Das Material eignet sich besonders für den Einsatz in den Jahrgangsstufen 8 bis 12 im Kontext der Themen Religionen der Welt, Islam, Geschlechterrollen, Menschenrechte und interreligiöser Dialog. Die Lernenden können zunächst ihre eigenen Vorstellungen und Vorurteile zum Thema Frau und Islam sammeln und diskutieren. Anschließend bietet sich eine arbeitsteilige Erschließung der Textabschnitte an, bei der unterschiedliche Gruppen die historischen Entwicklungen, die rechtliche Stellung der Frau sowie die verschiedenen Formen der Verschleierung untersuchen. Die Bilddarstellungen ermöglichen einen anschaulichen Zugang und fördern die Unterscheidung zwischen religiösen Vorschriften, kulturellen Traditionen und politischen Ausprägungen. Besonders gewinnbringend ist eine multiperspektivische Auseinandersetzung, bei der auch Stimmen muslimischer Frauen aus unterschiedlichen Ländern und Lebenskontexten einbezogen werden. Die abschließende Schreibaufgabe kann zu einer journalistischen Lernaufgabe erweitert werden, etwa durch die Erstellung eines Zeitungsartikels, eines Podcasts, einer digitalen Präsentation oder einer Podiumsdiskussion. Dabei sollten die Lernenden angeregt werden, differenzierte Urteile zu entwickeln und vereinfachende Zuschreibungen zu hinterfragen. Das Material fördert sowohl die religiöse Urteilskompetenz als auch die Dialogfähigkeit und unterstützt die kritische Reflexion von Geschlechterrollen in Religion und Gesellschaft.
Historisch zeigt der Text, dass Frauen in vorislamischer Zeit in Arabien rechtlos waren. Der Koran brachte deutliche Verbesserungen: Mann und Frau gelten vor Gott als gleichwertig, Zwangsehen sind verboten, Frauen sind vermögensfähig, und geschiedene Frauen erhalten ihr Eigentum zurück. Dennoch bestehen Ungleichheiten: Männer dürfen mehrere Frauen heiraten, während Frauen nur einen Mann haben dürfen; ihre Zeugenaussage und ihr Erbteil zählen jeweils nur halb so viel wie die eines Mannes; menstruierende Frauen gelten als unrein.
Darüber hinaus erwähnt das Material die weibliche Beschneidung, die in einigen islamischen Ländern als religiös-kulturelle Pflicht angesehen wird, obwohl sie ursprünglich aus afrikanischen Stammesriten stammt. Schließlich werden die teils sehr strengen Bekleidungsvorschriften in einigen Staaten als über den Koran hinausgehend beschrieben. Das Blatt schließt mit einer Aufgabe, in der Schülerinnen und Schüler eine Kurznachricht über die Rolle der Frau im heutigen Islam verfassen sollen, wobei insbesondere die Themen Schleier und Gleichberechtigung zu reflektieren sind.