Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht bei der Behandlung von Gewissen, Widerstand, Zivilcourage, Glaubenszeugnis, christlicher Verantwortung und Nationalsozialismus. Es kann außerdem im fächerverbindenden Unterricht mit Geschichte, Politik und gesellschaftlicher Bildung verwendet werden. Die Lebensgeschichte von Josef Mayr Nusser ermöglicht einen biografischen Zugang zu der Frage, wie religiöse Überzeugungen das Handeln eines Menschen in einer politischen Diktatur beeinflussen können.
Die Materialien sollten nicht lediglich als Heiligengeschichte oder als Darstellung eines außergewöhnlichen Helden verwendet werden. Josef Mayr Nusser sollte vielmehr als Mensch mit Beziehungen, Ängsten, Überzeugungen und Entscheidungskonflikten erschlossen werden. Seine Entscheidung hatte schwerwiegende Folgen für ihn selbst, seine Ehefrau und seinen kleinen Sohn. Diese persönliche Dimension verhindert eine vorschnelle Idealisierung und eröffnet eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Preis moralischen Widerstands.
Als Einstieg eignet sich die im Medium enthaltene Standortbestimmung. Aussagen wie „Ich höre auf mein Gewissen“, „Glaube ohne Taten ist wertlos“ oder „Ich stehe zu meiner Überzeugung, auch wenn andere mich nicht verstehen“ werden im Raum verteilt. Die Lernenden positionieren sich entsprechend ihrer Zustimmung oder Ablehnung. Dabei sollte die Lehrkraft deutlich machen, dass es nicht um richtige oder falsche Standorte geht. Entscheidend ist die begründete Auseinandersetzung mit den Aussagen.
Alternativ kann eine Linie zwischen Zustimmung und Ablehnung markiert werden. Die Lernenden nehmen zu einzelnen Aussagen einen Platz ein und erläutern freiwillig ihre Entscheidung. Nach der Beschäftigung mit Josef Mayr Nusser kann die Übung wiederholt werden. Auf diese Weise wird sichtbar, ob und warum sich einzelne Positionen verändert haben. Niemand sollte verpflichtet werden, persönliche Glaubensüberzeugungen offenzulegen.
Vor der biografischen Erarbeitung sollte der historische Hintergrund geklärt werden. Dazu gehören die nationalsozialistische Diktatur, die Situation Südtirols, die Option von 1939, die Besetzung Südtirols durch deutsche Truppen, die Waffen SS und die Bedeutung des Eides auf Adolf Hitler. Ohne diese Kenntnisse besteht die Gefahr, dass die Entscheidung Josef Mayr Nussers nur als privater Glaubensakt und nicht als politisch und historisch bedeutsamer Widerstand verstanden wird.
Für die Erarbeitung der Biografie können die Lernenden eine Zeitleiste erstellen. Darauf werden seine Geburt, der Tod seines Vaters, seine berufliche Tätigkeit, sein Engagement in der Vinzenzkonferenz, seine Arbeit in der katholischen Jugend, die Eheschließung, die Geburt seines Sohnes, die Einberufung, die Verweigerung des Eides, das Todesurteil und sein Tod eingetragen. Ergänzend können historische Ereignisse hinzugefügt werden. Dadurch werden persönliche Lebensgeschichte und politische Geschichte miteinander verbunden.
Das biografische Material kann arbeitsteilig erschlossen werden. Verschiedene Gruppen beschäftigen sich mit Herkunft und Familie, religiösen Vorbildern, sozialem Engagement, katholischer Jugendarbeit, politischer Situation, Gewissensentscheidung und den Folgen der Verweigerung. Jede Gruppe formuliert eine zentrale Aussage und eine weiterführende Frage. Die Ergebnisse werden anschließend in der zeitlichen Reihenfolge präsentiert.
Ein besonderer Schwerpunkt sollte auf dem Gewissensbegriff liegen. Die Lernenden können untersuchen, was ein Gewissen ist, wie Gewissensentscheidungen entstehen und wodurch ein Gewissen geprägt wird. Josef Mayr Nusser handelte nicht aus einem spontanen Gefühl heraus. Seine Entscheidung wurde durch religiöse Bildung, Vorbilder, Gebet, Gemeinschaft, soziales Engagement und die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus vorbereitet. Das Gewissen erscheint dadurch nicht als beliebige persönliche Meinung, sondern als eine verantwortete innere Urteilsinstanz.
