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Hessischer Rundfunk

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WehrpflICHt

Veröffentlichung:1.1.2026

Das Audio „WehrpflICHt“ aus der Reihe hr2 Zuspruch von Sabine Müller Langsdorf beschäftigt sich mit der Frage, wie junge Erwachsene mit der Entscheidung über einen möglichen Wehrdienst umgehen können. Ausgangspunkt ist der seit Januar 2026 vorgesehene Fragebogen zur Bereitschaft zum Wehrdienst für 18 Jährige. Dabei wird die gesellschaftliche und politische Frage nach der Wehrpflicht mit einer persönlichen und religiösen Perspektive verbunden. Im Mittelpunkt stehen Freiheit, Verantwortung und Gewissen. Das Audio macht deutlich, dass die Entscheidung für oder gegen einen Dienst bei der Bundeswehr nicht nur eine politische Frage ist, sondern eine grundlegende Gewissensentscheidung sein kann. An den unterschiedlichen Positionen von Dario und Jojo wird gezeigt, wie biografische Erfahrungen und persönliche Wertvorstellungen zu verschiedenen Entscheidungen führen können. Dario kann einen Dienst bei der Bundeswehr mit seinem Gewissen vereinbaren, während Jojo aufgrund der Kriegserfahrungen seiner Familie einen solchen Dienst ablehnt. Besonders hervorgehoben wird das Wort „ICH“ in „WehrpflICHt“. Damit unterstreicht die Autorin die persönliche Verantwortung des einzelnen Menschen, die eigenen Werte zu prüfen und eine Entscheidung vor sich selbst und vor Gott zu verantworten.

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Das Audio eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe, da es eine aktuelle gesellschaftliche Frage unmittelbar mit zentralen Themen religiöser und ethischer Bildung verbindet. Im Mittelpunkt kann der Begriff des Gewissens stehen. Die Lernenden setzen sich damit auseinander, was Gewissen bedeutet, wodurch Gewissensentscheidungen geprägt werden und welche Rolle persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Erwartungen, religiöse Überzeugungen und individuelle Wertvorstellungen dabei spielen. Zugleich eröffnet das Medium einen Zugang zu Fragen nach Freiheit und Verantwortung. Die Lernenden können untersuchen, ob persönliche Freiheit dort Grenzen findet, wo die Sicherheit und das Wohlergehen einer Gemeinschaft betroffen sind, und diskutieren, welche Verantwortung der einzelne Mensch gegenüber anderen Menschen und gegenüber dem Staat trägt. Das Audio eignet sich dabei besonders, weil es keine einfache Entscheidung für oder gegen den Wehrdienst vorgibt, sondern mit Dario und Jojo zwei unterschiedlich begründete Gewissensentscheidungen gegenüberstellt.

Als Einstieg kann zunächst lediglich der Titel „WehrpflICHt“ präsentiert werden. Die Lernenden beschreiben, was ihnen an der Schreibweise auffällt, und entwickeln Vermutungen darüber, weshalb das „ICH“ besonders hervorgehoben wird. Anschließend kann das Audio zunächst ohne umfangreiche Arbeitsaufträge gehört werden. Die Lernenden notieren spontan Begriffe, Aussagen oder Fragen, die ihnen besonders wichtig erscheinen. Bei einem zweiten Hören erhalten sie den Auftrag, Aussagen zu den Bereichen Pflicht, Freiheit, Gewissen, Verantwortung, Krieg und Frieden zu sammeln. Die Ergebnisse können anschließend geordnet und miteinander verglichen werden.

Für eine vertiefende Erarbeitung bietet sich die Gegenüberstellung von Dario und Jojo an. Die Lernenden arbeiten heraus, welche Erfahrungen und Wertvorstellungen die jeweilige Entscheidung beeinflussen. Dabei sollte deutlich werden, dass Gewissensbildung nicht bedeutet, dass alle Menschen bei sorgfältiger Prüfung zum gleichen Ergebnis gelangen müssen. Gerade die unterschiedlichen Positionen ermöglichen es, Ambiguitätstoleranz und Perspektivübernahme zu fördern. Methodisch kann dies durch ein strukturiertes Unterrichtsgespräch, eine Positionslinie im Klassenraum oder eine schriftliche Stellungnahme umgesetzt werden. Bei einer Positionslinie können sich die Lernenden beispielsweise zu der Aussage „Wer in Freiheit lebt, hat die Pflicht, sein Land im Ernstfall militärisch zu verteidigen“ positionieren und ihre Entscheidung begründen. Wichtig ist, dass eine Enthaltung oder eine noch nicht abgeschlossene Meinungsbildung ausdrücklich möglich bleibt.

Im Religionsunterricht sollte anschließend die religiöse Dimension stärker herausgearbeitet werden. Die Formulierung des Audios, dass der Mensch seine Entscheidung vor sich selbst und vor Gott verantwortet, bietet einen geeigneten Ausgangspunkt. Die Lernenden können überlegen, ob Gewissen lediglich eine persönliche innere Stimme ist oder ob es gebildet und kritisch geprüft werden muss. Ergänzend können biblische Friedensvorstellungen, das Gebot „Du sollst nicht töten“, Jesu Forderung nach Feindesliebe sowie Vorstellungen von Verantwortung für den Schutz anderer Menschen einbezogen werden. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen Gewaltverzicht und Schutzverantwortung. Das Ziel sollte nicht darin bestehen, eine vermeintlich richtige christliche Position vorzugeben. Vielmehr sollen die Lernenden erkennen, dass ethische Urteilsbildung Argumente, Werte, Folgen einer Entscheidung und die eigene Verantwortung berücksichtigen muss.

