RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Christoph ThomaSchulamt Innsbruck

Christoph Thoma,

Schulamt Innsbruck

Umberto Eco: Der Name der Rose MB 252

Veröffentlichung:1.1.1970

Die Unterrichtsstunde "Umberto Eco: Der Name der Rose" mit neun Seiten zu Umberto Ecos Der Name der Rose verbindet Literatur, Theologie und Philosophie. Im Mittelpunkt steht der Armutsstreit im 14. Jahrhundert: Die Franziskaner wollten wie Jesus in Armut leben, während die Kirche Besitz als notwendig für ihre Aufgaben betrachtete. Der Franziskanermönch Wilhelm von Ockham wurde zum Vordenker dieser Bewegung. Er forderte eine arme, freie Kirche und stellte sich mutig gegen päpstliche Macht.

Die Unterrichtsstunde benötigt nicht den Film um durchgeführt zu werden.

Das Materialblatt zu Umberto Ecos Roman und Film „Der Name der Rose“ erschließt zentrale historische, philosophische und theologische Hintergründe des mittelalterlichen Kriminalromans. Im Mittelpunkt stehen der Armutsstreit zwischen Franziskanern und Kirchenleitung, die Frage nach Besitz und Armut in der Nachfolge Jesu, die mittelalterliche Inquisition sowie bedeutende Denker wie Wilhelm von Ockham und Aristoteles. Darüber hinaus werden zentrale philosophische Debatten des Mittelalters, insbesondere der Universalienstreit und die Frage nach Sprache, Wahrheit und Erkenntnis, erläutert. Anhand wichtiger Figuren und Filmzitate wird deutlich, wie Umberto Eco historische Ereignisse mit theologischen Fragestellungen und philosophischen Grundproblemen verbindet. Das Material eröffnet damit einen vielschichtigen Zugang zu einem der bedeutendsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts.

Products

I. Einführung (10 Minuten) – „Glaube, Vernunft und das Lachen Gottes“

Die Stunde beginnt mit einem kurzen Zitat aus dem Film:

„Lachen tötet die Furcht, und ohne Furcht kann es keinen Glauben geben.“ – Jorge von Burgos

Lehrerimpuls:

Was meint Jorge damit?

Kurze Stillphase (1 Minute Nachdenken), dann Austausch in Murmelgruppen (2–3 Schüler).

Anschließend Blitzlicht im Plenum: „Ein Satz: Wovor fürchtet sich der Glaube?“

Ziel: Einstieg über Emotion und Paradoxie – Glauben und Furcht, Lachen und Denken.


II. Diskussion (25 Minuten) – „Der Streit um die Armut“

Lehrkraft stellt den historischen Armutsstreit vor (anhand von Textauszügen aus dem Materialblatt):

Die Franziskaner: Jesus war arm, also muss die Kirche arm sein.

Die Kirche: Jesus hatte Besitz, Reichtum ist gerechtfertigt, wenn er dem Dienst dient.

Wilhelm von Ockham verteidigt die radikale Armut und flieht vor der Inquisition.

Diskussionsmethode: „Philosophisches Karussell“

Vier Diskussionsstationen (je 5 Minuten, mit Rotation):

Ist Armut eine christliche Pflicht oder eine persönliche Entscheidung?

Darf die Kirche reich sein, um Gutes zu tun?

Wie verändert Besitz die Freiheit des Glaubens?

Was würde Jesus heute tun, arm leben oder Macht nutzen, um Gutes zu tun?

Die Lernenden notieren auf Karten Schlagworte und Bibelbezüge (z. B. Mt 6,24 „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“).


Antizipierte Antworten

1. Ist Armut eine christliche Pflicht oder eine persönliche Entscheidung?

Armut ist im Christentum kein Zwang, sondern eine bewusste Nachfolgeentscheidung. Jesus ruft Einzelne dazu auf, Besitz loszulassen, um frei für Gott und den Nächsten zu sein (vgl. Lk 18,22: „Verkaufe alles, was du hast… und folge mir nach“).

