Das Medium eignet sich für einen mehrwöchigen Unterrichtsgang zur Ethik in der gymnasialen Oberstufe. Die einzelnen Doppelseiten können in ihrer vorgegebenen Reihenfolge bearbeitet oder als eigenständige Unterrichtsbausteine ausgewählt werden. Für einen zusammenhängenden Unterrichtsgang empfiehlt sich eine Gliederung in vier Phasen. In einer ersten Phase setzen sich die Lernenden mit eigenen Vorstellungen vom guten Leben auseinander. In einer zweiten Phase erschließen sie philosophische Modelle ethischer Begründung. In einer dritten Phase untersuchen sie biblische und evangelisch theologische Grundlagen. In einer vierten Phase wenden sie ihre Kenntnisse auf aktuelle ethische Konflikte an.
Als Einstieg eignet sich das Gemälde „Die verkehrte Welt“ von Jan Steen. Die Lernenden beschreiben zunächst die dargestellten Personen, Handlungen und Gegenstände. Danach untersuchen sie, welche Regeln verletzt werden und welche Folgen das Verhalten der Personen haben könnte. Abschließend beziehen sie das Bild auf die Leitfrage nach dem Zusammenhang von gutem Leben und richtigem Handeln. Die Bildbetrachtung ermöglicht einen offenen Zugang und aktiviert vorhandene Vorstellungen. Ergänzend können die Lernenden ein eigenes Bild, einen kurzen Text oder eine persönliche Definition des guten Lebens gestalten.
Die Materialien zur Lebensqualität ermöglichen eine Verbindung von persönlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Lernenden wählen diejenigen Lebensbereiche aus, die sie für besonders wichtig halten, und begründen ihre Entscheidung. Anschließend vergleichen sie ihre Auswahl mit den Ergebnissen des im Medium dargestellten Bürgerdialogs. Dabei kann erarbeitet werden, dass Gesundheit, Einkommen, Bildung, Frieden, Sicherheit, Freiheit, soziale Beziehungen und gesellschaftliche Teilhabe unterschiedliche, aber miteinander verbundene Dimensionen eines guten Lebens darstellen. Als Methode eignet sich eine Rangordnung, eine Positionslinie, ein stilles Schreibgespräch oder eine anonyme Abstimmung.
Die Auseinandersetzung mit sozialen Medien besitzt eine hohe Lebensweltorientierung. Die Lernenden untersuchen, welche Vorstellungen von Glück, Erfolg und Wohlstand unter dem Schlagwort „goodlife“ verbreitet werden. Sie analysieren, welche Lebensbereiche sichtbar gemacht und welche Schwierigkeiten ausgeblendet werden. Dabei sollte auch gefragt werden, ob soziale Medien persönliche Wünsche nur darstellen oder zugleich beeinflussen. Als produktive Aufgabe können die Lernenden einen Beitrag entwerfen, der ihre eigene Vorstellung eines guten Lebens ausdrückt. Dieser Entwurf sollte anschließend kritisch auf mögliche Inszenierungen und Wertungen geprüft werden.
Bei der Unterscheidung von Ethik und Moral empfiehlt sich die Arbeit mit konkreten Beispielen. Die Lernenden sammeln Regeln aus Familie, Schule, Freundeskreis, Religion, Recht und digitaler Kommunikation. Sie untersuchen, welche Werte diesen Regeln zugrunde liegen und ob die Regeln allgemein anerkannt werden. Auf dieser Grundlage lässt sich Moral als vorhandenes System von Werten und Normen erklären. Ethik wird als begründete Reflexion über diese moralischen Vorstellungen erschlossen. Ein Begriffsnetz kann die Beziehungen zwischen Moral, Ethik, Wert, Norm, Gewissen, Freiheit, Verantwortung und Urteil sichtbar machen.
Die verschiedenen philosophischen Ethikmodelle können arbeitsteilig erschlossen werden. Jede Gruppe beschäftigt sich mit einem Modell und hält die leitende Frage, das zentrale Entscheidungskriterium, das zugrunde liegende Menschenbild sowie Stärken und Grenzen fest. Die Ergebnisse werden in einer gemeinsamen Vergleichstabelle gesammelt. Danach erhalten alle Gruppen denselben moralischen Konflikt und beurteilen ihn aus der Perspektive ihres Modells. So erkennen die Lernenden, dass ein Konflikt unterschiedlich bewertet werden kann, je nachdem, ob die handelnde Person, die Pflicht, die Absicht, das angestrebte Gut, die Folgen oder der gemeinsame Diskurs im Mittelpunkt stehen.
