Didaktisch eignet sich das Medium im katholischen Religionsunterricht besonders für Lernwege, die Mystik als christliche Tiefendimension erschließen und zugleich kritisch einordnen: Gottesbild, Anthropologie (Würde, Innerlichkeit, Freiheit), Gebetspraxis, spirituelle Kompetenz, Kirche als Gemeinschaft und Vermittlung – sowie die Frage, wie persönliche Gotteserfahrung und kirchliche Tradition zusammengehören. Methodisch bietet sich ein Unterrichtsgang in drei Schritten an: Zunächst eine rezeptive Phase mit Hör-/Leseauftrag und Markierregeln („Was ist die Kernthese? Welche drei Schritte werden genannt? Welche Begriffe irritieren oder faszinieren?“). Danach eine strukturierende Phase, in der die Klasse Eckharts Weg als „inneren Prozess“ visualisiert: Stille – Gelassenheit – Loslassen von Bildern – „heiliger Alltag“. Dazu passen Standbilder („Lärm“ vs. „Stille“), ein Schaubild (Innen/Außen), oder ein Lerntagebuch mit kurzen Schreibimpulsen („Wo suche ich Sinn im Außen? Was wäre ein ‘Funke’ in mir?“). In der Vertiefung empfiehlt sich eine behutsam angeleitete Praxisübung, damit Eckhart nicht nur begrifflich bleibt: 2–4 Minuten stille Sitzübung (ohne Zwang, mit klarer Freiwilligkeit), anschließend Reflexion über Wahrnehmungen (Ablenkung, Unruhe, innere Stimmen) und die Unterscheidung zwischen „Gelassenheit“ und „Gleichgültigkeit“. Für die theologische Klärung ist eine Auswertungsrunde wichtig: Eckharts „Gott im Innern“ ist kein Individualismus gegen Kirche, sondern ein Zugang zur Gnade, der die Würde und die unmittelbare Ansprechbarkeit des Menschen betont; zugleich muss die Grenze zur missverständlichen Aussage „Ich bin Gott“ präzise thematisiert (Sprache der Mystik, Analogie, Einheit ohne Aufhebung der Differenz). Eine sehr passende Methode ist ein „Begriffsgericht“: Gruppen übernehmen Rollen (Eckhart, kirchliche Obrigkeit, Stadtbürger/Handwerker, heutige Jugendliche) und prüfen anhand des Mediums, welche Chancen und Risiken in Aussagen wie „Gott ist in dir“ liegen. So entsteht Urteilsbildung: Welche religiösen Erfahrungen fördern Freiheit, Reife und Verantwortung und wo drohen Selbsttäuschung, Machtmissbrauch oder die Abwertung gemeinschaftlicher Praxis? Zum Abschluss eignet sich ein Transferauftrag in die Lebenswelt: „heiliger Alltag“ als Challenge (eine Alltagsaufgabe bewusst, aufmerksam, ohne Bewertung tun) und ein kurzes Auswertungsgespräch, was sich verändert hat. Dabei bleibt der RU klar christlich verortet: Stille und Achtsamkeit sind nicht Selbstoptimierung, sondern öffnen für Gott, für Mitmenschen und für eine andere Haltung zur Welt.