Das Video eignet sich für den Religionsunterricht in Unterrichtsreihen zu Menschenwürde, Schöpfungsverantwortung, medizinischer Ethik, Gewissen, Freiheit, Verantwortung und Gerechtigkeit. Es ermöglicht einen lebensnahen Zugang zur Frage, welches Menschenbild den Umgang mit genetischen Eingriffen bestimmen soll. Besonders ergiebig ist die Auseinandersetzung mit der Vorstellung, der Wert eines Menschen könne von Gesundheit, Leistungsfähigkeit oder gewünschten Eigenschaften abhängen. Aus christlicher Perspektive kann dem die Überzeugung gegenübergestellt werden, dass jeder Mensch unabhängig von seinen Fähigkeiten, Eigenschaften und gesundheitlichen Voraussetzungen eine unverlierbare Würde besitzt und als Ebenbild Gottes anzuerkennen ist. Ergänzend können jüdische, muslimische, humanistische oder philosophische Positionen einbezogen werden.
Vor der Betrachtung des Videos sammeln die Lernenden ihre ersten Vorstellungen zum Begriff Designerbaby. Sie können Vermutungen formulieren, welche genetischen Eingriffe sie für medizinisch begründbar und welche sie für problematisch halten. Eine anonyme Abstimmung zu konkreten Beispielen schafft einen motivierenden Einstieg. Denkbar sind die Vermeidung einer schweren Erbkrankheit, die Auswahl der Augenfarbe, eine Veränderung der Körpergröße oder die Steigerung bestimmter Fähigkeiten. Die Ergebnisse sollten zunächst ohne Bewertung sichtbar gemacht werden, damit die Lernenden ihre Urteile nach der Arbeit mit dem Video überprüfen können.
Während der Betrachtung erhalten die Lernenden einen Beobachtungsauftrag. Sie notieren Ziele genetischer Eingriffe, verwendete Verfahren, mögliche Chancen, Risiken und betroffene Personengruppen. Das Video kann an geeigneten Stellen angehalten werden, damit zentrale Begriffe geklärt werden. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Unterscheidung zwischen Präimplantationsdiagnostik und Geneditierung gelten. Auch die Begriffe Embryo, Keimbahn, Erbkrankheit, genetische Vielfalt und Stigmatisierung müssen dem Lernstand entsprechend erläutert werden. Die Darstellung des Videos sollte nicht unkritisch übernommen, sondern mit weiteren fachlichen Informationen verglichen werden.
Nach der Betrachtung ordnen die Lernenden die genannten Argumente verschiedenen ethischen Gesichtspunkten zu. Dazu gehören Menschenwürde, Selbstbestimmung, Schutz des Lebens, Fürsorge, Gerechtigkeit, Verantwortung und die Vermeidung von Schaden. In Partnerarbeit können sie jeweils ein Argument für und ein Argument gegen genetische Eingriffe ausarbeiten. Anschließend bietet sich eine strukturierte Diskussion an. Dabei übernehmen die Lernenden Rollen, etwa die Rolle betroffener Eltern, eines später geborenen Kindes, einer Ärztin, eines Wissenschaftlers, einer Person mit Behinderung, eines Mitglieds eines Ethikrates oder einer religiösen Vertreterin. Die Rollenarbeit macht deutlich, dass Interessen, Ängste und Wertvorstellungen unterschiedlich sein können.
Für eine vertiefende religiöse Auseinandersetzung können biblische Texte zur Gottebenbildlichkeit, zur Annahme des Menschen und zur Verantwortung für das Leben herangezogen werden. Geeignet sind beispielsweise Genesis 1,26 bis 27, Psalm 139 oder Erzählungen über den Umgang Jesu mit kranken und ausgegrenzten Menschen. Die Lernenden prüfen, welche Orientierung diese Texte für moderne medizinethische Fragen geben können. Dabei sollte deutlich werden, dass biblische Texte keine unmittelbaren technischen Antworten liefern, aber Maßstäbe für die Beurteilung menschlichen Handelns anbieten.
Als Ergebnissicherung können die Lernenden ein begründetes ethisches Urteil verfassen. Dafür beschreiben sie zunächst den Konflikt, benennen betroffene Werte, prüfen verschiedene Handlungsmöglichkeiten und formulieren anschließend ein begründetes Urteil. Wichtig ist, zwischen einer persönlichen Meinung und einem nachvollziehbar begründeten Urteil zu unterscheiden. Eine abschließende erneute Abstimmung zeigt, ob und wodurch sich Positionen verändert haben. Sensibilität ist erforderlich, da in der Lerngruppe Menschen mit Erkrankungen, Behinderungen oder familiären Erfahrungen mit Kinderwunschbehandlungen anwesend sein können. Formulierungen, die Menschen nach erwünschten und unerwünschten Eigenschaften bewerten, müssen kritisch reflektiert werden.
Mögliche Fragestellungen zum Video mit Antworten:
Was versteht man unter einem Designerbaby?
