Didaktisch eignet sich das Medium besonders dazu, den abstrakten Begriff der Gerechtigkeit in konkrete Handlungssituationen aus der Lebenswelt der Lernenden zu übersetzen. Die vertrauten Verkehrsschilder besitzen einen hohen Wiedererkennungswert und ermöglichen einen unmittelbaren Zugang zur Fragestellung. Ihre ursprüngliche Funktion, Verhalten zu regeln, vor Gefahren zu warnen, Grenzen zu markieren und Orientierung zu geben, wird auf das soziale Zusammenleben übertragen. Dadurch können die Lernenden eigene Vorstellungen von richtigem und falschem, gerechtem und ungerechtem Handeln entwickeln und sprachlich ausdrücken. Methodisch kann zunächst ein einzelnes Verkehrsschild ohne die dazugehörigen Arbeitsaufträge gezeigt werden. Die Lernenden beschreiben seine Bedeutung im Straßenverkehr und überlegen anschließend, welche Bedeutung es für das Zusammenleben in der Schule haben könnte. Danach können die verschiedenen Schilder in Partnerarbeit oder in kleinen Gruppen bearbeitet werden. Besonders ergiebig ist die Arbeit mit konkreten Situationen aus dem Schulalltag. Ausgrenzung, Streit, ungerechte Verteilung, Beleidigungen, fehlende Hilfsbereitschaft, unterschiedliche Bedürfnisse oder die Frage nach gleichen Rechten können den jeweiligen Schildern zugeordnet werden. Das Stoppschild fordert beispielsweise dazu auf, Verhaltensweisen zu benennen, mit denen Schluss sein soll, während das Vorfahrtszeichen die Frage eröffnet, welches Verhalten der Gerechtigkeit dienen und deshalb Vorrang erhalten sollte. Das Sackgassensymbol ermöglicht es, Folgen ungerechten Handelns zu reflektieren. Die gestalterischen Aufgaben unterstützen insbesondere Lernende, denen eine ausschließlich sprachliche Auseinandersetzung schwerfällt, da Gedanken auch durch Bilder und Symbole ausgedrückt werden können. Im weiteren Unterrichtsgespräch sollten die entstandenen Schilder vorgestellt und begründet werden. Dabei ist weniger eine einheitliche Musterlösung entscheidend als die Fähigkeit, das eigene Urteil nachvollziehbar zu begründen, andere Perspektiven wahrzunehmen und gemeinsam Kriterien für Gerechtigkeit zu entwickeln. Eine Vertiefung bietet sich durch die Verbindung mit den im Material enthaltenen Jesusgeschichten an. Die Lernenden können untersuchen, wie Jesus Menschen begegnet, die ausgegrenzt, übersehen oder benachteiligt werden. Das Material nennt hierzu unter anderem das gemeinsame Essen mit unbeliebten Menschen, die Zuwendung zu Bartimäus, die Begegnung mit Zachäus und die Kindersegnung. Anschließend können die Lernenden überlegen, welches Verkehrsschild zu dem jeweiligen Verhalten Jesu passen könnte. So wird die ethische Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit religionspädagogisch vertieft und mit der Frage verbunden, welche Orientierung christliche Überlieferungen für das eigene Handeln geben können. Als Abschluss kann die Lerngruppe eigene „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“ für die Schule gestalten und daraus gemeinsame Regeln für ein gerechtes Miteinander entwickeln. Die Ergebnisse können im Klassenraum präsentiert, zu einer Ausstellung zusammengestellt oder als Ausgangspunkt für eine gemeinsame Vereinbarung genutzt werden. Auf diese Weise verbindet das Medium Wahrnehmung, Urteilsbildung, Perspektivübernahme, Kommunikation, kreatives Gestalten und die Entwicklung konkreter Handlungsmöglichkeiten.