Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht und den Ethikunterricht, wenn unterschiedliche Wege moralischer Urteilsbildung behandelt werden. Es kann zur Einführung in Kants Pflichtethik, zur Vertiefung des kategorischen Imperativs oder zur Wiederholung einer bereits erarbeiteten Unterrichtseinheit eingesetzt werden. Da das Video das philosophische Prüfverfahren an einer konkreten Alltagssituation erläutert, unterstützt es Lernende dabei, eine abstrakte ethische Theorie auf nachvollziehbare Handlungen zu beziehen. Vor dem Ansehen sollte geklärt werden, was unter einer Handlung, einer Absicht, einer Maxime und einem allgemeinen Gesetz zu verstehen ist. Die Lernenden können zunächst Vermutungen darüber äußern, ob es moralisch erlaubt sein kann, ein Versprechen zu geben, von dem man schon vorher weiß, dass man es nicht halten wird.
Beim ersten Ansehen erhalten die Lernenden den Auftrag, das Beispiel und das moralische Problem in eigenen Worten wiederzugeben. Beim zweiten Ansehen können sie die einzelnen Schritte der Prüfung notieren: die beabsichtigte Handlung beschreiben, eine Maxime formulieren, die Maxime als allgemeines Gesetz denken, mögliche Widersprüche untersuchen und ein moralisches Urteil formulieren. Anschließend kann das Prüfverfahren gemeinsam auf weitere Situationen übertragen werden. Geeignete Beispiele sind Lügen aus Bequemlichkeit, Abschreiben bei einer Prüfung, das Nichtbezahlen einer Leistung, unterlassene Hilfe, das Brechen eines Versprechens oder der rücksichtslose Umgang mit natürlichen Ressourcen. Dabei sollte deutlich werden, dass Kant nicht in erster Linie nach den angenehmen oder unangenehmen Folgen einer Handlung fragt. Entscheidend ist vielmehr, ob die zugrunde liegende Maxime vernünftigerweise für alle Menschen gelten kann.
Für eine vertiefende Erarbeitung können die Lernenden in Gruppen unterschiedliche Fälle untersuchen. Jede Gruppe beschreibt zunächst die Situation, formuliert anschließend eine möglichst genaue Maxime und prüft, was geschehen würde, wenn alle Menschen nach dieser Regel handelten. Danach stellt sie ihr Urteil vor und begründet es. Besonders wichtig ist die genaue Formulierung der Maxime, da unterschiedlich formulierte Maximen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Die Lerngruppe sollte deshalb besprechen, ob eine Maxime zu eng, zu allgemein oder lediglich so formuliert wurde, dass sie das gewünschte Urteil unterstützt. Auf diese Weise werden die sprachliche Genauigkeit, die Argumentationsfähigkeit und die moralische Urteilskompetenz gefördert.
Zur Sicherung können die Lernenden ein kurzes Prüfschema erstellen und auf einen selbst gewählten Fall anwenden. Eine weitere Möglichkeit ist ein Vergleich mit anderen ethischen Ansätzen. So kann gefragt werden, ob die Folgenethik, die christliche Liebesethik oder die Goldene Regel beim Beispiel des falschen Versprechens zum gleichen Ergebnis gelangen und ob sie dieses Ergebnis anders begründen. Im Religionsunterricht bietet sich besonders der Vergleich mit dem Gebot der Wahrhaftigkeit, dem Schutz des Mitmenschen und dem Gedanken der Nächstenliebe an. Dabei sollten Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden. Kant begründet moralisches Handeln durch Vernunft und allgemeine Gültigkeit, während religiöse Ethiken zusätzlich die Beziehung zu Gott, die Würde des Menschen und die Verantwortung für den Mitmenschen berücksichtigen können.
