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Missio Magazin

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Papua Neuguinea - Die Heimat ist eine Illusion

Veröffentlichung:5.1.2024

Das missio magazin 6 2024 stellt erneut Papua Neuguinea in den Mittelpunkt und beleuchtet insbesondere Themen wie gesellschaftliche Umbrüche, Migration und den Umgang mit Gewalt sowie die Rolle der Kirche als unterstützende und stabilisierende Kraft. Reportagen berichten von Schutzräumen für Frauen, die Gewalt erfahren haben, und von Geflüchteten aus West Papua, die seit Generationen im Exil leben und mit unsicheren Zukunftsperspektiven konfrontiert sind. Darüber hinaus werden globale Zusammenhänge wie Kolonialgeschichte, Klimawandel und internationale Verantwortung thematisiert und in Verbindung mit dem christlichen Auftrag zur Solidarität und zur Wahrung der Menschenwürde gebracht.

Das missio magazin, Ausgabe 6 aus dem Jahr 2024, richtet den Blick vor allem auf Papua Neuguinea und die Herausforderungen, denen Frauen, Geflüchtete und gesellschaftlich benachteiligte Menschen begegnen. Die Reportage „Nächster Schritt: Neustart“ beschreibt die Arbeit des kirchlichen Schutzhauses Centre of Hope in Alexishafen. Dort finden Frauen und Kinder Schutz vor häuslicher Gewalt, Missbrauch und Bedrohungen, die teilweise mit dem Glauben an Hexerei verbunden sind. Ordensfrau Thecla Gamog und ihr Team bieten nicht nur eine sichere Unterkunft, sondern ermöglichen Beratung, Bildung, wirtschaftliche Selbstständigkeit, Vermittlung und einen persönlichen Neuanfang. Dabei werden auch Männer in die Präventionsarbeit einbezogen. Eine zweite große Reportage schildert die Lebenssituation von Geflüchteten aus Westpapua, die teilweise bereits in der vierten Generation in informellen Lagern in Port Moresby leben. Viele besitzen keine gesicherte Staatsangehörigkeit, keine ausreichende Schulbildung und kein eigenes Land. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit der deutschen Kolonialgeschichte im Pazifik, der Verantwortung Deutschlands gegenüber Ozeanien, Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs, der Bewahrung der Schöpfung, Heilwissen aus der Natur, der Arbeit der Kirche in internationalen Krisenregionen und dem Monat der Weltmission.

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Das Magazin eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe. Es kann in Unterrichtsreihen zu Menschenwürde, Frauenrechten, Gewalt, Flucht, Heimat, Menschenrechten, globaler Gerechtigkeit, Kolonialgeschichte, Kirche in der Welt und christlicher Verantwortung eingesetzt werden. Wegen der sensiblen Themen sollte die Auswahl der Texte an Alter, Vorwissen und persönliche Erfahrungen der Lernenden angepasst werden. Berichte über häusliche Gewalt, Morddrohungen, Missbrauch und Flucht können Lernende emotional belasten oder an eigene Erfahrungen erinnern. Deshalb sollte die Lehrkraft vor der Arbeit mit den Texten eine geschützte Gesprächsatmosphäre schaffen, freiwillige Beteiligung ermöglichen und deutlich machen, an welche schulischen oder außerschulischen Beratungsstellen sich Betroffene wenden können.

Als Einstieg in die Reportage über das Centre of Hope eignet sich eine Fotografie von Thecla Gamog und den dort lebenden Frauen. Die Lernenden beschreiben zunächst Personen, Körperhaltung, Umgebung und Stimmung. Dabei unterscheiden sie zwischen genauer Wahrnehmung, Vermutung und Bewertung. Anschließend sammeln sie Vorstellungen davon, was einen sicheren Ort auszeichnet. Begriffe wie Schutz, Vertrauen, Würde, Ruhe, Gemeinschaft und Zukunft können geordnet und später mit der Arbeit des Schutzhauses verglichen werden. Die Überschrift „Nächster Schritt: Neustart“ regt zu der Frage an, was Menschen benötigen, um nach einer Gewalterfahrung ein neues Leben beginnen zu können.

Für die Texterschließung können ausgewählte Lebensgeschichten arbeitsteilig gelesen werden. Eine Gruppe beschäftigt sich mit Vero James und ihrer Tochter Marta, eine weitere mit Maggy und Franky Duadak, eine dritte mit Thecla Gamog und eine vierte mit den Frauen und Männern, die in den Dörfern Präventionsarbeit leisten. Die Lernenden halten fest, welche Form von Gewalt oder Benachteiligung beschrieben wird, welche Ursachen erkennbar sind, welche Hilfe angeboten wird und welche Veränderungen möglich werden. In der anschließenden Sicherung sollte deutlich werden, dass Schutz vor Gewalt an erster Stelle steht und eine Versöhnung niemals erzwungen werden darf. Das Beispiel einer gelungenen Veränderung darf nicht zu der Vorstellung führen, jede gewalttätige Beziehung könne durch Vermittlung gerettet werden.

