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Demokratie in Bewegung: Versammlungsfreiheit verstehen

Veröffentlichung:1.1.2025

Das Medium „Demokratie in Bewegung: Versammlungsfreiheit verstehen“ mit sechs Seiten richtet sich an Lernende ab Klasse 8 und erschließt die Bedeutung der Versammlungsfreiheit als Grundrecht in einer demokratischen Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht Art. 8 GG und die Frage, warum Menschen das Recht haben, sich zu versammeln, gemeinsam ihre Meinung öffentlich auszudrücken und für ihre Anliegen einzutreten. Als Einstieg dient das Bild einer Demonstration für mehr Klimaschutz, zu dem Begriffe und erste Beobachtungen gesammelt werden. Anschließend wird Art. 8 GG betrachtet und insbesondere herausgestellt, dass Versammlungen friedlich und ohne Waffen stattfinden müssen. Ein Audiobeitrag führt in die Fragen ein, was unter einer Versammlung zu verstehen ist und welche Regeln gelten. Den Abschluss bildet eine Transferphase, in der die Lernenden überlegen, für welche Anliegen sie selbst demonstrieren würden oder eine fiktive Versammlung zu Themen wie Tierschutz, moderner Ausstattung an Schulen, Protest gegen Rassismus oder mehr Mitspracherecht im Schulalltag planen. Für das Medium sind etwa 15 Minuten vorgesehen. Es verbindet PowerPoint Präsentation, Bildimpuls, Audio, Unterrichtsgespräch, Diskussion und Gruppenarbeit.

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Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders, um Grundrechte mit Fragen nach Freiheit, Verantwortung, Gerechtigkeit und gesellschaftlichem Engagement zu verbinden. Der Bildimpuls auf Seite 1 bietet einen lebensweltbezogenen und zunächst offenen Einstieg. Die Lernenden beschreiben die dargestellte Demonstration und überlegen, weshalb Menschen gemeinsam öffentlich für ein Anliegen eintreten. Methodisch sollte zunächst genau zwischen Beschreibung, Deutung und Bewertung unterschieden werden. Die Lernenden können zuerst benennen, was sie wahrnehmen, anschließend Vermutungen über Ziele und Motive der beteiligten Menschen äußern und erst danach die Bedeutung einer solchen Versammlung beurteilen. Begriffe wie Demonstration, Meinungsäußerung, Öffentlichkeit, Protest, Forderung und Versammlung können gesammelt und für die weitere Arbeit sichtbar festgehalten werden. Im Religionsunterricht lässt sich die Einstiegsfrage erweitern: „Was kann Menschen dazu bewegen, öffentlich für eine Überzeugung einzutreten?“ Dadurch wird neben der politischen auch die ethische Dimension des Themas sichtbar.

Bei der anschließenden Beschäftigung mit Art. 8 GG sollte das Grundrecht nicht ausschließlich als juristische Regel vermittelt werden. Entscheidend ist, dass die Lernenden verstehen, welche Funktion die Versammlungsfreiheit für eine demokratische Gesellschaft besitzt. Gemeinsam kann herausgearbeitet werden, dass Menschen durch Versammlungen ihre Interessen sichtbar machen, Kritik äußern, auf Missstände aufmerksam machen und gesellschaftliche Veränderungen anstoßen können. Das Medium hebt dabei hervor, dass politische Versammlungen der gemeinsamen Meinungsäußerung dienen und auch für Minderheiten ein wichtiges Mittel darstellen, ihre Anliegen öffentlich wahrnehmbar zu machen. Zugleich gelten Regeln. Versammlungen sollen friedlich und ohne Waffen stattfinden und bei Versammlungen im Freien sind bestimmte Vorgaben zu berücksichtigen. Gerade diese Verbindung von Freiheit und Verantwortung besitzt für den Religionsunterricht besonderes Potenzial. Die Lernenden können diskutieren, warum Freiheit Regeln benötigt und weshalb das eigene Recht auf Protest mit der Verantwortung gegenüber anderen Menschen verbunden ist.

