Das Material eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe I und II im Rahmen von Unterrichtseinheiten zu Religionen und Weltanschauungen, Religionsfreiheit, Identität, Sinnsuche, Fundamentalismus oder religiöser Manipulation. Methodisch eröffnet bereits der Einstieg über eigene religiöse Erfahrungen und Begegnungen mit religiösen Gruppen einen lebensweltlichen Zugang. Die Lernenden können zunächst Merkmale einer „guten Religion“ entwickeln und diese anschließend mit den im Material dargestellten Gruppen vergleichen. Besonders gewinnbringend ist die kritische Analyse sektiererischer Denkweisen, da sie die Fähigkeit fördert, zwischen religiöser Überzeugung, legitimer Glaubenspraxis und problematischen Abhängigkeitsstrukturen zu unterscheiden. Gruppenarbeiten, Partnerinterviews, Diskussionsrunden oder Kriterienkataloge ermöglichen eine differenzierte Urteilsbildung. Die Beschäftigung mit Scientology eignet sich besonders zur Analyse von Manipulationsstrategien und gruppendynamischen Prozessen. Dabei können die Lernenden untersuchen, wie Autorität, Zugehörigkeit, Angst, Kontrolle und Versprechen von Erfolg genutzt werden, um Menschen an Gruppen zu binden. Die im Material enthaltenen Hilfestellungen für den Umgang mit Freunden in problematischen religiösen Gruppen fördern Empathie und Handlungskompetenz. Darüber hinaus eröffnet der Abschnitt zum Okkultismus die Möglichkeit, über den Umgang mit Unsicherheit, Zukunftsängsten und dem Wunsch nach Kontrolle ins Gespräch zu kommen. Das Material leistet damit einen wichtigen Beitrag zur religiösen Mündigkeit, zur Förderung kritischen Denkens sowie zur Stärkung der Fähigkeit, religiöse und weltanschauliche Angebote verantwortungsvoll zu beurteilen. Gleichzeitig unterstützt es die Entwicklung von Dialogfähigkeit, Toleranz und Respekt gegenüber unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen, ohne problematische Strukturen zu verharmlosen.
Jugendliche wenden sich neuen Religionen oft aus Kritik an den Großkirchen oder der Erwachsenenwelt zu, auf der Suche nach Sinn und Gemeinschaft. Enttäuschung entsteht, wenn sich die einfachen Sinnangebote als leer erweisen. Eine gute Religion sollte Gläubigen Freiheit, Achtung und Offenheit für gesellschaftliche Werte wie Menschenrechte und Wissenschaft gewähren.
Der Begriff „Sekte“ bezeichnete ursprünglich Abspaltungen von Großreligionen; heute spricht man eher von neureligiösen Bewegungen. Diese zeichnen sich häufig durch charismatische Führer, absolute Wahrheitsansprüche und Abgrenzung von der Außenwelt aus. Missionierung erfolgt über persönliche Kontakte, Großveranstaltungen oder verdeckte Angebote wie Lebensberatung.
Am Beispiel Scientology (Seite 7–8) wird ein manipulativer Aufbau erläutert: Die Bewegung, 1954 von L. Ron Hubbard gegründet, verspricht psychische Heilung und Erfolg. Sie nutzt Techniken wie „Auditing“ und das „E-Meter“ zur Kontrolle und bindet Mitglieder über kostenpflichtige Kurssysteme. Der enge Lebensrahmen führt anfangs zu Entlastung, später jedoch zu Abhängigkeit und Angst.
Das Kapitel „Hilfe, mein Freund ist in einer Sekte!“ (Seite 9–10) gibt praktische Hinweise für Angehörige: ruhig bleiben, sich informieren, respektvoll das Gespräch suchen, Gefühle zulassen, Identität und Kontakt des Betroffenen bewahren und keine schnellen Erfolge erwarten.
Abschließend (Seite 11) behandelt das Material den Okkultismus als Faszination Jugendlicher für verborgene oder übersinnliche Praktiken wie Wahrsagen, Pendeln, Magie oder Astrologie. Diese beruhen auf der Vorstellung, dass Geister oder übernatürliche Kräfte auf die Welt einwirken.
Das Materialblatt bietet somit einen umfassenden Überblick über neue religiöse Bewegungen, ihre gesellschaftlichen Ursachen, typischen Merkmale, Gefahren und den pädagogischen Umgang mit Betroffenen.