Zur Vertiefung kann ein Entscheidungsdiagramm erstellt werden. Die Lernenden tragen ein, welche Handlungsmöglichkeiten Josef Mayr Nusser hatte, welche Folgen er erwarten musste und welche Werte für ihn entscheidend waren. Mögliche Werte sind Glauben, Wahrheit, Menschenwürde, Verantwortung, Treue, Familie, Gehorsam und Schutz des eigenen Lebens. Anschließend beurteilen die Lernenden, weshalb er bestimmte Werte höher gewichtete als andere.
Die Eidverweigerung bietet sich für ein ethisches Dilemmagespräch an. Josef Mayr Nusser wusste, dass seine Entscheidung sein Leben kosten und seine Familie schwer belasten konnte. Gleichzeitig war er überzeugt, dass ein Eid auf Hitler ihn zum Unterstützer eines verbrecherischen Systems machen würde. Die Lernenden können prüfen, welche Gründe für eine Verweigerung und welche Gründe für eine äußerliche Anpassung gesprochen haben könnten. Dabei darf seine Entscheidung kritisch befragt werden, ohne seinen Mut oder die historische Bedeutung seines Widerstands abzuwerten.
Eine geeignete Fragestellung lautet: Darf ein Mensch eine Entscheidung treffen, die seinem Gewissen entspricht, wenn dadurch auch Angehörige leiden? Die Lernenden sollten erkennen, dass es darauf keine einfache Antwort gibt. Das Dilemma zwischen persönlicher Gewissenstreue und Verantwortung für die Familie macht die Tragweite der Entscheidung sichtbar.
Das im Medium enthaltene Zitat über den Mut zum Widerspruch kann als Schreibimpuls dienen. Die Lernenden erklären zunächst mit eigenen Worten, was Josef Mayr Nusser ausdrücken wollte. Danach übertragen sie den Gedanken auf gegenwärtige Situationen, etwa Rassismus, Antisemitismus, Mobbing, Ausgrenzung, politische Propaganda oder menschenfeindliche Äußerungen. Dabei sollte zwischen alltäglichem Widerspruch und einer lebensgefährlichen Entscheidung in einer Diktatur unterschieden werden. Ein unmittelbarer Vergleich könnte die historische Situation verharmlosen.
Das Kreuzworträtsel eignet sich vor allem zur Wiederholung biografischer Kenntnisse. Es sollte nicht am Anfang der Unterrichtseinheit eingesetzt werden, weil es bereits ein gewisses Wissen über die Person voraussetzt. Nach der Lösung können die Lernenden auswählen, welche Informationen für das Verständnis Josef Mayr Nussers besonders bedeutsam sind. Dadurch wird eine reine Wissensabfrage um eine inhaltliche Gewichtung ergänzt.
Das Lied „Du hast nicht geschwiegen“ ermöglicht einen emotionalen und ästhetischen Zugang. Die Lernenden können zunächst den Lückentext während des Hörens ergänzen. Anschließend untersuchen sie das im Lied vermittelte Bild Josef Mayr Nussers. Sie achten auf Begriffe wie Schweigen, Treue, Dunkelheit, Zeugnis und Leuchtturm. Danach beurteilen sie, ob das Lied die Person differenziert darstellt oder sie vor allem als Vorbild würdigt.
Bei der Arbeit mit dem Lied sollte die Lehrkraft die erforderliche Aufnahme bereitstellen und die rechtlichen Bedingungen der Nutzung beachten. Falls die Aufnahme nicht verfügbar ist, können ausgewählte Textaussagen auch ohne musikalische Wiedergabe untersucht werden. Das mehrmalige Hören unterstützt sowohl das Textverständnis als auch die Wahrnehmung der musikalischen Gestaltung.
Die im Medium enthaltenen Zitate eignen sich für ein Schreibgespräch. Die Lernenden wählen eine Aussage aus, die sie anspricht oder irritiert, und verfassen eine persönliche Reaktion. Anschließend können sie einen fiktiven Brief an Josef Mayr Nusser schreiben. Darin stellen sie Fragen, formulieren Zustimmung oder äußern Zweifel an seiner Entscheidung. Eine solche Aufgabe fördert den Perspektivwechsel und verhindert eine bloße Wiedergabe biografischer Daten.
Die Vorbilder Josef Mayr Nussers eröffnen einen weiteren Zugang. Das Material nennt Thomas von Aquin, Thomas Morus und Peter Mayr. Die Lernenden können untersuchen, welche Eigenschaften und Entscheidungen dieser Personen für Josef Mayr Nusser bedeutsam waren. Dabei sollte nicht nur nach biografischen Gemeinsamkeiten gesucht werden. Wichtig ist vielmehr die Frage, wie Vorbilder das Gewissen und die eigene Lebensgestaltung prägen können.