Der Audiobeitrag kann für die Erarbeitung der zentralen Begriffe eingesetzt werden. Die Lernenden erhalten vor dem Hören zwei klare Beobachtungsaufträge: „Was ist eine Versammlung?“ und „Welche Regeln müssen beachtet werden?“. Nach dem ersten Hören können Ergebnisse gesammelt und nach einem zweiten Hören ergänzt werden. Für Lernende, denen das Erfassen der Informationen schwerer fällt, empfiehlt das Material einen Wortkasten mit zentralen Begriffen. Diese Form der Differenzierung kann erweitert werden, indem einzelne Begriffe bereits vorgegeben und von den Lernenden den Kategorien Bedeutung, Voraussetzung und Grenze zugeordnet werden. Leistungsstärkere Lernende können zusätzlich eigene Beispiele entwickeln und begründen, ob es sich jeweils um eine Versammlung im politischen Sinn handelt. Auf diese Weise werden Begriffsbildung und Anwendung miteinander verbunden.

Besonders geeignet für eine vertiefende Auseinandersetzung ist die Transferfrage „Wofür würdest du demonstrieren gehen?“. Das Material sieht vor, dass die Lernenden eigene Anliegen benennen und begründen, weshalb ihnen diese wichtig sind. Im Religionsunterricht kann daraus eine wertorientierte Reflexion entstehen. Denkbare Themen sind Frieden, Klimaschutz, Menschenrechte, Religionsfreiheit, soziale Gerechtigkeit, Schutz von Geflüchteten, Bekämpfung von Rassismus, Bewahrung der Schöpfung oder ein gerechtes Zusammenleben. Wichtig ist, dass Lernende ihre Positionen frei entwickeln können und nicht zu einer bestimmten politischen oder religiösen Haltung geführt werden. Die Lehrkraft moderiert den Austausch und achtet darauf, dass unterschiedliche begründete Positionen respektiert werden.

Eine stärker handlungsorientierte Variante bietet die Arbeit mit den Themenkarten. Die Lernenden entwickeln in kleinen Gruppen eine fiktive Versammlung. Die Arbeitsblätter auf den Seiten 4 bis 6 verlangen die Festlegung eines Themas, einer konkreten Forderung, einer Zielgruppe und eines Slogans. Als Themen werden unter anderem mehr Tierschutz, modernere Ausstattung an Schulen, Protest gegen Rassismus und mehr Mitspracherecht im Schulalltag angeboten. Diese Aufgabe eignet sich dazu, aus einem allgemeinen Wert eine konkrete Forderung zu entwickeln. Die Lernenden müssen beispielsweise überlegen, was „Gerechtigkeit“ oder „Verantwortung“ in einer bestimmten Situation konkret bedeuten könnte, wen sie mit ihrer Forderung erreichen möchten und wie sie ihr Anliegen verständlich kommunizieren können. Anschließend präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse und begründen ihre Entscheidungen.

Religionspädagogisch lässt sich das Medium besonders gut mit der Frage verbinden, welche Verantwortung Menschen für Gesellschaft und Mitmenschen tragen. Versammlungsfreiheit kann dabei als Möglichkeit verstanden werden, Überzeugungen nicht nur privat zu vertreten, sondern sich öffentlich für Werte und andere Menschen einzusetzen. Anknüpfungspunkte ergeben sich zu Menschenwürde, Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität, Nächstenliebe, Zivilcourage und Bewahrung der Schöpfung. Ebenso kann darüber gesprochen werden, dass religiöse und nicht religiöse Überzeugungen Menschen zu gesellschaftlichem Engagement motivieren können. Eine mögliche Leitfrage lautet: „Wann wird aus einer persönlichen Überzeugung gesellschaftliche Verantwortung?“ Dadurch wird die politische Dimension des Grundrechts mit ethischer und religiöser Urteilsbildung verbunden.

Für die Abschlussreflexion bietet sich eine erneute Rückkehr zum Einstiegsbild an. Die Lernenden können nun erläutern, welche Bedeutung die dort dargestellte Demonstration aus der Perspektive von Art. 8 GG besitzt und welche Voraussetzungen für eine geschützte Versammlung gelten. Ergänzend können sie den Satz „Versammlungsfreiheit ist für eine Demokratie wichtig, weil …“ vervollständigen. Das Material verweist außerdem auf eine mögliche Verbindung mit Art. 5 GG und damit mit der Meinungsfreiheit. Daraus lässt sich eine weiterführende Unterrichtsfrage entwickeln, wie Versammlungsfreiheit und Meinungsfreiheit zusammenhängen. Auf diese Weise führt das Medium von einer konkreten Demonstration über das Verständnis eines Grundrechts hin zur Reflexion über demokratische Beteiligung, persönliche Überzeugungen und verantwortliches gesellschaftliches Handeln.

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