Das Medium eignet sich für eine problemorientierte Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Verantwortung und lässt sich im Religionsunterricht besonders mit ethischen Fragen nach Menschenwürde, Gerechtigkeit und der Gleichwertigkeit aller Menschen verbinden. Als Einstieg kann die auf Seite 2 vorgesehene Karikatur genutzt werden. Da diese nicht Bestandteil der Präsentation ist, muss sie vor dem Unterricht über die dort angegebene Quelle bereitgestellt werden. Bei der Erschließung empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen. Die Lernenden beschreiben zunächst ausschließlich, was sie wahrnehmen, untersuchen anschließend Gestaltung und mögliche Aussage und formulieren erst danach ihre Interpretation. Auf diese Weise wird vermieden, dass vorschnelle Bewertungen die genaue Wahrnehmung ersetzen. Die Ergebnisse können im Plenum gesammelt und als Ausgangspunkt für die Frage genutzt werden, was Gleichberechtigung eigentlich bedeutet und woran sie sich in einer Gesellschaft erkennen lässt.
Im nächsten Schritt kann Artikel 3 des Grundgesetzes erschlossen werden. Die Lernenden lesen die einzelnen Absätze und formulieren deren Aussagen in eigenen Worten. Besonders sinnvoll ist eine arbeitsteilige Erschließung in Kleingruppen. Eine Gruppe beschäftigt sich mit der Gleichheit vor dem Gesetz, eine weitere mit der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und eine weitere mit dem Verbot von Benachteiligung. Anschließend können die Gruppen Beispiele aus Alltag, Schule, Beruf und Gesellschaft zuordnen. Im Religionsunterricht bietet sich an dieser Stelle eine Vertiefung durch die Frage an, warum Gleichheit und Gleichberechtigung nicht nur rechtliche, sondern auch ethische Anliegen darstellen. Dabei können Vorstellungen von Menschenwürde, Gerechtigkeit, Verantwortung und der gleichen Wertigkeit jedes Menschen einbezogen werden. Auch die Unterscheidung zwischen formaler Gleichberechtigung und tatsächlich erfahrbarer Gleichberechtigung kann thematisiert werden.
Die Grafik auf Seite 4 ermöglicht anschließend eine Konkretisierung am Beispiel der Bezahlung von Frauen und Männern. Methodisch sollte die Grafik zunächst sorgfältig beschrieben werden, bevor Ursachen oder Bewertungen diskutiert werden. Die Lernenden können herausarbeiten, welche Personengruppen dargestellt werden, auf welches Jahr sich die Angaben beziehen und welche Unterschiede erkennbar sind. Danach können sie Vermutungen über mögliche Ursachen formulieren. Wichtig ist dabei, zwischen den unmittelbar aus der Grafik ablesbaren Informationen und weiterführenden Erklärungen zu unterscheiden. Die Grafik selbst zeigt einen Unterschied bei den durchschnittlichen Bruttoverdiensten, erklärt aber nicht dessen Ursachen. Diese methodische Unterscheidung fördert einen sachgerechten Umgang mit statistischen Darstellungen und verhindert vorschnelle Schlussfolgerungen.
Ausgehend von der Frage „Gleiche Arbeit, gleicher Lohn?“ kann eine ethische Urteilsbildung angeschlossen werden. Die Lernenden können diskutieren, unter welchen Bedingungen unterschiedliche Bezahlung gerecht oder ungerecht erscheint und welche Bedeutung Geschlecht, Tätigkeit, Verantwortung, Arbeitszeit und gesellschaftliche Rahmenbedingungen bei der Bewertung haben könnten. Dabei sollte die Lehrkraft darauf achten, dass die Diskussion nicht bei individuellen Schuldzuweisungen stehen bleibt, sondern Strukturen und gesellschaftliche Bedingungen berücksichtigt. Für den Religionsunterricht kann die Leitfrage erweitert werden: Was bedeutet gerechte Teilhabe und welche Verantwortung tragen Einzelne, Unternehmen, Gesellschaft und Staat dafür?
Die Seiten 5 und 6 eignen sich für eine abschließende Auseinandersetzung mit Handlungsmöglichkeiten. Das Medium unterscheidet staatliche Maßnahmen wie das Entgelttransparenzgesetz, Quotenregelungen sowie Subventionen und Steuervergünstigungen von Maßnahmen in Unternehmen und Gesellschaft. Zu den dort genannten gesellschaftlichen Ansätzen gehören unter anderem transparente Gehaltsstrukturen, die Förderung von Frauen in Führungspositionen, bessere Kinderbetreuung, eine Aufteilung der Elternzeit und die Veränderung von Rollenbildern. Die Lernenden können diese Vorschläge in Gruppen untersuchen und nach selbst entwickelten Kriterien beurteilen. Denkbare Kriterien sind Gerechtigkeit, Wirksamkeit, Umsetzbarkeit, Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung. Anschließend können die Gruppen ihre Einschätzungen vorstellen und begründen. Eine Positionierung im Klassenraum oder eine moderierte Diskussion bietet sich zur Sicherung an. Abschließend können die Lernenden einen eigenen begründeten Vorschlag formulieren, wie Gleichberechtigung in Arbeitswelt und Gesellschaft gefördert werden sollte. Dadurch führt das Medium von der Wahrnehmung gesellschaftlicher Ungleichheit über die rechtliche und ethische Reflexion hin zur Entwicklung eigener begründeter Handlungsperspektiven.