Die Arbeit des Schutzhauses ermöglicht eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen von Hilfe. Die Lernenden unterscheiden unmittelbaren Schutz, medizinische Versorgung, rechtliche Beratung, Bildung, wirtschaftliche Unterstützung, Prävention und gesellschaftliche Veränderung. Sie können diese Angebote danach beurteilen, ob sie kurzfristig Sicherheit schaffen oder langfristig Selbstständigkeit und Teilhabe ermöglichen. Ein Schaubild kann verdeutlichen, dass Gewalt nicht allein als persönlicher Konflikt betrachtet werden darf. Armut, fehlende Bildung, gesellschaftliche Rollenbilder, wirtschaftlicher Wandel, unzureichender staatlicher Schutz und kulturelle Vorstellungen wirken zusammen.

Religionspädagogisch bietet sich eine Verbindung zum christlichen Verständnis der Menschenwürde an. Die Lernenden untersuchen, was es bedeutet, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes angesehen wird. Sie übertragen diesen Gedanken auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit, Freiheit, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Geeignete biblische Bezüge finden sich in Begegnungsgeschichten Jesu, in denen ausgegrenzte oder bedrohte Menschen in den Mittelpunkt gestellt werden. Auch die Erzählung von der gekrümmten Frau oder Jesu Begegnung mit der Frau am Jakobsbrunnen können unter der Frage gelesen werden, wie Menschen gesehen, angesprochen und in ihrer Würde gestärkt werden.

Bei der Behandlung von Beschuldigungen im Zusammenhang mit Hexerei ist eine differenzierte Vorgehensweise notwendig. Die Lernenden sollten erfahren, dass kulturelle und religiöse Vorstellungen ernst genommen werden müssen, Gewalt und Verfolgung jedoch nicht gerechtfertigt werden können. Pauschale Urteile über Papua Neuguinea oder seine Bevölkerung sind zu vermeiden. Die Lernenden können untersuchen, unter welchen sozialen Bedingungen Menschen zu Schuldigen erklärt werden und welche vergleichbaren Mechanismen es in anderen Gesellschaften gibt. Dadurch wird das Thema mit Ausgrenzung, Vorurteilen, Verschwörungserzählungen und der Suche nach Sündenböcken verbunden.

Die Reportage über Geflüchtete aus Westpapua eröffnet einen Zugang zu den Themen Heimat, Staatenlosigkeit und Leben im Exil. Als Einstieg können die Lernenden zunächst notieren, was sie persönlich mit Heimat verbinden. Danach untersuchen sie die Überschrift „Die Heimat ist eine Illusion“ und überlegen, wie es sich auf die Identität eines Menschen auswirken kann, wenn er das Land seiner Vorfahren nie gesehen hat und zugleich am gegenwärtigen Wohnort nicht vollständig anerkannt wird. Die Lebensgeschichten von Hermanus Bonggoibo, Samuel Inggamer, Ursula Magai oder Matthew Akari machen die langfristigen Folgen von Vertreibung sichtbar.

Die Lernenden können in Gruppen zentrale Problembereiche der Lager untersuchen. Dazu gehören unsicheres Wohnen, fehlende Staatsangehörigkeit, Armut, mangelnder Zugang zu Bildung, Diskriminierung, Gesundheitsversorgung und fehlende politische Rechte. Jede Gruppe formuliert zunächst eine zentrale Forderung aus der Perspektive der Betroffenen. Anschließend werden diese Forderungen den entsprechenden Menschenrechten zugeordnet. Auf diese Weise erkennen die Lernenden, dass Wohnen, Bildung, Gesundheit, Schutz und politische Teilhabe keine freiwilligen Wohltaten, sondern grundlegende Rechte darstellen.

Ein Perspektivwechsel kann durch einen inneren Monolog, einen Tagebucheintrag oder einen fiktiven Brief erfolgen. Diese Methode sollte jedoch sorgfältig angeleitet werden, da die Lernenden fremde Erfahrungen nicht vollständig nachempfinden können. Die Texte müssen sich auf Informationen aus der Reportage stützen und dürfen keine erfundenen dramatischen Details ergänzen. Eine alternative Aufgabe besteht darin, Fragen zu formulieren, die den porträtierten Personen in einem respektvollen Interview gestellt werden könnten. Dadurch üben die Lernenden, Interesse zu zeigen, ohne die Betroffenen auf ihre Notlage zu reduzieren.