Mögliche Fragestellungen zum Video mit Antworten sind: Wie lautet der kategorische Imperativ? Er fordert dazu auf, nur nach einer Maxime zu handeln, von der man zugleich wollen kann, dass sie ein allgemeines Gesetz wird. Was ist eine Maxime? Eine Maxime ist eine persönliche Handlungsregel, die ausdrückt, nach welchem Grundsatz eine Person in einer bestimmten Situation handeln will. Welche Schritte gehören zur moralischen Prüfung? Zuerst wird die beabsichtigte Handlung beschrieben, danach eine Maxime formuliert, anschließend ihre allgemeine Gültigkeit geprüft und schließlich ein moralisches Urteil gefällt. Warum ist das falsche Rückzahlungsversprechen problematisch? Wenn alle Menschen solche Versprechen brechen würden, verlören Versprechen ihren Sinn und niemand würde ihnen noch vertrauen. Welcher begriffliche Widerspruch entsteht? Die Person möchte ein Versprechen benutzen, obwohl die allgemeine Befolgung ihrer Maxime den Begriff des Versprechens aufheben würde. Welcher praktische Widerspruch entsteht? Wenn niemand Rückzahlungsversprechen vertraut, würde niemand mehr Geld verleihen und die beabsichtigte Handlung könnte nicht mehr gelingen. Warum ist die Handlung nach Kant unmoralisch? Die handelnde Person erlaubt sich eine Ausnahme, die sie anderen Menschen in der gleichen Situation nicht vernünftigerweise zugestehen kann. Fragt Kant vor allem nach den Folgen einer Handlung? Nein, entscheidend sind die Maxime und ihre mögliche Geltung als allgemeines Gesetz. Kann man nach Kant moralisch handeln, obwohl eine Handlung persönliche Nachteile bringt? Ja, denn moralisches Handeln orientiert sich an Pflicht und Vernunft und nicht allein am eigenen Vorteil. Welche Bedeutung besitzt Vertrauen für das Beispiel? Vertrauen ist die Voraussetzung dafür, dass Versprechen verstanden, ernst genommen und als Grundlage gemeinsamer Handlungen verwendet werden können. Ist jede Form des Versprechens ausnahmslos verpflichtend? Das Video beantwortet diese weiterführende Frage nicht. Sie kann jedoch genutzt werden, um Grenzfälle zu diskutieren, etwa ein Versprechen, dessen Erfüllung einem anderen Menschen erheblichen Schaden zufügen würde.
Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht und Ethikunterricht in der Sekundarstufe I und II im Themenbereich Werte, Verantwortung, Gewissen und moralisches Handeln. Durch die klare Struktur des Videos können Lernende die einzelnen Schritte des kategorischen Imperativs nachvollziehen und auf eigene Alltagssituationen übertragen. Methodisch bietet sich ein problemorientierter Einstieg an, bei dem Lernende zunächst eigene Erfahrungen mit Versprechen, Ehrlichkeit oder unfairen Handlungen austauschen. Anschließend kann das Video abschnittsweise angesehen und gemeinsam analysiert werden. Besonders sinnvoll ist es, die drei Prüfschritte des kategorischen Imperativs an der Tafel oder auf einem Arbeitsblatt zu sichern. In Partnerarbeit oder Gruppenarbeit können Lernende anschließend eigene moralische Konfliktsituationen entwickeln und passende Maximen formulieren. Diese werden dann mithilfe des kategorischen Imperativs überprüft. Dadurch werden ethische Urteilskompetenz, Perspektivübernahme und argumentatives Denken gefördert. Das Medium eröffnet zudem die Möglichkeit, Verbindungen zu religiösen Fragestellungen herzustellen, etwa zur Goldenen Regel oder zu Fragen nach Verantwortung gegenüber anderen Menschen. Ebenso kann diskutiert werden, ob moralisches Handeln immer vernünftig begründet werden kann oder ob Gefühle und persönliche Beziehungen eine ebenso wichtige Rolle spielen. Das Medium unterstützt Lernende dabei, eigenes Verhalten kritisch zu reflektieren und Verantwortung für das Zusammenleben in Gemeinschaften zu entwickeln.