Für Mönche wie Franziskus wurde daraus eine Lebensform, die den Reichtum als Versuchung versteht.

Doch nicht jeder Christ muss materiell arm sein, entscheidend ist die innere Haltung: geistige Armut (Mt 5,3) bedeutet Demut, Vertrauen und Loslassen des Egoismus.

Fazit: Armut ist keine Pflicht, aber eine radikale Form der Nachfolge, die zeigt, dass wahres Leben nicht im Besitz, sondern in der Liebe zu Gott liegt.

2. Darf die Kirche reich sein, um Gutes zu tun?

Diese Frage berührt den Kern des Armutsstreits: Die Kirche darf Reichtum besitzen, wenn er Werkzeug des Guten ist – etwa zur Unterstützung von Armen, Bildung oder medizinischer Hilfe.

Doch sobald Reichtum Selbstzweck wird oder Macht sich über Demut stellt, verliert die Kirche ihre Glaubwürdigkeit.

Schon Wilhelm von Ockham kritisierte, dass die Kirche Jesu Armut verrät, wenn sie Macht über Menschen sucht statt ihnen zu dienen.

Fazit: Reichtum ist nur dann legitim, wenn er dem Dienst am Menschen dient – nicht der Selbsterhöhung der Institution. Eine „arme Kirche für die Armen“ (Papst Franziskus) bleibt das Ideal.

3. Wie verändert Besitz die Freiheit des Glaubens?

Besitz kann einerseits Sicherheit und Handlungsspielraum geben, andererseits abhängig machen – von Angst, Status und Kontrolle.

Wer viel besitzt, fürchtet, etwas zu verlieren; wer wenig besitzt, lernt zu vertrauen.

Im Glauben bedeutet wahre Freiheit, nicht von Dingen bestimmt zu sein, sondern von der Liebe Gottes.

Darum warnt Jesus: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Mt 6,24).

Fazit: Besitz ist an sich neutral, aber er bindet das Herz. Nur wer Besitz als Gabe und nicht als Ziel versteht, bleibt innerlich frei.

4. Was würde Jesus heute tun – arm leben oder Macht nutzen, um Gutes zu tun?

Jesu Leben zeigt, dass er bewusst auf Macht und Reichtum verzichtete, um die Menschen durch Beispiel, nicht durch Zwang zu verändern.

Heute könnte man sagen: Jesus würde nicht politische Macht suchen, sondern soziale und spirituelle Autorität nutzen – durch Nähe, Solidarität und Glaubwürdigkeit.

Vielleicht würde er moderne Mittel (Medien, Netzwerke, Gemeinschaften) einsetzen, um Gerechtigkeit zu fördern, aber ohne Besitz- oder Machtstreben.

Fazit: Jesus würde arm im Geist, aber reich an Liebe leben – und Macht nur dann gebrauchen, wenn sie dem Heil der Menschen dient, nicht seiner eigenen Größe.


III. Praktische Anwendung (25 Minuten) – „Armut heute: Kirche und Gerechtigkeit“

Aufgabe in Gruppen (à 4–5 Schüler):

Jede Gruppe bekommt den Auftrag, ein modernes Projekt der kirchlichen Armutsbekämpfung zu recherchieren oder zu diskutieren

(z. B. Caritas, Misereor, Brot für die Welt, Franziskaner-Hilfswerk).

Dies geschieht in Internetrecherche. 

Leitfragen:

Welches Problem wird bekämpft (Armut, Flucht, Ungerechtigkeit)?

Wie steht das Projekt im Verhältnis zum Ideal der franziskanischen Armut?

Würde Wilhelm von Ockham dieses Projekt unterstützen?

Hilfsmittel: Tablets, Infoblätter oder vorbereitete Projektbeschreibungen.

Beispiel 1: Caritas – „Wohnungshilfe für Obdachlose“

1. Welches Problem wird bekämpft?

Die Caritas unterstützt mit diesem Projekt Menschen, die ihre Wohnung verloren haben oder von Obdachlosigkeit bedroht sind. Neben Unterkunft geht es auch um soziale Beratung, medizinische Versorgung und Wiedereingliederung in Arbeit und Gemeinschaft.

