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Ernst Klett Verlag

Ernst Klett Verlag

Sinti und Roma in Deutschland: Wir sind hier!

Unterrichtsimpuls – Religions- und Ethikunterricht

Veröffentlichung:25.9.2025

Der Dokumentarfilm „Wir sind hier!“ (2024) von Stefan Adam und Silke Stürmer gibt Sinti und Roma selbst eine Stimme. Jugendliche wie Leon Fejzuli, Julischka Lehmann oder David berichten in sehr persönlichen Szenen von ihrem Alltag, von Diskriminierungserfahrungen und von ihrer Identität. Die Theatergruppe „Wir sind hier“ zeigt dabei, wie Kunst zum Mittel gegen Ausgrenzung und Antiziganismus werden kann. Historische Rückblicke führen in die jahrhundertelange Verfolgung dieser Minderheit ein – vom Mittelalter über den Nationalsozialismus bis in die Nachkriegszeit – und verknüpfen persönliche Geschichten mit der kollektiven Erfahrung des Porajmos, des Völkermordes an Sinti und Roma. Auch der Widerstand, das Ringen um Anerkennung und die heutige Selbstbehauptung werden thematisiert. Der Film ist deshalb nicht nur ein Dokument, sondern auch ein Appell: „Wir sind hier – nehmt uns wahr, wir wollen mit euch leben, nicht gegen euch.“

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Für den Unterricht bietet der Film zahlreiche Anknüpfungspunkte. Schülerinnen und Schüler lernen zunächst, dass Sinti und Roma mit rund 12 Millionen Angehörigen die größte Minderheit Europas bilden und seit über 600 Jahren Teil der deutschen Geschichte sind. Wichtig ist dabei, Unwissenheit nicht vorschnell als Vorurteil zu deuten, sondern als Ausgangspunkt für Information und Reflexion. Für den Einstieg eignet sich die Kopiervorlage „Sinti und Roma: Wissenswertes“, die grundlegende Informationen bietet und die Lernenden anregt, Neues, Überraschendes und offene Fragen zu notieren. Diese Fragen können als Beobachtungskriterien beim Filmschauen genutzt werden.

Didaktisch lässt sich der Film in Sequenzen gliedern: Leons Erzählung über sein Coming-out und seine Identität als Rom, Julischkas Erfahrungen von Diskriminierung im Bildungsbereich, historische Darstellungen des Antiziganismus und schließlich Beispiele für Emanzipation und Widerstand nach 1945. Einzelne Szenen wie Leons Monolog zu Beginn oder das Schlusswort eignen sich besonders, um Identität und Selbstwahrnehmung ins Gespräch zu bringen. Zur Vertiefung können Kopiervorlagen wie „Ausgrenzung und Verfolgung“ oder „Vorurteile, Klischees, Vorverurteilungen“ eingesetzt werden. Ein Selbstzeugnis wie das von Ceija Stojka erweitert die historische Perspektive und macht die Erfahrungen der Überlebenden des Holocaust erfahrbar.

Die Unterrichtsarbeit mit dem Film hat mehrere Ziele: Einerseits vermittelt sie Wissen über die Geschichte und Gegenwart von Sinti und Roma, andererseits sensibilisiert sie für die Mechanismen von Vorurteilen und Diskriminierung. Die Reflexion unterstützt die Lernenden darin, eigene Einstellungen zu hinterfragen und für die Rechte von Minderheiten einzutreten. Ergänzend können weitere Medien wie die ARD-alpha-Dokumentation „Antiziganismus – Was haben wir gegen Sinti und Roma?“ oder der Film „Einfach ein Mensch. Sinti und Roma in Württemberg“ herangezogen werden.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die mit Sinti und Roma verbundenen Gedenktage wie der 8. April (Tag der Roma-Kultur), der 2. August (Erinnerung an die Liquidierung des „Zigeunerfamilienlagers“ in Auschwitz-Birkenau 1944) oder der 5. November (Welttag der Romanes-Sprache). Sie bieten konkrete Anknüpfungspunkte für Unterricht und Schulkultur und leisten einen Beitrag gegen das Vergessen.

Damit verbindet der Film die biografischen Erfahrungen junger Sinti und Roma mit der langen Geschichte ihrer Diskriminierung und Verfolgung. In der Unterrichtspraxis ermöglicht er sowohl empathisches Lernen durch Begegnung mit den Protagonisten als auch kritisches Lernen durch die Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Antiziganismus und Erinnerungskultur.

Medien, die Teil des aufgelisteten Materials sind und in weiteren Kontexten Verwendung finden können.

Evangelische Landeskirche Württemberg

25.9.2025

Umfang: Anregung

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