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Magazin ZeitspRUng

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„Das macht das Leben einfach bunt!“

Eine Reflexion über eine Unterrichtseinheit (nicht nur zu) Josef

Veröffentlichung:9.3.2026

Die Autorin beschreibt eine abgeschlossene Unterrichtseinheit zur Josefgeschichte (Gen 37; Gen 41) aus der Perspektive queerer Religionspädagogik. Ausgehend von Kerstin Söderbloms Aufsatz „Que(e)r gelesen: Josef und seine Brüder" und Klaus-Peter Lübkes These von Josefs Transidentität wird Josef als Person gedeutet, die tradierte Geschlechterkategorien aufbricht. Fünf Unterrichtsschritte werden reflektiert: (1) Einstieg mit der Pinguin-Taube-Geschichte aus „An der Arche um Acht" (Hub/Mühle), (2) Josefs „kethoneth passim" als Prinzessinnenkleid via Bibliolog, (3) Josefs Verkauf als Erfahrung von Ausgrenzung und Gewalt, (4) Josefs Weg in Gottes Hand sowie (5) eine Reflexion vielfältiger Gottesbilder per Kreuzworträtsel. Sechs Arbeitsblätter (Autogrammjagd, Denkblasen, Gottesbilder-Rätsel) liegen bei.

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Klassenstufe: 3–4 (Primarstufe, Grundschule), erschlossen aus dem Rahmenlehrplan-Bezug (Kompetenzbereiche des Ev. RU Berlin-Brandenburg, Teil B), der Altersangemessenheit der Methoden (Bibliolog, Figuren basteln, Lied als Einstiegsritual) sowie der Formulierung, die Lerngruppe sei eine Religionsgruppe der Grundschule, in der manche Kinder „noch nicht schreiben können".Curriculare Einbettung: Inhaltlich: Bibelarbeit zu Josef (Gen 37; 41), Gottesbilder, Identität und Selbstwerden (Rahmenlehrplan Teil B: „Wer bin ich? – Das Ich im Werden"). Kompetenzorientierung: Perspektivenvielfalt einer biblischen Erzählung entfalten; unterschiedliche Gotteserfahrungen darstellen; eigene Begründungszusammenhänge zu Identität und Identitätsdiskurs formulieren. Methodisch anschlussfähig an Theologisieren mit Kindern.Methodische Stärken: Der Bibliolog (Einfühlung in Josefs Rolle und die Rolle Jakobs) ist ein didaktisch anspruchsvolles, aber für die Altersgruppe überraschend gut funktionierendes Instrument – die Autorin dokumentiert dies mit konkreten Kinderstimmen, die die Erwartungen übertreffen. Das Lied „Das macht das Leben einfach bunt!" (Öko-Topia) fungiert als kohärenzstiftendes Einstiegsritual. Die Rahmenerzählung aus „An der Arche um Acht" bietet als Türöffner eine Distanz, die Kinder ermutigt, frei zu assoziieren.Besonderheiten: Das Herzstück des Entwurfs ist die queere Relektüre von Gen 37,3: Das hebräische Wort „kethoneth passim" bezeichnet nach Lübke nicht ein „buntes Kleid" (wie in älteren Übersetzungen), sondern das Gewand einer Königstochter. Dies eröffnet einen exegetisch fundierten, kindgerechten Zugang zu Transidentität und Nicht-Normkonformität in der Bibel, ohne Begriffe wie „queer" oder „trans" explizit einzuführen. Das Kreuzworträtsel zu Gottesbildern (AB 6) mit der „Bibel in gerechter Sprache" weitet den Gottesbildhorizont hin zu feminin-konnotierter Gottessprache (Mutter, Retterin, Quelle, Versteck).Differenzierung: Für schreibende Kinder: Denkblasen, Autogrammjagd, Kreuzworträtsel. Für jüngere/schreibunerfahrene Kinder: Sprechen für die Figuren, Nachstellen mit gebastelten Pinguinen. Lehrende ohne Bibliolog-Ausbildung können Rollenspiel einsetzen.Mögliche Unterrichtsszenarien: Sequenz über ca. 5 Stunden; sinnvoll in eine Einheit zu „Wer bin ich?" oder zu Josefgeschichte eingebettet. Einzelne Stunden (bes. Stunde 2 zum Bibliolog oder Stunde 5 zu Gottesbildern) auch als in sich geschlossene Impulse nutzbar.Grenzen: Die queere Perspektive ist der Einheit klar eingeschrieben; dies erfordert eine bewusste Haltung der Lehrperson. In konfessionell gemischten oder kirchenfernen Schulkontexten kann die explizit queere Lesart des AT erklärungsbedürftig sein. Der Entwurf enthält keinen expliziten Elternbrief o. ä., der den Kontext kommuniziert.

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