Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen besonders geeigneten Zugang zu den Themen Menschenwürde, Gleichheit, Gerechtigkeit, Teilhabe und Verantwortung. Der Einstieg über Anja Renner und ihre Erfahrungen als Paralympics Triathletin ermöglicht es, Inklusion zunächst über eine konkrete Person und nicht ausschließlich über abstrakte Definitionen zu erschließen. Das Material verfolgt dabei ausdrücklich das Ziel, für die Bedeutung von Inklusion zu sensibilisieren und auf der Grundlage des authentischen Berichts Empathie zu fördern. Didaktisch sollte allerdings darauf geachtet werden, Menschen mit Behinderung nicht ausschließlich als Betroffene oder als Gegenstand von Fürsorge wahrzunehmen. Im Mittelpunkt sollten vielmehr ihre Rechte, ihre Selbstbestimmung und die gesellschaftlichen Bedingungen stehen, die Teilhabe ermöglichen oder verhindern. So kann bereits beim Einstieg gefragt werden, welche Barrieren Menschen begegnen können und wer Verantwortung dafür trägt, diese Barrieren abzubauen.
Die Aufgabe, den Satz „Inklusion heißt, …“ zu vervollständigen, eignet sich sehr gut zur Aktivierung eigener Vorstellungen. Methodisch kann zunächst eine kurze Einzelarbeit erfolgen, damit alle Lernenden eine eigene Definition entwickeln. Anschließend können die Aussagen in einer Redekette vorgestellt und gesammelt werden. Die Lehrkraft sollte unterschiedliche Vorstellungen zunächst sichtbar machen, ohne sofort eine abschließende Definition vorzugeben. Erst nach dem weiteren Filmbaustein können die ersten Aussagen überprüft, ergänzt oder verändert werden. Dadurch wird der individuelle Lernprozess sichtbar. Besonders interessant ist die Frage, ob die Lernenden Inklusion zunächst vor allem als Hilfe für einzelne Menschen verstehen oder bereits als Aufgabe der gesamten Gesellschaft begreifen.
Für die begriffliche Vertiefung bietet Seite 2 des Mediums wichtige Orientierung. Dort wird Inklusion als gesellschaftliches und politisches Ziel beschrieben und mit Art. 3 Abs. 3 GG verbunden. Zudem werden Selbstbestimmung, Teilhabe und Gleichstellung als zentrale Grundsätze hervorgehoben. Diese drei Begriffe können im Religionsunterricht als Struktur für die weitere Erarbeitung genutzt werden. Die Lernenden können beispielsweise jeweils erläutern, was Selbstbestimmung, Teilhabe und Gleichstellung konkret bedeuten und eigene Beispiele entwickeln. Dabei sollte deutlich werden, dass Inklusion mehr bedeutet als die bloße Anwesenheit von Menschen mit Behinderung. Entscheidend ist vielmehr, ob Menschen tatsächlich selbstbestimmt handeln, an gesellschaftlichen Bereichen teilnehmen und gleichberechtigt leben können.
Besonders ergiebig ist die Auseinandersetzung mit Barrierefreiheit. Das Medium versteht darunter nicht nur die Zugänglichkeit baulicher Anlagen, sondern bezieht auch Verkehrsmittel, technische Gegenstände, Informationssysteme sowie akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen ein. Dadurch kann ein zu enges Verständnis von Barrieren erweitert werden. Lernende können zunächst sammeln, welche Barrieren ihnen in ihrer Umgebung auffallen. Denkbar sind beispielsweise bauliche, kommunikative oder digitale Hindernisse. Anschließend kann untersucht werden, welche Auswirkungen solche Barrieren auf Selbstbestimmung und Teilhabe besitzen. Wichtig ist dabei ein Perspektivwechsel: Nicht ein Mensch wird als Problem betrachtet, sondern eine Umwelt kann so gestaltet sein, dass sie Menschen an der Teilhabe hindert.