Gemeint ist ein Kind, dessen genetische Voraussetzungen vor der Geburt ausgewählt oder gezielt verändert werden, damit bestimmte Eigenschaften vorhanden sind oder bestimmte Erkrankungen vermieden werden.
Sind Präimplantationsdiagnostik und Geneditierung dasselbe?
Nein. Bei der Präimplantationsdiagnostik werden im Labor erzeugte Embryonen untersucht und anhand bestimmter genetischer Merkmale ausgewählt. Bei der Geneditierung wird das Erbgut selbst gezielt verändert.
Welche medizinischen Chancen werden mit genetischen Verfahren verbunden?
Sie könnten dazu beitragen, bestimmte schwere Erbkrankheiten zu erkennen oder künftig zu verhindern. Dadurch könnten Leid und gesundheitliche Belastungen vermindert werden.
Welche medizinischen Risiken nennt das Video?
Genetische Eingriffe können unbeabsichtigte Veränderungen und Schäden verursachen. Besonders problematisch ist, dass mögliche Langzeitfolgen noch nicht ausreichend bekannt sind und Veränderungen der Keimbahn an spätere Generationen weitergegeben werden könnten.
Warum sind genetische Eingriffe eine Frage der Menschenwürde?
Sie berühren die Frage, ob Menschen aufgrund ihrer genetischen Eigenschaften bewertet und ausgewählt werden dürfen. Die Menschenwürde verlangt, jeden Menschen unabhängig von Gesundheit, Aussehen oder Leistungsfähigkeit als gleichwertig anzuerkennen.
Dürfen Eltern die genetischen Eigenschaften ihres Kindes bestimmen?
Eltern besitzen Verantwortung und Entscheidungsfreiheit, doch diese Freiheit ist nicht unbegrenzt. Sie muss gegen das Wohl und die Selbstbestimmung des Kindes, medizinische Risiken, gesellschaftliche Folgen sowie rechtliche und ethische Grenzen abgewogen werden.
Welche gesellschaftlichen Folgen könnten Designerbabys haben?
Es könnten neue Formen sozialer Ungleichheit entstehen, wenn nur wohlhabende Familien Zugang zu genetischen Verfahren hätten. Zudem könnten Menschen mit Krankheiten, Behinderungen oder nicht erwünschten Merkmalen stärker diskriminiert werden.
Wie könnte sich eine genetische Optimierung auf ein Kind auswirken?
Das Kind könnte sich unter Druck gesetzt fühlen, den Erwartungen seiner Eltern entsprechen zu müssen. Es könnte außerdem fragen, ob es um seiner selbst willen angenommen oder aufgrund bestimmter ausgewählter Eigenschaften gewollt wurde.
Was bedeutet Gottebenbildlichkeit für die ethische Beurteilung?
Die Vorstellung der Gottebenbildlichkeit besagt, dass jeder Mensch eine besondere und unverlierbare Würde besitzt. Der Wert eines Menschen hängt deshalb nicht von genetischer Gesundheit, Schönheit, Intelligenz oder Leistungsfähigkeit ab.
Ist alles erlaubt, was wissenschaftlich möglich ist?
Nein. Wissenschaftliche Machbarkeit allein begründet noch keine moralische Erlaubnis. Mögliche Handlungen müssen hinsichtlich Menschenwürde, Gerechtigkeit, Verantwortung, Risiken und Folgen geprüft werden.
Wer trägt Verantwortung für genetische Eingriffe?
Verantwortung tragen nicht nur Eltern und medizinisches Personal, sondern auch Wissenschaft, Politik, Ethikgremien und die gesamte Gesellschaft. Entscheidungen müssen transparent, fachlich begründet und öffentlich diskutiert werden.
Welche zentrale Botschaft vermittelt das Video?
Genetische Verfahren können medizinische Chancen bieten, werfen aber tiefgreifende Fragen nach Menschenwürde, Gerechtigkeit, Freiheit und Verantwortung auf. Deshalb müssen ihre Möglichkeiten und Grenzen sorgfältig geprüft werden.
Didaktisch eignet sich das Medium besonders gut für den Einstieg in eine Unterrichtseinheit zur Bioethik, zur Verantwortung des Menschen in der Schöpfung oder zu ethischen Herausforderungen moderner Medizin. Methodisch kann es als Impuls dienen, um erste Reaktionen, Fragen und auch Irritationen der Schülerinnen und Schüler aufzunehmen. Daran anschließend bietet sich eine strukturierte Auseinandersetzung mit Pro- und Contra-Argumenten an, etwa durch Gruppenarbeit oder eine geleitete Diskussion. Im katholischen Religionsunterricht ist die Verknüpfung mit dem christlichen Menschenbild zentral: Die Lernenden können reflektieren, was die Würde des Menschen ausmacht und wo ethische Grenzen medizinischen Handelns liegen. Fallbeispiele und Zukunftsszenarien fördern die Fähigkeit, Folgen abzuschätzen und Verantwortung mitzudenken. Ziel ist es, ethische Urteilskompetenz zu stärken und sensibel für die Spannung zwischen technischem Fortschritt, Freiheit und Verantwortung zu werden.