Die koloniale Geschichte Westpapuas und Papua Neuguineas sollte als wichtiger Hintergrund einbezogen werden. Die Lernenden können eine Zeitleiste erstellen, die Kolonialherrschaft, Besatzung, Widerstand, Fluchtbewegungen und die heutige Situation miteinander verbindet. Dabei sollte auch Deutschlands koloniale Vergangenheit im Pazifik thematisiert werden. Das Interview über die Verantwortung Deutschlands bietet Anlass, über Rückgabe von Kulturgütern, historische Aufarbeitung, Landrechte und internationale Zusammenarbeit zu diskutieren. Eine leitende Frage kann lauten, welche Verantwortung heutige Generationen für die Folgen früheren Unrechts tragen.

Der Beitrag über die getöteten Missionare während des Zweiten Weltkriegs kann in eine Unterrichtseinheit über Kirche in Krieg und Diktatur einbezogen werden. Die Lernenden untersuchen, wie Menschen in gewaltsamen Konflikten zwischen politischen und militärischen Mächten geraten. Dabei sollte nicht nur das Leiden europäischer Missionare betrachtet werden. Ebenso wichtig sind die Erfahrungen der einheimischen Bevölkerung, deren Stimmen in historischen Berichten häufig weniger sichtbar sind. Ein Vergleich unterschiedlicher Quellen kann zeigen, wie Erinnerung entsteht und wessen Lebensgeschichten in Denkmälern, Archiven und öffentlichen Erzählungen bewahrt werden.

Zur Förderung der Medienkompetenz analysieren die Lernenden das Magazin als Veröffentlichung eines katholischen Hilfswerkes. Sie untersuchen die Auswahl der Themen, die Wirkung der Bilder, die Gestaltung der Überschriften und die Verbindung von Information, Glaubenszeugnis und Spendenwerbung. Dabei fragen sie, welche Personen selbst zu Wort kommen, welche Perspektiven fehlen und wie die dargestellten Menschen beschrieben werden. Ein Vergleich mit Berichten von Menschenrechtsorganisationen, lokalen Medien oder internationalen Organisationen hilft, Aussagen zu überprüfen und unterschiedliche Interessen zu erkennen.

Als handlungsorientierter Abschluss können die Lernenden eine Ausstellung, einen Podcast, eine Informationswand, eine Andacht oder eine digitale Präsentation gestalten. Möglich ist auch die Entwicklung einer Kampagne gegen Gewalt und Diskriminierung im schulischen Umfeld. Dabei sollten konkrete Handlungsmöglichkeiten benannt werden, etwa aufmerksam zuhören, Grenzen respektieren, Betroffene ernst nehmen, Hilfe vermitteln und menschenfeindlichen Aussagen widersprechen. Eine Spendenaktion kann das Thema ergänzen, sollte jedoch nicht die einzige Handlungsperspektive bleiben. Ziel ist eine reflektierte Solidarität, die Menschen nicht als passive Empfangende von Hilfe betrachtet, sondern ihre Rechte, Fähigkeiten und eigenen Lösungswege anerkennt.


Für den Religionsunterricht bietet das Medium vielfältige didaktische Zugänge, da es zentrale Themen wie Gerechtigkeit, Menschenwürde, Hoffnung und Verantwortung konkret und lebensnah veranschaulicht. Lernende können anhand der dargestellten Lebensgeschichten einen Perspektivwechsel einüben und sich mit fremden Lebensrealitäten auseinandersetzen. Methodisch eignet sich besonders eine Kombination aus Textarbeit und Bilderschließung, da die eindrucksvollen Fotografien emotionale Zugänge ermöglichen und Gespräche initiieren. Eine arbeitsteilige Gruppenarbeit kann verschiedene Themenbereiche wie Migration, Gewalt gegen Frauen oder Klimawandel erschließen und anschließend in einer gemeinsamen Diskussion zusammenführen. Auch ein Vergleich mit der eigenen Lebenswelt fördert die Reflexion über Privilegien und globale Verantwortung. Darüber hinaus kann das Medium für ethische Urteilsbildung genutzt werden, indem Lernende Positionen zu Fragen von Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung entwickeln. Kreative Methoden wie das Schreiben von Tagebucheinträgen aus der Perspektive betroffener Personen oder Rollenspiele unterstützen die Vertiefung. Ebenso kann projektorientiertes Lernen angeregt werden, etwa durch die Planung eigener sozialer Aktionen oder die Auseinandersetzung mit kirchlichem Engagement weltweit.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.2 Darf man alles, was man kann? Fortschritt und menschliche Zukunft.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.2 Nach Gerechtigkeit streben: Gleiche Lebensbedingungen für alle.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Weltweite Gerechtigkeit (Entwicklungsländer, Verschuldung)

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