Die Pflichtenethik Immanuel Kants sollte schrittweise erschlossen werden. Zunächst werden die Begriffe guter Wille, Pflicht, Neigung, Maxime und kategorischer Imperativ geklärt. Anschließend übertragen die Lernenden ausgewählte Aussagen Kants in eigene Sprache. Darauf aufbauend prüfen sie einfache Handlungsregeln auf ihre Verallgemeinerbarkeit. Als Beispiele eignen sich das Lügen aus Höflichkeit, das Abschreiben bei einer Prüfung, das Veröffentlichen privater Bilder oder die ungekennzeichnete Nutzung Künstlicher Intelligenz. Die Lernenden sollen verstehen, dass Kant nicht zuerst nach dem Nutzen einer Handlung fragt, sondern danach, ob der zugrunde liegende Handlungsgrundsatz vernünftig für alle Menschen gelten kann.
Güterethik, Gesinnungsethik und Verantwortungsethik können anhand eines gemeinsamen Fallbeispiels verglichen werden. Die Lernenden fragen zunächst, welches Gut angestrebt wird. Danach untersuchen sie die Absicht der handelnden Person und schließlich die vorhersehbaren Folgen. Die Verantwortungsethik von Hans Jonas bietet die Möglichkeit, gegenwärtiges Handeln mit der Zukunft nachfolgender Generationen zu verbinden. Besonders geeignet sind Themen wie Klimaschutz, technische Entwicklung, Datenverarbeitung und Künstliche Intelligenz.
Die narrative Ethik kann über eine Erzählung, ein Gleichnis, einen Film oder eine biografische Erfahrung erschlossen werden. Die Lernenden untersuchen, welche Personen handeln, welche Werte miteinander in Konflikt geraten und wie Entscheidungen die weitere Geschichte verändern. Anschließend wird diskutiert, ob Erzählungen moralische Orientierung vermitteln können, ohne eine allgemeine Regel zu formulieren. Diese Arbeitsweise fördert Empathie, Perspektivenwechsel und die Wahrnehmung komplexer Lebenssituationen.
Beim Utilitarismus sollte zunächst das Prinzip erläutert werden, nach dem die Folgen einer Handlung und der Nutzen für möglichst viele Menschen entscheidend sind. Anhand konkreter Fälle prüfen die Lernenden, welche Handlung voraussichtlich das größte Glück oder den geringsten Schaden hervorbringt. Danach werden Grenzen des Ansatzes diskutiert. Zu fragen ist, ob Glück messbar ist, ob alle Interessen gleich gewichtet werden und ob eine Mehrheit auf Kosten einer Minderheit profitieren darf. Das Konzept des effektiven Altruismus kann als aktuelle Anwendung einbezogen werden.
Die Diskursethik sollte im Unterricht praktisch erprobt werden. Die Lernenden entwickeln Regeln für ein faires Gespräch und wenden diese in einer moderierten Diskussion an. Alle Betroffenen sollen grundsätzlich Gehör finden, Aussagen müssen begründet werden und gesellschaftliche Macht darf nicht über die Qualität eines Arguments entscheiden. Als Thema eignet sich eine schulische Regelung zur Nutzung Künstlicher Intelligenz. In der Auswertung prüfen die Lernenden, ob das Gespräch offen, vernünftig und gleichberechtigt verlaufen ist.
Bei der Erarbeitung christlicher Ethik ist eine kontextbezogene Arbeit mit biblischen Texten wichtig. Der Dekalog sollte im Zusammenhang mit der Befreiung Israels aus Ägypten gelesen werden. Dadurch erkennen die Lernenden, dass die Gebote auf eine Erfahrung göttlicher Zuwendung und geschenkter Freiheit antworten. Anschließend können einzelne Gebote auf gegenwärtige Herausforderungen wie Wahrhaftigkeit, Datenschutz, soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und digitale Verantwortung übertragen werden. Dabei sollte die jüdische Herkunft des Dekalogs ausdrücklich berücksichtigt werden.
Das Doppelgebot der Liebe ermöglicht die Auseinandersetzung mit Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe. Die Lernenden untersuchen die jüdischen Wurzeln des Gebots und diskutieren, weshalb Selbstliebe nicht mit Egoismus gleichgesetzt werden darf. Ebenso kann gefragt werden, wann Hilfsbereitschaft in eine problematische Selbstaufgabe übergeht. Als kreative Aufgabe können die Lernenden eine Gesellschaft entwerfen, in der politische, wirtschaftliche und persönliche Entscheidungen am Liebesgebot orientiert sind. Anschließend beurteilen sie die Chancen und Grenzen einer solchen Gesellschaft.