Bekämpft wird materielle Armut, aber auch soziale Ausgrenzung und Einsamkeit.

2. Wie steht das Projekt im Verhältnis zum Ideal der franziskanischen Armut?

Das Projekt verkörpert das franziskanische Ideal sehr direkt: Franziskus wollte in Solidarität mit den Armen leben und ihnen Würde geben. Hier geht es nicht darum, Armut zu verherrlichen, sondern sie durch Mitgefühl und praktische Hilfe zu überwinden.

Die Helfenden leben teilweise selbst bescheiden und arbeiten aus christlicher Nächstenliebe – ganz im Sinn von „arm mit den Armen“.

3. Würde Wilhelm von Ockham dieses Projekt unterstützen?

Ja. Ockham betonte, dass echter Glaube im freien, persönlichen Handeln aus Liebe besteht – nicht im kirchlichen Besitz. Eine Initiative, die den Armen direkt hilft, ohne Profitinteresse, entspräche seiner Vorstellung von gelebter Nachfolge Christi.

Er würde darin ein Beispiel für das sehen, was die Kirche tun soll: Dienen statt herrschen.

Beispiel 2: Misereor – „Ernährungssicherung in Ostafrika“

1. Welches Problem wird bekämpft?

Misereor unterstützt in Ostafrika Kleinbauernfamilien, die unter Dürre, Klimawandel und unfairen Handelsbedingungen leiden. Das Projekt fördert nachhaltige Landwirtschaft, Wasserzugang und Bildung, um strukturelle Armut und ungerechte globale Abhängigkeiten zu bekämpfen.

2. Wie steht das Projekt im Verhältnis zum Ideal der franziskanischen Armut?

Franziskanische Armut bedeutet: Leben in Einfachheit, Respekt vor der Schöpfung und Solidarität mit den Schwachen.

Misereor folgt genau diesem Geist, indem es auf Nachhaltigkeit, Umweltschutz und gerechte Lebensbedingungen setzt. Es hilft, Abhängigkeit zu verringern und Würde zu fördern, statt bloß Almosen zu geben.

3. Würde Wilhelm von Ockham dieses Projekt unterstützen?

Ja, sehr wahrscheinlich. Ockham stellte sich gegen kirchlichen Machtmissbrauch und für Gerechtigkeit ein.

Er würde dieses Projekt als praktische Umsetzung christlicher Vernunft und Barmherzigkeit sehen: Es ist ein rationaler, aber zugleich spirituell begründeter Einsatz für das Gute – genau jene Verbindung von Vernunft und Glauben, für die er selbst stand.

Negativbeispiel Ablasshandel:

Beispiel: Der Ablasshandel im 16. Jahrhundert

1. Welches Problem lag vor?

Im späten Mittelalter und besonders Anfang des 16. Jahrhunderts verkaufte die katholische Kirche sogenannte Ablässe – also den Erlass von Sündenstrafen – gegen Geld. Der berühmte Satz des Ablasspredigers Johann Tetzel lautete:

„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“

Das gesammelte Geld diente dem Bau des Petersdoms in Rom und der Finanzierung kirchlicher Machtprojekte. Für arme Gläubige wurde Gnade so zu einer Frage des Geldbeutels.

2. Wie steht das im Verhältnis zum Ideal der franziskanischen Armut?

Der Ablasshandel steht im direkten Widerspruch zum franziskanischen Armutsideal.

Franziskus wollte eine Kirche, die arm ist, weil sie Gott vertraut – nicht eine Kirche, die Gnade verkauft.

Hier wird der Glaube kommerzialisiert, das Heil zu einer Ware gemacht. Statt Armut und Demut herrschen Reichtum, Angst und Manipulation.

3. Würde Wilhelm von Ockham dieses „Projekt“ unterstützen?

Nein, ganz im Gegenteil. Ockham hätte den Ablasshandel als Missbrauch des Evangeliums bezeichnet.

Er kämpfte bereits im 14. Jahrhundert gegen jede Form von kirchlicher Macht, die Menschen abhängig macht oder das Gewissen versklavt.

