Klassenstufe: 5–7 (Lebensfrage 7: Fragen nach der Wirklichkeit), am besten geeignet für Klasse 6–7, da die Methoden und Begriffe eine gewisse Reflexionsfähigkeit voraussetzen.
Thematische Einordnung:
Die Einheit greift eine der grundlegendsten anthropologischen Fragen auf – was den Menschen als Menschen ausmacht – und verdichtet sie in der provokanten Frage: Hatte Frankensteins Monster eine Seele? Damit verbindet sie Lebensweltbezug (Filme, Popkultur, KI-Diskussion) mit theologisch-philosophischer Begriffsarbeit. Der Seelenbegriff wird bewusst nicht dogmatisch eingeführt, sondern als deutungsoffener, mehrdeutiger Begriff erkundet.
Aufbau der Unterrichtseinheit (4 Teile):
Teil 1 führt über das Bilderbuch und die Figur Mary Shelleys in die Begriffe „Natur" und „Leben" ein. Die Placemat-Methode fördert kooperatives Denken und strukturiertes Argumentieren. Gut geeignet als Einstieg, weil die Schüler*innen zunächst niedrigschwellig ihre Alltagsvorstellungen einbringen können.
Teil 2 nutzt die Mystery-Methode, um die Beschaffenheit der Frankenstein-Kreatur zu erkunden und dann die Seelenfrage anzubahnen. Die offenen Stichwortkarten (M3, M4) ermöglichen unterschiedliche Lösungswege und regen zur Diskussion an, ohne eine Antwort vorwegzunehmen. Besonders wertvoll: Die Seelenbeschreibungen auf M4 spiegeln jüdische, christliche, muslimische, buddhistische und materialistische Vorstellungen – interreligiöses Lernen wird so beiläufig, aber substanziell eingeführt.
Teil 3 arbeitet mit dem Magic Circle und dem Stillen Schreibgespräch. Diese Methoden fördern reflektiertes, ruhiges Nachdenken und geben auch zurückhaltenderen Schüler*innen Raum. Die Frage „Was wollte die Kreatur von ihr?" öffnet den Blick für Themen wie Einsamkeit, Zugehörigkeit und Würde – und verbindet die literarische mit der theologischen Dimension.
Teil 4 mündet in eine kreative Schreibaufgabe (Brief der Kreatur an Victor Frankenstein), die Perspektivübernahme, Empathie und theologische Reflexion verbindet. Hier lässt sich gut an Aussagen über die Seele als Träger von Würde und Beziehungsfähigkeit anknüpfen.
Methodische Stärken:
Die Einheit ist methodisch sehr abwechslungsreich und schülerzentriert. Alle vier Methoden (Placemat, Mystery, Magic Circle, Stilles Schreibgespräch) sind gut erprobt und aufeinander aufgebaut. Lehrkräfte erhalten präzise Anleitungen zur Durchführung. Die offene Ergebnisstruktur verhindert vorschnelle Antworten und fördert echte Auseinandersetzung.
Hinweise zur Vorbereitung:
Das Bilderbuch „Sie schuf ein Monster" (Hacht-Verlag, 2022) muss angeschafft werden.
Die Stichwortkarten M3 und M4 müssen ausgedruckt und ausgeschnitten bereitliegen.
Für Teil 3 werden DIN-A3-Bögen benötigt.
Für vertieftes Hintergrundwissen empfiehlt sich der Terra-X-Film „Mythos Frankenstein" (ZDF, 45 Min.).
Differenzierung:
Der Begriff „Leben" (M2) kann für ältere Schüler*innen in Teil 1 ergänzend einbezogen werden. Die Anzahl der Stichwortkarten bei M4 kann je nach Klassenstufe reduziert werden.
Aktueller Bezug:
Der Artikel verweist explizit auf die KI-Debatte als gesellschaftliche Zuspitzung der Seelenfrage – ein Anknüpfungspunkt, der gerade in höheren Klassen gewinnbringend aufgegriffen werden kann.