Eine Übertragung auf die Gegenwart kann durch die Frage erfolgen, welche Menschen heute als Vorbilder gelten. Die Lernenden vergleichen religiöse Vorbilder, politische Persönlichkeiten, Menschen aus der eigenen Familie, bekannte Personen aus Sport und Medien sowie gesellschaftlich engagierte Menschen. Sie entwickeln Kriterien für glaubwürdige Vorbilder. Dazu können Mut, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Beständigkeit und die Übereinstimmung von Überzeugung und Handeln gehören.
Das Material zu weiteren Glaubenszeugen ermöglicht vergleichendes biografisches Lernen. Vorgestellt werden unter anderem Dietrich Bonhoeffer, Sophie Scholl, Edith Stein, Mutter Teresa, Josef Freinademetz, Ruth Pfau und weitere Persönlichkeiten. Die Lernenden ordnen biografische Informationen und Glaubensaussagen einander zu. Danach stellen sie eine Person und deren Zeugnis vor. Die Aufgabe verbindet Bewegung, Kooperation, Recherche und Präsentation.
Die Auswahl der Personen sollte historisch eingeordnet und gegebenenfalls ergänzt werden. Die Lernenden können prüfen, was die unterschiedlichen Lebensgeschichten miteinander verbindet und worin sie sich unterscheiden. Nicht alle dargestellten Personen waren in derselben Weise politische Widerstandskämpfer. Glaubenszeugnis kann sich im Widerstand, in sozialem Engagement, in Krankheit, in Mission, in Seelsorge oder in solidarischer Hilfe zeigen.
Ein kritischer Umgang mit dem Begriff Glaubenszeuge ist notwendig. Die Lernenden sollten fragen, wer eine Person als Glaubenszeugen bezeichnet und anhand welcher Kriterien dies geschieht. Dabei können religiöse Innenperspektive, kirchliche Anerkennung, historische Bewertung und persönliche Vorbildwirkung unterschieden werden. Der Begriff darf nicht dazu führen, dass Widersprüche oder problematische Aspekte einer Biografie ausgeblendet werden.
Die Seligsprechung Josef Mayr Nussers sollte als kirchliche Form der Anerkennung erklärt werden. Dabei ist zwischen Verehrung und Anbetung zu unterscheiden. Eine Seligsprechung bedeutet, dass die katholische Kirche einen Menschen öffentlich als Glaubensvorbild anerkennt. Sie bedeutet nicht, dass diese Person fehlerlos gewesen sein muss. Da das Medium im Vorfeld der Seligsprechung im Jahr 2017 entstanden ist, sollten zeitbezogene Formulierungen entsprechend historisch eingeordnet werden.
Das Arbeitsblatt zum persönlichen Glaubenszeugnis kann am Ende der Unterrichtseinheit eingesetzt werden. Es lädt die Lernenden dazu ein, Aussagen über Gott, Glauben, Hoffnung, christliches Handeln und den Sinn des Lebens zu formulieren. Diese Aufgabe muss freiwillig bleiben. Nicht religiöse, anders religiöse und zweifelnde Lernende sollten alternative Formulierungen verwenden dürfen. Sie können beispielsweise ein persönliches Wertezeugnis oder ein Bekenntnis zu einer wichtigen Überzeugung verfassen.
Die Ergebnisse des persönlichen Glaubenszeugnisses sollten nur mit ausdrücklicher Zustimmung vorgestellt oder veröffentlicht werden. Die Aufgabe berührt persönliche Überzeugungen und kann sensible Inhalte enthalten. Eine Benotung des religiösen Bekenntnisses wäre nicht angemessen. Bewertet werden können dagegen sprachliche Klarheit, begründete Gedanken, die Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsthema und die sorgfältige Gestaltung.
Als Abschluss eignet sich die Frage, was Glaubenszeugnis heute bedeuten kann. Die Lernenden entwickeln konkrete Beispiele für ein Handeln aus christlicher oder ethischer Überzeugung. Dazu können das Eintreten für ausgegrenzte Menschen, der Widerspruch gegen menschenfeindliche Aussagen, der Schutz Schwächerer, soziales Engagement und ein verantwortungsvoller Umgang mit Macht gehören.
Eine mögliche Abschlussaufgabe ist die Gestaltung einer Ausstellung mit dem Titel „Nicht schweigen“. Darin verbinden die Lernenden Stationen aus dem Leben Josef Mayr Nussers mit gegenwärtigen Beispielen für Zivilcourage. Jede Station enthält eine biografische Information, ein Zitat, eine ethische Frage und einen Bezug zur Gegenwart. Auf diese Weise wird das historische Glaubenszeugnis nicht nur erinnert, sondern für heutige Verantwortung erschlossen.