Die Bergpredigt bietet Anlass zur Diskussion über Feindesliebe, Gewaltverzicht, Gerechtigkeit und den Umgang mit Konflikten. Unterschiedliche Deutungen können arbeitsteilig erschlossen und miteinander verglichen werden. Die Lernenden prüfen, ob die Forderungen der Bergpredigt als unmittelbar erfüllbare Regeln, als persönliche Orientierung oder als herausfordernde Vision einer gerechten Welt verstanden werden können.
Die Abschnitte zu Rechtfertigung und christlicher Freiheit verdeutlichen das evangelische Profil des Mediums. Die Lernenden erschließen, dass der Wert eines Menschen nach reformatorischem Verständnis nicht von Leistung oder moralischer Vollkommenheit abhängt. Verantwortliches Handeln entsteht nicht aus Angst vor Ablehnung, sondern aus der Erfahrung göttlicher Annahme und geschenkter Freiheit. Diese Perspektive kann mit schulischem Leistungsdruck, Perfektionismus und öffentlicher Bewertung in sozialen Medien verbunden werden.
Das Thema Scheitern eröffnet Gespräche über Fehler, Schuld, Verantwortung, Vergebung und Neuanfang. Dabei ist ein geschützter Gesprächsrahmen erforderlich. Persönliche Erfahrungen dürfen eingebracht werden, müssen aber freiwillig bleiben. Die Lernenden können untersuchen, wodurch eine konstruktive Fehlerkultur gekennzeichnet ist und weshalb die Übernahme von Verantwortung nicht im Gegensatz zur Vergebung steht.
Die abschließenden Materialien zu Künstlicher Intelligenz und autonomem Fahren ermöglichen eine Anwendung aller erarbeiteten Modelle. Die Lernenden analysieren ein moralisches Dilemma aus kantischer, utilitaristischer, verantwortungsethischer, diskursethischer und christlicher Perspektive. Danach formulieren sie ein eigenes Urteil und berücksichtigen mögliche Gegenargumente. Ziel ist nicht eine schnelle und eindeutige Lösung, sondern eine nachvollziehbare ethische Begründung.
Zur Sicherung kann ein fortlaufendes Ethikportfolio geführt werden. Darin sammeln die Lernenden Definitionen, Vergleichstabellen, Bilddeutungen, Fallanalysen, persönliche Stellungnahmen und überarbeitete Urteile. Die abschließende Übersicht des Mediums eignet sich zur Wiederholung und zur Vorbereitung auf Leistungsnachweise. Als abschließende Aufgabe kann eine ethische Fallanalyse verfasst werden. Die Lernenden beschreiben einen Konflikt, benennen die betroffenen Werte und Personen, wenden mehrere Ethikmodelle an, beziehen eine christliche Perspektive ein und formulieren ein begründetes Urteil. Bewertet werden Sachkenntnis, korrekte Anwendung der Modelle, Qualität der Argumentation, Perspektivenvielfalt, Reflexion von Einwänden und sprachliche Klarheit.
Didaktisch eignet sich die Unterrichtseinheit besonders für die Sekundarstufe, da sie an die Lebenswelt der Lernenden anknüpft und zahlreiche aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen aufgreift. Der Unterricht kann mit Bildern, Fallbeispielen oder Berichten über Haustiere, Nutztierhaltung oder bedrohte Tierarten beginnen, um persönliche Erfahrungen und Einstellungen zu aktivieren. Anschließend können biblische Schöpfungstexte, kirchliche Aussagen zur Bewahrung der Schöpfung sowie philosophische Positionen zur Tierethik gemeinsam erschlossen und miteinander verglichen werden. Gruppenarbeiten ermöglichen die Bearbeitung verschiedener Themenfelder wie Massentierhaltung, vegetarische und vegane Ernährung, Tierversuche oder Artenschutz. Diskussionen, Rollenspiele und Debatten fördern die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen abzuwägen und ethische Urteile zu begründen. Die Auswertung von Statistiken, Dokumentationen, Zeitungsartikeln oder Informationsmaterial von Umwelt und Tierschutzorganisationen erweitert die Sachkompetenz und unterstützt eine differenzierte Auseinandersetzung mit komplexen Fragestellungen. Kreative Arbeitsformen wie das Entwickeln von Informationsplakaten, Positionspapieren oder Handlungsideen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren fördern die Handlungskompetenz und zeigen Möglichkeiten auf, ethische Verantwortung im Alltag zu übernehmen. Die Unterrichtseinheit bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte zu den Fächern Biologie, Ethik und Politik und stärkt Empathie, Urteilsfähigkeit und nachhaltiges Denken.
