Didaktisch eignet sich das Medium im katholischen Religionsunterricht besonders, wenn es als Brücke zwischen politischer Ethik, Anthropologie und Verantwortung verstanden wird: Es geht um das Menschenbild (Angst, Selbsterhaltung, Vernunft), um die Begründung von Ordnung, um die Ambivalenz von Macht sowie um die Frage nach legitimer Autorität. Methodisch empfiehlt sich ein dreistufiges Vorgehen: (1) Verstehenssicherung: Lernende markieren im Text Schlüsselbegriffe („Naturzustand“, „Krieg aller gegen alle“, „Gesellschaftsvertrag“, „Souverän“, „Leviathan“) und erstellen eine Begriffskarte mit Ursache–Folge-Pfeilen (Freiheit → Unsicherheit → Angst → Vertrag → Staat → Sicherheit). (2) Urteilsbildung: In einem strukturierten Streitgespräch („Fishbowl“ oder Pro-/Contra-Debatte) wird Hobbes’ Tauschhandel „Freiheit gegen Sicherheit“ geprüft. Dabei können die Rollen klar verteilt werden: Hobbes-Verteidigung (Sicherheit als oberstes Gut) vs. demokratietheoretische Kritik (Gewaltenteilung, Grundrechte, Missbrauchsgefahr). Für die religiöse Perspektive ist entscheidend, Autorität nicht nur funktional (Ordnung um jeden Preis), sondern auch moralisch zu reflektieren: Wann wird Macht zur Tyrannei? Welche Grenzen setzt die unantastbare Würde des Menschen? Hier bietet sich eine Anbindung an Prinzipien christlicher Sozialethik an (Personwürde, Gemeinwohl, Solidarität, Subsidiarität) sowie an biblische Machtkritik (Propheten) und das Motiv „Furcht vs. Vertrauen“. (3) Transfer: Die im Medium genannte Aktualisierung („neue Leviathane“) lässt sich als Fallanalyse bearbeiten: Datenschutz/Überwachung nach Anschlägen, digitale Plattformen, soziale Medien, KI-gestützte Profilbildung. Lernende entwickeln dazu „Mini-Gesellschaftsverträge“: Welche Rechte geben wir ab, welche Sicherheit/Bequemlichkeit erhalten wir, welche Kontrollinstanzen brauchen wir? Als produktorientierter Abschluss eignet sich ein Doppel-Output: ein kurzer Kommentar (ethisches Urteil mit Begründung) und ein visualisiertes Modell (Leitplanken-Metapher: Freiheit als Raum, den Gesetze offenlassen). Differenzierung gelingt über Textkürzungen, Satzstarter für Urteilstexte („Ich halte Hobbes für überzeugend, weil…“ / „Problematisch ist…, denn…“) und über alternative Sozialformen (Einzelreflexion, Partnerinterview, Gruppenposter). Wichtig ist eine sensible Gesprächsleitung: Das Medium arbeitet bewusst mit Angst als Motor politischer Ordnung; im RU sollte Angst nicht verstärkt, sondern als anthropologische Realität analysiert und in Verantwortung, Gewissensbildung und Freiheitsverständnis überführt werden.