Konkret geschieht dies etwa durch chinesische Mittelsmänner, die taiwanische Mazu-Tempel besuchen und den Gläubigen verlockende Angebote machen. Ziel ist es, religiöse Strukturen und ihre große gesellschaftliche Bedeutung für politische Zwecke nutzbar zu machen. Doch die Taiwanesen zeigen sich widerständig: Neben ihrer tiefen religiösen Verwurzelung prägt sie ein ausgeprägter Eigensinn und das Bewusstsein, Teil einer lebendigen Demokratie zu sein. Religion wird hier nicht nur als spirituelle Kraft, sondern auch als Ausdruck kultureller und politischer Selbstbehauptung verstanden.
Für den Unterricht bietet der Beitrag eine gute Möglichkeit, über die Verflechtung von Religion und Politik zu sprechen. Lernende können diskutieren, wie Religionen instrumentalisiert werden können, welche Gefahren darin liegen und wie religiöse Gemeinschaften auch zur Bewahrung von Freiheit und Identität beitragen können. Besonders spannend ist der Vergleich mit anderen Regionen, in denen Religion politisch vereinnahmt wird – oder umgekehrt ein Schutzschild gegen politische Macht darstellt.