Einstiegsmaterial
Zum Einstieg setzen sich die Lernenden mit Bildern, Zitaten, Karikaturen oder kurzen Fallbeispielen zum Verhältnis von Mensch und Tier auseinander. Sie tauschen persönliche Erfahrungen mit Haustieren oder Begegnungen mit Wild und Nutztieren aus und formulieren erste Fragen zur Verantwortung des Menschen.
Material zur Begriffsbestimmung
Die Lernenden klären zentrale Begriffe wie Tierethik, Verantwortung, Tierschutz, Tierwohl, Artenschutz und Schöpfungsverantwortung. Sie erkennen Unterschiede zwischen rechtlichen, biologischen und ethischen Perspektiven.
Material zu biblischen Grundlagen
Anhand der Schöpfungserzählungen, ausgewählter Psalmen sowie weiterer Bibelstellen untersuchen die Lernenden die Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung. Sie diskutieren den Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, und überlegen, welche Verantwortung daraus für den Umgang mit Tieren entsteht.
Material zu christlichen und philosophischen Positionen
Die Lernenden lernen unterschiedliche Begründungen für den Schutz von Tieren kennen. Sie vergleichen christliche Vorstellungen mit philosophischen Ansätzen und arbeiten Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede heraus.
Material zur Nutztierhaltung
Mithilfe von Texten, Bildern und Statistiken beschäftigen sich die Lernenden mit verschiedenen Formen der Tierhaltung. Sie vergleichen konventionelle und alternative Haltungsformen und diskutieren deren Auswirkungen auf Tiere, Umwelt und Menschen.
Material zu Ernährung und Konsum
Die Unterrichtseinheit greift unterschiedliche Ernährungsweisen auf und thematisiert den Zusammenhang zwischen Konsumverhalten, Tierwohl und Nachhaltigkeit. Die Lernenden reflektieren ihre eigenen Essgewohnheiten und entwickeln begründete Positionen.
Material zu Tierversuchen
Anhand konkreter Fallbeispiele setzen sich die Lernenden mit den Chancen und ethischen Problemen von Tierversuchen auseinander. Sie wägen medizinischen Fortschritt und Tierschutz gegeneinander ab und entwickeln eigene Urteile.
Material zu Artenschutz und Biodiversität
Die Lernenden untersuchen Ursachen für das Aussterben von Tierarten und beschäftigen sich mit den Folgen für Ökosysteme. Sie lernen internationale Schutzmaßnahmen kennen und diskutieren Möglichkeiten zum Erhalt der biologischen Vielfalt.
Material zu ethischen Dilemmata
Fallbeispiele stellen die Lernenden vor schwierige Entscheidungssituationen, etwa beim Einsatz von Versuchstieren, beim Schutz gefährlicher Tierarten oder bei wirtschaftlichen Interessen. Sie argumentieren aus unterschiedlichen Perspektiven und begründen ihre Entscheidungen.
Arbeitsblätter zur Gruppenarbeit
Die Lernenden bearbeiten unterschiedliche Themen der Tierethik arbeitsteilig, recherchieren Informationen, präsentieren ihre Ergebnisse und vergleichen verschiedene ethische Positionen.
Diskussions und Debattenmaterial
Leitfragen, Positionenkarten oder Pro und Contra Materialien unterstützen strukturierte Diskussionen. Die Lernenden üben sachliches Argumentieren, Perspektivwechsel und respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Meinungen.
Kreative Materialien
Die Lernenden gestalten Informationsplakate, entwickeln Kampagnen zum Tierschutz, verfassen Stellungnahmen oder entwerfen Regeln für einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren im Alltag.
Abschlussmaterial
Zum Abschluss reflektieren die Lernenden ihre persönliche Haltung zur Tierethik, überprüfen ihre anfänglichen Vorstellungen und entwickeln konkrete Handlungsmöglichkeiten für einen bewussteren und verantwortungsvolleren Umgang mit Tieren und der gesamten Schöpfung.