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Westdeutscher Rundfunk (WDR)

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Bestatter sein - sorgen für den großen Abschied

Veröffentlichung:17.12.2025

„Bestatter sein – sorgen für den großen Abschied“ (WDR Lebenszeichen) begleitet ein alternatives Bestattungsinstitut („Horizonte“) und zeigt den Bestatterberuf als Beziehungs- und Begleitberuf: Angehörige dürfen mit waschen, ankleiden, Abschiedsrituale gestalten und so Trauer aktiv (nicht nur „still“) leben. Im Zentrum stehen Fragen nach Würde, Abschiedskultur, Spiritualität, Professionalität ohne Distanzpanzer und dem Umgang mit der eigenen Endlichkeit.

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Der Beitrag „Bestatter sein – sorgen für den großen Abschied“ (WDR Lebenszeichen) zeichnet den Bestatterberuf nicht als distanzierte Dienstleistung, sondern als Beziehungs- und Begleitpraxis. Im Mittelpunkt steht ein alternatives Bestattungsinstitut („Horizonte“), das seine Arbeit als „Liebesdienst“ versteht: Verstorbene werden mit großer Sorgfalt versorgt, Angehörige werden nicht an den Rand gedrängt, sondern – wenn sie es möchten – aktiv beteiligt, etwa durch Mitwaschen, Mitanpacken beim Einbetten oder durch persönliche Gegenstände und individuelle Rituale. Trauer erscheint dabei ausdrücklich nicht als starrer Zustand, sondern als Prozess in Wellen, der Nähe, Stille, Gespräch, aber auch Leichtigkeit und Humor kennen kann. Die professionelle Haltung wird als „Präsenz mit offenem Herzen“ beschrieben – gerade nicht als emotionale „Rüstung“, sondern als bewusstes Aushalten und Begleiten intensiver Situationen. Gleichzeitig blendet das Stück die Realität des Berufs nicht aus: Organisation, Zeitdruck, Formalitäten und logistische Abläufe stehen neben Momenten tiefer Berührung.


Didaktisch ist das Material besonders geeignet, um im Religionsunterricht, in Ethik oder in Gesellschaftslehre existenzielle Fragen lebensweltlich zu bearbeiten, ohne die Lernenden auf eine bestimmte Deutung festzulegen. An vielen Stellen bietet der Beitrag „Ankerpunkte“ für Symbol- und Ritualarbeit: Räume und Übergänge (Tor, unebener Weg, Abschiedsräume), Kerzen und kleine Handlungen markieren Schwellen zwischen Leben und Tod, zwischen Abschied und Erinnerung. Daraus lassen sich Kompetenzen in Wahrnehmung und Deutung entwickeln: Welche Bilder vom Tod und vom Bestatterberuf tragen wir im Kopf, und wie werden sie hier bestätigt oder irritiert? Ebenso kann Urteilsbildung angeregt werden: Was macht eine Bestattung würdevoll? Welche Rolle spielen Selbstbestimmung, Zumutbarkeit, Schutz und Begleitung? Ein sinnvoller methodischer Zugang ist, die Lernenden nicht nur „nacherzählen“ zu lassen, sondern strukturierend arbeiten zu lassen (z. B. „Was geschieht konkret?“ versus „Welches Prinzip steckt dahinter?“: Würde, Autonomie, Gemeinschaft, Achtsamkeit, Hoffnung). Dilemma-orientierte Verfahren passen sehr gut, etwa wenn Angehörige beteiligt werden wollen, aber überfordert wirken: Hier lässt sich abwägen zwischen Fürsorge und Selbstbestimmung, zwischen Schutz und Teilhabe.


Für eine vertiefende Perspektive eignet sich der Beitrag außerdem als Ausgangspunkt für interreligiöses und weltanschaulich sensibles Lernen. Bestattungs- und Trauerkulturen sind plural: Fragen nach Umgang mit dem Körper, nach Waschung, Tuch, Gebet, Gemeinschaft, Zeitfenstern und nach dem Verhältnis von Ritual und persönlicher Gestaltung können vergleichend bearbeitet werden, ohne Traditionen zu exotisieren. Wichtig ist dabei, innerreligiöse Vielfalt mitzudenken (Praxis unterscheidet sich je nach Familie, Region, Frömmigkeitsstil) und eine respektvolle, beschreibende Sprache zu üben. Da das Thema Verlusterfahrungen berühren kann, sollte im Unterricht auf Schutz geachtet werden: Freiwilligkeit bei persönlichen Bezügen, klare Ausstiegsoptionen, sensibler Umgang mit biografischen Erfahrungen und ein Hinweis auf Unterstützungssysteme (z. B. Schulsozialarbeit/Seelsorge). So kann der Beitrag helfen, Tod und Trauer nicht zu tabuisierten Randthemen zu machen, sondern als Teil von Lebensdeutung, Menschenwürde und verantwortlicher Gemeinschaft zu erschließen.

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17.12.2025

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