Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen lebensweltbezogenen Zugang zu einem Thema, das für Lernende eine hohe persönliche Bedeutung besitzen kann. Familie ist für viele Lernende ein Ort von Liebe, Vertrauen, Fürsorge, Zugehörigkeit und Geborgenheit, kann zugleich aber mit Konflikten, Trennung, Belastungen, Abhängigkeiten oder unterschiedlichen Erwartungen verbunden sein. Deshalb sollte die Lehrkraft von einem offenen und vielfältigen Familienbegriff ausgehen und keinesfalls ein bestimmtes Familienmodell als Normalfall voraussetzen. Das Material weist selbst darauf hin, Familie von Beginn an auch jenseits eines klassischen Familienbildes aus Vater, Mutter und zwei Kindern zu verstehen. Dies ist religionspädagogisch besonders bedeutsam, weil Lernende ihre eigenen Familiengeschichten und möglicherweise auch belastende Erfahrungen mit in den Unterricht bringen. Niemand sollte aufgefordert werden, private familiäre Situationen offenzulegen oder persönliche Erfahrungen zu erzählen. Aussagen können deshalb immer allgemein formuliert oder auf fiktive Familien bezogen werden. Der Einstieg über die Bildercollage auf Seite 1 ist hierfür besonders geeignet, da zunächst unterschiedliche Vorstellungen von Familie betrachtet werden können, ohne unmittelbar über die eigene Familie sprechen zu müssen. Die Äußerungen der Lernenden sollten zunächst gesammelt und nicht bewertet werden. Dadurch entsteht ein möglichst offener Raum für unterschiedliche Wahrnehmungen und Familienvorstellungen.
Die Arbeit mit Standbildern ermöglicht anschließend eine handlungsorientierte und emotionale Vertiefung. In kleinen Gruppen können die Lernenden Begriffe wie Vertrauen, Geborgenheit, Zusammenhalt, Streit, Stress, Schutz oder Selbstständigkeit auswählen und diese körperlich darstellen. Dabei sollte auf Haltung, Gestik, Mimik und räumliche Beziehungen geachtet werden. Die betrachtenden Lernenden beschreiben zunächst ausschließlich, was sie wahrnehmen, bevor sie mögliche Bedeutungen interpretieren. Erst danach kann die Gruppe erläutern, welche Vorstellung von Familie dargestellt wurde. Das Material beschreibt dieses Vorgehen auf Seite 2 ausführlich und sieht auch vor, dass die dargestellten Personen ihre Wahrnehmungen und Gefühle in ihrer jeweiligen Position erläutern können. Wichtig ist, dass nicht ausschließlich positive Vorstellungen dargestellt werden. Gerade für Lernende im Jugendalter gehören Konflikte, Ablösungsprozesse und das zunehmende Streben nach Selbstständigkeit ebenfalls zur Auseinandersetzung mit Familie. Das Medium berücksichtigt dies ausdrücklich und eröffnet damit die Möglichkeit, Familie weder zu idealisieren noch grundsätzlich problemorientiert zu behandeln.
Für die Sicherung können die Ergebnisse anschließend im Plenum gesammelt und thematisch geordnet werden, beispielsweise nach den Bereichen Beziehung, Gefühle, Verantwortung, Konflikte, Schutz und Selbstständigkeit. Falls für die Standbilder nicht genügend Unterrichtszeit zur Verfügung steht oder eine Lerngruppe zurückhaltend gegenüber szenischen Methoden ist, schlägt das Medium alternativ eine gemeinsame digitale Wortwolke vor. Denkbar ist außerdem eine Sammlung von Begriffen auf Karten, die von den Lernenden geordnet und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Auf diese Weise lässt sich sichtbar machen, dass Familie gleichzeitig Schutzraum, Beziehungsgemeinschaft, Verantwortungsraum und möglicher Konfliktraum sein kann.
Der anschließende Transfer zu Art. 6 GG und Art. 124 BV sollte an den zuvor entwickelten Vorstellungen anknüpfen. Die Lernenden lesen die entsprechenden Verfassungsausschnitte und überlegen, welche der zuvor gesammelten Bedeutungen von Familie erklären können, weshalb Familie besonderen Schutz erhält. Methodisch kann die Lehrkraft beispielsweise die Satzanfänge „Familie braucht besonderen Schutz, weil …“ und „Der Staat trägt Verantwortung für Familie, weil …“ einsetzen. Die Lernenden formulieren zunächst eigene Antworten und beziehen diese anschließend auf die Verfassungstexte. Dadurch wird der abstrakte Verfassungsbezug aus der Lebenswelt der Lernenden heraus erschlossen.
Im Religionsunterricht lässt sich daran eine weiterführende ethische Auseinandersetzung anschließen. Denkbar sind Fragen wie „Was macht Menschen zu einer Familie?“, „Welche Verantwortung übernehmen Menschen füreinander?“, „Warum brauchen Beziehungen Schutz?“, „Muss Familie immer harmonisch sein?“ oder „Was bedeutet es, füreinander da zu sein?“. Je nach Unterrichtszusammenhang kann außerdem nach christlichen Vorstellungen von Liebe, Fürsorge, Verantwortung, Gemeinschaft und gegenseitiger Achtung gefragt werden. Entscheidend ist dabei, religiöse Vorstellungen nicht zur Bewertung konkreter Familienformen zu verwenden. Vielmehr können sie als Impulse dienen, über gelingende Beziehungen, Verantwortung und den respektvollen Umgang miteinander nachzudenken. Als Abschluss bietet sich eine persönliche, aber nicht private Reflexion an. Die Lernenden können beispielsweise den Satz „Familie kann bedeuten …“ vervollständigen oder drei Werte auswählen, die ihrer Ansicht nach für ein gutes Zusammenleben besonders wichtig sind. So verbindet das Medium Lebensweltorientierung, soziales Lernen, ethische Reflexion und die Beschäftigung mit dem besonderen Schutz von Familie.