Für ihn war der Glaube eine Sache der Freiheit und Vernunft, nicht des Geldes.

Ockham hätte gesagt:

„Wer glaubt, kann sich Gottes Gnade nicht kaufen – er empfängt sie frei, so wie Christus frei gelebt hat.“

Fazit:

Der Ablasshandel ist ein klassisches Beispiel für das, was Ockham als Verrat am Evangelium ansah:

eine Kirche, die lieber Reichtum sammelt als Christus nachzufolgen.

Er hätte stattdessen eine „arme Kirche für die Armen“ gefordert – frei, kritisch, barmherzig und ohne Angst.


IV. Präsentation der praktischen Anwendung (10 Minuten)

Kurzpräsentationen im Plenum (je Gruppe ca. 2 Minuten):

Projektname

Bezug zum Armutsideal

Begründung, warum das Projekt christlich glaubwürdig ist

Lehrkraft fasst Gemeinsamkeiten und Unterschiede an der Tafel zusammen (Stichworte: Armut – Besitz – Verantwortung – Macht – Nachfolge).


V. Reflexion und Zusammenfassung (10 Minuten) – „Zwischen Kloster und Welt“

Lehrkraft stellt Reflexionsfrage:

„Was bedeutet ‚Nachfolge Christi‘ im 21. Jahrhundert – Besitz aufgeben oder Gutes mit Besitz tun?“

Methode: Kurze stille Schreibphase (3 Minuten): „Mein persönlicher Satz über Glauben und Besitz“.

Anschließend Austausch von 3–4 Schülern im Plenum.

Abschließend gemeinsames Fazit:

– Die Spannung zwischen Ideal und Realität ist kein Widerspruch, sondern Herausforderung des Glaubens.


VI. Hausaufgabe

Schreibe einen inneren Monolog Adsons, 5 Jahre nach den Ereignissen des Films:

Er kehrt in die Abtei zurück, denkt an das Bauernmädchen und an Wilhelm.

Hat sich sein Glaube verändert – zwischen Vernunft, Liebe und Armut?

(min. 200 Wörter, kann auch poetisch gestaltet werden)


VII. Abschließende Worte (5 Minuten)

„Der Name der Rose“ erinnert uns daran, dass jede Wahrheit brennt, wenn sie Angst macht – und dass das Lachen vielleicht der Beginn der Freiheit ist.

Lehrkraft schließt mit dem Zitat Wilhelms von Baskerville:

„Der einzige Weg, dass der Teufel hier am Werk ist, ist das Bedürfnis jedermanns, ihn am Werk zu sehen.“

VIII. Zusätzliche kreative Ideen

Rollenspiel: Mini-Inquisition – Schüler spielen Ockham, den Papst und einen armen Bauern; das Plenum entscheidet über „Schuld“ oder „Heiligkeit“.

Socratic Café: „Kann man Gott nur fürchten oder auch über ihn lachen?“

Symbolarbeit: Eine Rose wird herumgereicht – jeder Schüler nennt einen Begriff, den die Rose für ihn heute bedeutet (Glaube, Schönheit, Vergänglichkeit, Erkenntnis…).


IX. Bibelzitate

Mt 6,19–21: „Sammelt euch keine Schätze auf Erden… denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“

Lk 9,3: „Nehmt nichts mit auf den Weg, weder Stab noch Tasche noch Brot noch Geld.“

Lk 6,20: „Selig seid ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“

Mt 5,3: „Selig, die arm sind im Geiste.“

Mt 25,40: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Methoden:

Webrecherche

Hessen

Hessen

Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.1 Selbstverständnis der Kirche.

Q4.3 Kirche in der Welt von heute.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 13 Der Mensch und seine Zukunft - Die Zukunft der Menschheit

13 / 4. Zukunft und Aufgaben der Religionen.

Text

urheberrechtlich geschützt

5.11.2025

_

Unterrichtsstunde

_

Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren ,Kommunizieren und Kooperieren ,Produzieren und Präsentieren ,Analysieren und Reflektieren

_

_

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.