Die Einführung weist darauf hin, dass Wunder im Unterricht häufig vor allem als naturwissenschaftliches Problem erscheinen („Sind sie wirklich so passiert?“). Die Autoren schlagen deshalb eine historisch-kritische Perspektive vor, die zwischen vorösterlichen Heilungs- und Exorzismuserzählungen und späteren, von der Ostererfahrung geprägten Natur- und Auferweckungswundern unterscheidet. Wunder werden als Ausdruck des Glaubens an den auferstandenen Christus verstanden und als Geschichten, die Gottes heilende Macht und seine Nähe erfahrbar machen. Für den Unterricht sei es deshalb entscheidend, Wunder und Gleichnisse nicht isoliert zu behandeln, sondern stets auf das Reich-Gottes-Motiv zurückzuführen.
Methodisch versteht Kapitel I die Annäherung an das Thema Wunder als kreativen und zugleich theologisch angemessenen Einstieg. Da in Alltagssprache wie Medien weiterhin vom „Wunder“ gesprochen wird, knüpfen die Materialien an diesem Vorverständnis an. Zunächst wird das alltägliche Wunderverständnis spielerisch aktiviert (z. B. über Sprechblasen oder Beispiele aus Natur, Sportereignissen oder persönlichen Erlebnissen). Anschließend systematisieren die Schülerinnen und Schüler diesen Begriff und entwickeln eigene Definitionen. In den biblischen Wundergeschichten wird auf typische formale Elemente aufmerksam gemacht (z. B. Einleitung, Notlage, Wundertat, Erfolg, Reaktion der Menschen), die am Beispiel der Heilung der Gelähmten anschaulich werden.
Darauf aufbauend zeigen außerbiblische Wundererzählungen aus der Antike, dass Wunderglaube ein verbreitetes kulturelles Phänomen war, sich aber klar von den Wundern Jesu unterscheidet: Während antike Wundertäter häufig sich selbst ins Zentrum stellen oder magische Praktiken verwenden, zielen Jesu Wunder auf Heilung, Gemeinschaft und Glauben. Moderne Wundergeschichten (z. B. pädagogische Wendepunkte, unerklärliche medizinische Heilungen oder Wallfahrten wie Lourdes) vertiefen die Frage nach heutiger Bedeutung und Deutbarkeit von Wundern. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei, zwischen Zufall, psychologischen Erklärungen und religiösen Deutungen zu unterscheiden, ohne vorschnelle Antworten zu geben.
Die anschließende Begriffsklärung verdeutlicht, dass das Neue Testament verschiedene Wörter für Wunder verwendet („Machttat“, „Zeichen“, „Werk“) und damit unterschiedliche theologische Akzente setzt. Zu den Grundzügen biblischer Wunder gehören: die Betonung des Glaubens, das Verweisen auf das Reich Gottes, das Verhindern eines sensationellen Wunderglaubens sowie die Rückführung Geheilter in Gemeinschaft.
Insgesamt zeigt das Material, dass Wunder und Gleichnisse – trotz schwieriger Zugänge – fruchtbare Lernanlässe bieten, um die Reich-Gottes-Botschaft Jesu im Horizont heutiger Schülerinnen und Schüler erfahrbar zu machen. Ziel ist weniger die Klärung historischer Tatsachen als vielmehr das Verstehen, dass diese Erzählungen Zuspruch und Anspruch an das menschliche Leben formulieren.