Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe und kann zur Einführung, Erarbeitung, Vertiefung oder Wiederholung der Botschaft Jesu vom Reich Gottes eingesetzt werden. Aufgrund der verständlichen Darstellung und der schrittweisen Einführung theologischer Fachbegriffe ermöglicht es Lernenden, eine zentrale Aussage der Verkündigung Jesu systematisch zu erschließen. Vor dem Anschauen sollte das Vorwissen aktiviert werden. Die Lernenden können spontan notieren, was sie mit den Begriffen Reich, Herrschaft, Gerechtigkeit, Frieden und Hoffnung verbinden. Anschließend kann gemeinsam geklärt werden, dass mit dem Reich Gottes kein geografisches Gebiet und kein politischer Staat gemeint ist. Vielmehr bezeichnet der Ausdruck eine Wirklichkeit, in der Gottes Wille wirksam wird und Beziehungen durch Liebe, Gerechtigkeit, Versöhnung und gegenseitige Anerkennung geprägt sind.
Für die Erarbeitung empfiehlt sich eine Betrachtung in mehreren Abschnitten. Nach dem historischen Teil sichern die Lernenden die Belastungen der jüdischen Bevölkerung und formulieren deren Erwartungen an den Messias. Beim zweiten Anschauen können sie die Aussagen des Videos in zwei Kategorien ordnen: Das Reich Gottes ist bereits angebrochen und das Reich Gottes ist noch nicht vollendet. Auf diese Weise wird der eschatologische Vorbehalt anschaulich erschlossen. Die Lernenden können passende Beispiele zuordnen. Heilungen, Gemeinschaft mit Ausgegrenzten und die Zusage der Liebe Gottes stehen für die bereits erfahrbare Gegenwart. Krieg, Armut, Krankheit, Einsamkeit und Ungerechtigkeit verweisen darauf, dass die Vollendung noch aussteht.
Die theologischen Begriffe präsentische Eschatologie, futurische Eschatologie, Heilsindikativ und Heilsimperativ sollten nicht nur definiert, sondern durch konkrete Aussagen und Handlungen verdeutlicht werden. Die Lernenden können beispielsweise ein Begriffsnetz erstellen, in dessen Mitte das Reich Gottes steht. Von dort führen Verbindungen zu Jesus, Liebe, Gnade, Umkehr, Verantwortung, Hoffnung und Vollendung. Besonders wichtig ist die Reihenfolge von Zuspruch und Anspruch. Gottes Liebe wird dem Menschen zuerst zugesagt. Das verantwortliche Handeln ist eine Antwort auf diese Zuwendung und keine Leistung, durch die sich der Mensch Gottes Liebe oder das Reich Gottes verdienen könnte.
Zur Vertiefung können die Gleichnisse vom Senfkorn und vom Sauerteig gelesen und mit den Erklärungen des Videos verglichen werden. Die Lernenden beschreiben zunächst die Entwicklung des Samens oder des Teiges und übertragen diese anschließend auf das Reich Gottes. Kreativ kann dies durch ein Bild, eine Collage, einen kurzen inneren Monolog oder eine moderne Gleichniserzählung umgesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Alltagssituationen zu untersuchen, in denen etwas klein beginnt und dennoch eine größere Wirkung entfaltet. Dadurch wird deutlich, dass auch unscheinbare Handlungen der Zuwendung, des Trostes oder des Eintretens für Gerechtigkeit bedeutsam sein können.
Die Beispiele Johann Hinrich Wichern und Dietrich Bonhoeffer eröffnen einen Zugang zur historischen und gegenwärtigen Bedeutung der Reich Gottes Botschaft. Die Lernenden können untersuchen, welche gesellschaftlichen Probleme beide wahrnahmen, aus welcher christlichen Motivation sie handelten und worin ihr Beitrag bestand. Anschließend können heutige Beispiele aus Diakonie, Caritas, Friedensarbeit, Flüchtlingshilfe, Armutsbekämpfung oder Umweltschutz recherchiert und beurteilt werden. Dabei sollte kritisch besprochen werden, dass menschliches Handeln Zeichen des Reiches Gottes setzen kann, seine endgültige Vollendung aber nicht herbeiführen kann.