Da Krieg, Tod und familiäre Gewalterfahrungen im Audio ausdrücklich angesprochen werden, ist eine sensible Unterrichtsgestaltung erforderlich. Lernende sollten nicht dazu verpflichtet werden, eigene familiäre Erfahrungen mit Krieg, Flucht oder Militär offenzulegen. Ebenso sollte vermieden werden, Lernende öffentlich zu einer persönlichen Entscheidung für oder gegen Wehrdienst beziehungsweise Kriegsdienstverweigerung zu drängen. Stattdessen können zunächst die dargestellten Personen und deren Argumentationen analysiert werden. Erst anschließend können Lernende freiwillig eine eigene begründete Position entwickeln.

Zum Abschluss eignet sich eine individuelle Schreibaufgabe unter der Überschrift „Das ICH in der Pflicht“. Die Lernenden formulieren, welche Werte für sie bei einer schwierigen Gewissensentscheidung wichtig wären und nach welchen Kriterien sie eine verantwortbare Entscheidung treffen würden. Alternativ können sie einen fiktiven inneren Dialog einer 18 jährigen Person verfassen, die den Fragebogen erhält und zwischen verschiedenen Positionen abwägt. Damit werden Sachkompetenz, ethische Urteilskompetenz, Perspektivübernahme und persönliche Reflexionsfähigkeit miteinander verbunden.


Fragestellungen zum Audio mit Antworten


Welche zentrale Frage behandelt das Audio?

Das Audio fragt danach, wie junge Menschen eine verantwortete Entscheidung zum Wehrdienst treffen können und welche Bedeutung dabei Gewissen, persönliche Freiheit und Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft haben.


Warum wird das Wort „ICH“ im Titel „WehrpflICHt“ besonders hervorgehoben?

Das hervorgehobene „ICH“ verdeutlicht, dass letztlich der einzelne Mensch eine persönliche Gewissensentscheidung treffen muss. Eine solche Entscheidung soll nach Auffassung der Autorin in Freiheit getroffen und vor sich selbst sowie vor Gott verantwortet werden.


Was versteht das Audio unter Gewissen?

Das Gewissen wird als eine innere Stimme beschrieben, mit deren Hilfe Menschen prüfen können, was sie für richtig und falsch halten. Eine Gewissensentscheidung verlangt deshalb eine Auseinandersetzung mit den eigenen Werten und Überzeugungen.


Warum entscheidet sich Dario für den Wehrdienst?

Dario beschreibt eine grundsätzliche innere Bereitschaft, Teil der Bundeswehr zu werden. Der Krieg gegen die Ukraine hat seine Entscheidung zusätzlich beeinflusst. Für ihn ist entscheidend, dass er den Dienst mit seinem Gewissen vereinbaren kann.


Warum entscheidet sich Jojo gegen den Wehrdienst?

Jojos Haltung wird durch die Kriegserfahrungen seiner Familie geprägt. Sein Vater und mehrere Onkel kamen in einem Bürgerkrieg ums Leben. Deshalb verbindet er Krieg vor allem mit Tod, Zerstörung und langfristigem Leid von Familien und lehnt eine Beteiligung daran ab.


Warum kann die Entscheidung über Wehrdienst als Gewissensfrage verstanden werden?

Militärischer Dienst kann im Ernstfall bedeuten, das eigene Leben einzusetzen und Gewalt gegen andere Menschen auszuüben. Deshalb berührt die Entscheidung grundlegende Vorstellungen vom Wert menschlichen Lebens, von Gewalt, Frieden, Verantwortung und persönlicher Schuld.


Stehen Freiheit und Pflicht zwangsläufig im Gegensatz zueinander?

Das Audio zeigt ein Spannungsverhältnis. Eine staatliche Pflicht kann persönliche Freiheit einschränken. Gleichzeitig kann Freiheit mit Verantwortung für andere Menschen und die Gemeinschaft verbunden werden. Entscheidend ist deshalb die Frage, wie individuelle Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung miteinander vereinbart werden können.


Welche Rolle spielt die evangelische Kirche in diesem Konflikt?

Nach Darstellung des Audios begleitet die evangelische Kirche Menschen auf unterschiedlichen Wegen. Sie bietet Beratung für Menschen an, die den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigern möchten, und begleitet zugleich Angehörige der Bundeswehr durch die Militärseelsorge.


Kann es bei einer Gewissensfrage mehrere verantwortbare Entscheidungen geben?

Das Audio legt dies nahe. Dario und Jojo kommen aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen und Überzeugungen zu entgegengesetzten Entscheidungen. Beide versuchen jedoch, ihre Position mit ihrem Gewissen zu vereinbaren. Für den Religionsunterricht ist gerade diese Spannung produktiv, weil Lernende zwischen einer Entscheidung und deren Begründung unterscheiden können.


Welche Frage bleibt nach dem Hören für die Lernenden offen?

Eine zentrale weiterführende Frage lautet: Welche Werte wären für mich entscheidend, wenn ich zwischen persönlicher Überzeugung, staatlicher Pflicht und Verantwortung für andere Menschen entscheiden müsste? Diese Frage muss nicht einheitlich beantwortet werden. Entscheidend ist eine nachvollziehbare, reflektierte und ethisch begründete Urteilsbildung.

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