Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium in besonderer Weise zur Auseinandersetzung mit Gewissen, Freiheit, Verantwortung, Frieden, gesellschaftlicher Verpflichtung und dem Verhältnis von individuellen Rechten und Anforderungen des Gemeinwohls. Als Einstieg kann die Leitfrage „Wehrpflicht oder Dienstpflicht?“ präsentiert werden. Die Lernenden sammeln zunächst spontan Argumente und Fragen, ohne bereits zu einer abschließenden Bewertung gelangen zu müssen. Dadurch können vorhandene Einstellungen sichtbar werden und zugleich wird deutlich, dass die Thematik unterschiedliche politische, ethische und persönliche Dimensionen besitzt. Anschließend bietet sich die Erschließung von Artikel 12a GG an. Die Lernenden markieren zentrale Aussagen und unterscheiden zwischen der Möglichkeit einer Verpflichtung zum Dienst und dem Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern. Gerade der Begriff des Gewissens eröffnet für den Religionsunterricht einen zentralen Zugang. Die Lernenden können zunächst formulieren, was sie unter Gewissen verstehen und welche Bedeutung eine Gewissensentscheidung besitzt. Darauf aufbauend lässt sich diskutieren, weshalb die Entscheidung über einen Dienst mit der Waffe eine besondere ethische Tragweite haben kann. Dabei können Fragen nach dem Schutz menschlichen Lebens, nach Gewalt, Frieden, Verantwortung und persönlicher Überzeugung einbezogen werden. Wichtig ist eine offene Unterrichtsgestaltung, die unterschiedliche begründete Positionen zulässt. Sowohl die Bereitschaft zum Wehrdienst als auch die Verweigerung des Kriegsdienstes können aus Vorstellungen von Verantwortung heraus begründet werden. Gerade diese Spannung ermöglicht eine differenzierte ethische Urteilsbildung. Der im Medium vorgesehene Film kann anschließend zur sachlichen Erweiterung genutzt werden. Die Lernenden erhalten die beiden Beobachtungsaufträge bereits vor der Betrachtung und notieren, welche Form der Wehrpflicht in Schweden besteht und welche Alternativen für Deutschland diskutiert werden. Nach der Betrachtung werden die Ergebnisse zunächst zu zweit verglichen und anschließend im Unterrichtsgespräch gesichert. Darauf kann eine ethische Analyse der beiden im Medium genannten Möglichkeiten „Wehrdienst für alle für ein Jahr?“ und „Dienstpflicht für alle für ein Jahr?“ folgen. In Gruppen können die Lernenden Argumente sammeln und diese unterschiedlichen Kriterien zuordnen, etwa Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Gemeinwohl, Frieden, Verantwortung und Selbstbestimmung. Besonders ergiebig ist die Frage, ob der Staat Menschen zu einem Dienst für die Gemeinschaft verpflichten darf und unter welchen Voraussetzungen eine solche Verpflichtung gerechtfertigt sein könnte. Im Religionsunterricht kann daran die Frage nach dem Verhältnis von individueller Freiheit und Verantwortung für andere angeschlossen werden. Ebenso kann diskutiert werden, ob gesellschaftlicher Dienst Ausdruck von Solidarität sein kann und ob Solidarität ihren moralischen Wert verändert, wenn sie verpflichtend wird. Eine weitere Vertiefung bietet die christliche Friedensethik. Die Lernenden können unterschiedliche Vorstellungen vom Umgang mit Gewalt und der Verantwortung für Frieden reflektieren und auf die konkrete Frage nach Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung beziehen. Dabei sollte nicht auf eine bestimmte religiös begründete Position hingeführt werden. Vielmehr können unterschiedliche Gewissensentscheidungen hinsichtlich ihrer Begründungen untersucht werden. Methodisch eignet sich abschließend die im Material vorgesehene Positionslinie. Die Lernenden positionieren sich zu Wehrpflicht oder Dienstpflicht und begründen ihre Entscheidung anhand zuvor entwickelter ethischer Kriterien. Ein Wechsel der Position sollte ausdrücklich möglich sein, wenn Argumente anderer überzeugen. Zum Abschluss kann eine persönliche Urteilsbildung erfolgen, in der die Lernenden schriftlich begründen, welche Bedeutung Freiheit, Gewissen und Verantwortung bei der Entscheidung über eine gesellschaftliche Dienstpflicht besitzen. Das Medium verbindet damit Verfassungsbildung und politische Bildung mit zentralen religionspädagogischen Fragen nach Gewissen, Frieden, Freiheit, Solidarität und Verantwortung und ermöglicht eine kontroverse sowie begründete Auseinandersetzung mit einer gesellschaftlich bedeutsamen Frage.