Methodisch bietet sich nach dem Anschauen ein Austausch in Partnerarbeit an. Jede Person nennt eine Aussage, die sie verstanden hat, eine Aussage, die sie überrascht hat, und einen Begriff, der noch geklärt werden muss. Danach können die Ergebnisse im Plenum gesammelt werden. Als Ergebnissicherung eignet sich ein kurzer Merksatz: Mit Jesus hat das Reich Gottes bereits begonnen, es ist aber noch nicht vollendet. Menschen sind eingeladen, aus Gottes Liebe heraus an seiner Ausbreitung mitzuwirken, während die Vollendung Gott vorbehalten bleibt. Zur Leistungsüberprüfung können die Lernenden den Satz aus dem Markusevangelium erklären, die vier theologischen Fachbegriffe in eigenen Worten wiedergeben oder anhand eines Fallbeispiels beurteilen, ob eine Handlung als Zeichen des Reiches Gottes verstanden werden kann.
Fragestellungen zum Video mit Antworten
Welche geschichtlichen Bedingungen prägten das Leben der Menschen zur Zeit Jesu? Die jüdische Bevölkerung lebte unter römischer Fremdherrschaft und war durch direkte Steuern, Zölle und religiöse Abgaben belastet. Viele Menschen litten unter Armut, Not und gesellschaftlicher Ungerechtigkeit. Daraus entstand die Hoffnung auf Befreiung, Frieden und eine gerechte Herrschaft Gottes.
Welche Erwartungen verbanden viele jüdische Menschen mit dem Messias? Sie erwarteten einen von Gott gesandten Befreier, der die Fremdherrschaft beenden und ein Reich des Friedens, der Freiheit und der Gerechtigkeit herbeiführen würde.
Was ist die zentrale Botschaft Jesu? Jesus verkündet, dass die Zeit erfüllt und das Reich Gottes nahe ist. Er fordert die Menschen zur Umkehr und zum Glauben an das Evangelium auf.
Was bedeutet Reich Gottes? Das Reich Gottes ist kein geografisch begrenztes Land. Es bezeichnet die wirksame Herrschaft Gottes und eine Wirklichkeit, in der Liebe, Gerechtigkeit, Frieden, Heil und gelingende Beziehungen erfahrbar werden.
Inwiefern ist das Reich Gottes bereits angebrochen? Es ist mit dem Auftreten Jesu angebrochen. Durch seine Verkündigung, seine Wunder, seine Heilungen und seine Zuwendung zu ausgegrenzten Menschen wird Gottes bedingungslose Liebe sichtbar und erfahrbar.
Was bedeutet präsentische Eschatologie? Präsentische Eschatologie bezeichnet die Vorstellung, dass die verheißene Wirklichkeit Gottes bereits in der Gegenwart begonnen hat. Das Reich Gottes ist in Jesus und seinem Handeln schon gegenwärtig.
Warum ist das Reich Gottes noch nicht vollendet? Menschen erleben weiterhin Krankheit, Gewalt, Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Hoffnungslosigkeit. Deshalb steht die vollständige Verwirklichung von Frieden und Gerechtigkeit noch aus.
Was bedeutet futurische Eschatologie? Futurische Eschatologie bezeichnet die Erwartung, dass das Reich Gottes erst in der Zukunft vollständig verwirklicht wird. Seine endgültige Vollendung liegt allein bei Gott.
Was ist der eschatologische Vorbehalt? Der eschatologische Vorbehalt beschreibt die Spannung zwischen dem bereits begonnenen und dem noch nicht vollendeten Reich Gottes. Christlicher Glaube nimmt sowohl die gegenwärtigen Zeichen des Reiches Gottes als auch die weiterhin bestehende Erfahrung von Leid und Unrecht ernst.
Was verdeutlichen die Gleichnisse vom Senfkorn und vom Sauerteig? Sie zeigen, dass das Reich Gottes zunächst klein und unscheinbar beginnt, aber wächst und eine umfassende Wirkung entfaltet.
Was ist der Heilsindikativ? Der Heilsindikativ ist der Zuspruch, dass Gott den Menschen seine Liebe und Gnade bedingungslos schenkt. Gottes Zuwendung geht dem menschlichen Handeln voraus.
Was ist der Heilsimperativ? Der Heilsimperativ ist die Aufforderung, aus der erfahrenen Liebe Gottes heraus verantwortlich zu handeln und an der Ausbreitung des Reiches Gottes mitzuwirken.
