Saskia Wendel führt eine grundsätzliche Diskussion über zentrale Begriffe der zeitgenössischen Religionspädagogik aus systematisch-theologischer Perspektive. Sie beginnt mit einer kritischen Analyse des Religionsbegriffs und plädiert für eine Unterscheidung zwischen Religiosität als individuelle existenziale Haltung und Religion als gelebtes kulturelles System. Ausgehend von Schleiermacher und Dieter Henrich bestimmt sie Religiosität als Gefühl der „schlechthinnigen Abhängigkeit" von einem Unbedingten, das im Selbstbewusstsein aufkommt. Dieses Kontingenzerleben ist der Grund religiöser Erfahrung, nicht umgekehrt. Der Autorin zufolge ist religiöse Erfahrung niemals unmittelbar gegeben, sondern immer bereits sprachlich vermittelt und durch Traditionen geprägt. Im zweiten Teil behandelt sie Subjekt und Person als zentrale Dimensionen des Selbstbewusstseins – Subjektivität kennzeichnet die Einmaligkeit, Personalität die Bezogenheit auf andere. Freiheit wird als positives Können bestimmt, das der Willensfreiheit vorausgeht und notwendig ist für religiöse Praxis. Erfahrung und Gefühl werden differenziert: während Gefühl das unmittelbare, unthematische Erleben ist, ist Erfahrung immer bereits begrifflich vermittelt. Der Leib wird als Ort der Inkarnation von Subjektivität und Personalität verstanden, was anthropologischen Dualismus überwindet. Schließlich wird Glaube als „faith" von „belief" unterschieden und als Erkenntnisform charakterisiert, die nicht hergestellt werden kann. Das Christentum wird als spezifisches Sinndeutungssystem mit materialen Gehalten behandelt, wobei die Glaubenspraxis als Nachfolge Jesu und Ortopraxis im Zentrum steht.