religionsunterricht kann dieser Zugang beispielsweise mit den Zehn Geboten, dem Doppelgebot der Liebe, der Goldenen Regel oder ausgewählten Erzählungen Jesu verbunden werden. Dabei sollte nicht nur gefragt werden, welche Regeln gelten, sondern weshalb Menschen solche Regeln benötigen und welche Vorstellung von einem guten Zusammenleben darin sichtbar wird. Ein Vergleich religiöser Traditionen kann zugleich interreligiöses Lernen fördern und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede ethischer Orientierung sichtbar machen.
Methodisch bietet sich darüber hinaus die Arbeit mit Dilemmageschichten an. Die Lehrkraft kann kurze Alltagssituationen präsentieren, in denen unterschiedliche Werte miteinander in Konflikt geraten. Die Lernenden entscheiden zunächst individuell, wie eine Person handeln sollte, tauschen sich anschließend in Kleingruppen aus und begründen ihre Entscheidung im Plenum. Denkbar sind Situationen zu Ehrlichkeit, Freundschaft, Helfen, Teilen, Eigentum, Streit, Ausgrenzung oder Zivilcourage. Wichtig ist, dass nicht ausschließlich die Entscheidung selbst bewertet wird. Im Mittelpunkt sollte die Fähigkeit stehen, Gründe wahrzunehmen, Argumente abzuwägen, andere Positionen ernst zu nehmen und ein eigenes Urteil nachvollziehbar zu vertreten.
Eine weitere Vertiefungsmöglichkeit besteht in der Frage, was einen Menschen eigentlich zu einem guten Menschen macht. Die Lernenden können diskutieren, ob einzelne gute Taten ausreichen, ob die Absicht entscheidend ist oder ob gutes Handeln regelmäßig erfolgen muss. Damit wird die Betrachtung einzelner Handlungen um die Frage nach Haltung, Charakter und Verantwortung erweitert. Der von Planet Schule vorgeschlagene Abschluss über gute Taten bietet hierfür einen lebensweltlichen Zugang: Die Lernenden sammeln konkrete Möglichkeiten, wie sie selbst im Alltag anderen helfen und zu einem guten Zusammenleben beitragen können. Die Ergebnisse können beispielsweise auf Karten festgehalten, zu einem gemeinsamen Plakat zusammengestellt oder als persönliche Vorhaben formuliert werden.
Das Medium eignet sich damit sowohl für einzelne Unterrichtsstunden als auch als Ausgangspunkt einer Unterrichtsreihe zu ethischen Grundfragen. Es fördert Wahrnehmungsfähigkeit, Sprachfähigkeit, Perspektivübernahme, Argumentationsfähigkeit und ethische Urteilskompetenz. Im Religionsunterricht ermöglicht es darüber hinaus, individuelle moralische Vorstellungen mit religiösen Orientierungsangeboten in Beziehung zu setzen. Besonders wichtig ist eine offene Gesprächskultur, in der unterschiedliche Positionen zugelassen werden und die Lernenden erfahren, dass ethische Fragen häufig nicht allein durch einfache Antworten geklärt werden können.