Wie können Menschen am Reich Gottes mitwirken? Sie können sich Bedürftigen zuwenden, Ausgegrenzte aufnehmen, Unrecht widersprechen, Frieden fördern, Schuld vergeben und sich für menschenwürdige Lebensbedingungen einsetzen.
Können Menschen das Reich Gottes aus eigener Kraft vollenden? Nein. Menschen können Zeichen des Reiches Gottes setzen und zu seiner Ausbreitung beitragen. Die endgültige Vollendung bleibt jedoch Gott vorbehalten.
Welche Bedeutung besitzt die Botschaft heute? Sie fordert Menschen dazu heraus, bestehendes Leid und Unrecht wahrzunehmen und aus christlicher Hoffnung heraus verantwortungsvoll zu handeln. Sie schenkt zugleich die Hoffnung, dass Gewalt, Leid und Tod nicht das letzte Wort behalten.
In diese Situation hinein verkündet Jesus im Markusevangelium: „Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist nahe.“ Damit macht er deutlich, dass das von den Juden erhoffte Reich nicht nur ein zukünftiges Ereignis ist, sondern bereits mit seinem Auftreten begonnen hat. In seinen Worten, Taten und Wundern wird Gottes Zuwendung und Heil handgreiflich erfahrbar. Diese Gegenwart des Reiches Gottes nennt man präsentische Eschatologie, und sie zeigt sich besonders darin, dass Menschen körperliches und seelisches Heil erfahren sowie wieder in gute Beziehungen zu Gott und untereinander finden. Jesu Wunder gelten als Vorgeschmack auf den endgültigen Zustand des Reiches Gottes und werden als Heilsindikativ bezeichnet – der Zuspruch der bedingungslosen Liebe und Gnade Gottes.
Gleichzeitig betont Jesus, dass dieses Reich noch nicht vollendet ist. Leid, Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit bestehen weiterhin, weshalb man von futurischer Eschatologie spricht. Das Reich Gottes ist angebrochen, breitet sich aber erst nach und nach aus, wie Jesus es im Bild vom winzigen Senfkorn oder vom Sauerteig beschreibt, der langsam den ganzen Teig durchdringt. Die Spannung zwischen der bereits begonnenen und der noch nicht vollendeten Wirklichkeit des Reiches Gottes nennt man den eschatologischen Vorbehalt.
Weil das Reich Gottes schon angebrochen ist und Gott den Menschen seine Liebe zuspricht, fordert Jesus die Menschen zur Umkehr auf: „Kehrt um!“ Die Menschen sollen ihr Handeln so ausrichten, dass es dem Reich Gottes entspricht. Diese Aufforderung nennt man den Heilsimperativ. Jesus zeigt in vielen Beispielen, wie dieses Handeln aussehen kann: Er wendet sich besonders den gesellschaftlich Ausgegrenzten zu, kümmert sich um Kranke, Arme, Zöllner, Sünder, Frauen und Kinder und befreit Menschen aus belastenden oder ausgrenzenden Situationen. Seine Zuwendung wirkt heilend und integrierend und dient als Vorbild dafür, wie Menschen selbst zur Ausbreitung des Reiches Gottes beitragen können.
Diese Botschaft hat bis heute Bedeutung. Viele christliche Hilfsorganisationen entstanden aus dem Wunsch, Jesu Beispiel zu folgen und konkrete Nächstenliebe zu üben. Johann Hinrich Wichern etwa leitete aus christlicher Motivation heraus die Fürsorge für vernachlässigte Kinder ab und begründete damit die Diakonie. Dietrich Bonhoeffer wiederum wirkte am Reich Gottes mit, indem er sich mutig gegen die Judenverfolgung im Nationalsozialismus stellte und Christen dazu aufrief, ihren Glauben ernsthaft zu leben. Trotz dieser menschlichen Beiträge bleibt die endgültige Vollendung des Reiches Gottes Gott allein vorbehalten, damit nicht menschliche Leistung, sondern göttliche Gnade im Mittelpunkt steht.
Zusammenfassend hofften die Juden auf ein neues Friedensreich, das nach christlichem Glauben mit Jesus bereits angebrochen ist, jedoch noch nicht vollendet wurde. Die daraus entstehende Spannung beschreibt der eschatologische Vorbehalt. Aus Gottes vorbehaltloser Zuwendung erwächst für die Menschen die Aufgabe, aktiv an der Verbreitung seines Reiches mitzuwirken.