Das Medium empfiehlt ausdrücklich, aktuelle Beispiele fehlender Barrierefreiheit in die Reflexion einzubeziehen und die eigene Schule auf Inklusion hin zu untersuchen. Daraus lässt sich eine handlungsorientierte Unterrichtsphase entwickeln. Kleingruppen können unterschiedliche Bereiche der Schule betrachten und überlegen, wo Teilhabe erleichtert oder erschwert wird. Dabei sollte der Blick nicht ausschließlich auf Gebäude gerichtet werden. Ebenso können Unterricht, Kommunikation, Veranstaltungen, digitale Angebote, Pausengestaltung oder gemeinschaftliche Aktivitäten berücksichtigt werden. Anschließend entwickeln die Lernenden konkrete Verbesserungsvorschläge. Auf diese Weise wird Inklusion nicht nur theoretisch behandelt, sondern auf einen vertrauten gesellschaftlichen Raum übertragen.
Für den Religionsunterricht eröffnet sich insbesondere eine anthropologische und ethische Vertiefung. Die Lernenden können fragen, welches Menschenbild einer inklusiven Gesellschaft zugrunde liegt. Aus christlicher Perspektive bietet sich die Vorstellung von der unveräußerlichen Würde jedes Menschen an. Jeder Mensch besitzt Würde unabhängig von Leistungsfähigkeit, körperlichen Voraussetzungen, gesellschaftlichem Nutzen oder Unterstützungsbedarf. Daraus können Fragen entstehen wie „Was bedeutet es, jeden Menschen als gleichwertig anzuerkennen?“, „Wann gehört ein Mensch wirklich dazu?“, „Wer muss sich verändern, der einzelne Mensch oder gesellschaftliche Strukturen?“ und „Welche Verantwortung trägt eine Gemeinschaft dafür, dass alle teilhaben können?“. Auf diese Weise wird Inklusion mit der grundlegenden Frage nach einem menschenwürdigen und gerechten Zusammenleben verbunden.
Auch biblische Impulse können die Auseinandersetzung vertiefen. Geeignet sind beispielsweise Erzählungen, in denen Jesus gesellschaftlich ausgegrenzten Menschen begegnet und bestehende Grenzen von Zugehörigkeit hinterfragt. Dabei sollte jedoch vermieden werden, Menschen mit Behinderung ausschließlich über Heilungsgeschichten zu thematisieren oder Behinderung als Defizit darzustellen. Für eine inklusive Religionspädagogik ist vielmehr entscheidend, die Würde, Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Auch das paulinische Bild vom einen Leib und den vielen Gliedern kann als Impuls dienen, um über Vielfalt, Zugehörigkeit und die Bedeutung unterschiedlicher Menschen für eine Gemeinschaft nachzudenken.
Die abschließende Handlungsorientierung ist ein wesentlicher Bestandteil des Mediums. Die Lernenden sollen konkrete Möglichkeiten entwickeln, wie sie selbst oder gemeinsam mit anderen zu einer inklusiveren Gesellschaft beitragen können. Methodisch empfiehlt sich eine Gruppenarbeit, bei der unterschiedliche Lebensbereiche wie Schule, Alltag, Ausbildung oder Sport betrachtet werden. Jede Gruppe benennt zunächst mögliche Barrieren und entwickelt anschließend konkrete Veränderungen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Verantwortung für Inklusion nicht ausschließlich auf individuelles freundliches Verhalten reduziert wird. Neben Hilfsbereitschaft und respektvollem Umgang müssen auch Strukturen, Zugänglichkeit und gesellschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
Als Abschluss kann erneut auf den Satzanfang „Inklusion heißt, …“ zurückgegriffen werden. Die Lernenden vergleichen ihre ursprüngliche Formulierung mit ihrem Verständnis nach der Unterrichtsphase und verändern oder erweitern ihre Definition. Eine mögliche abschließende Leitfrage lautet „Wann können wir wirklich sagen: Gesellschaft meint alle?“ Dadurch werden die einzelnen Aspekte des Mediums zusammengeführt. Religionspädagogisch lässt sich festhalten, dass Inklusion nicht allein als organisatorische Aufgabe verstanden werden sollte, sondern als Frage nach Menschenwürde, Gerechtigkeit, Anerkennung, Zugehörigkeit und Verantwortung. Das Medium ermöglicht damit eine Verbindung von Grundrechtsbildung, ethischer Urteilsbildung und konkreter gesellschaftlicher Handlungsorientierung.