Das Praxisbuch „Max Besser“ lässt sich sehr gut in den katholischen Religionsunterricht einbinden, besonders wenn Themen wie „Miteinander“, „Respekt“, „Versöhnung“, „Verletzlichkeit“ oder „Stärkung in Gemeinschaft“ behandelt werden. Hier folgen konkrete Hinweise und Vorschläge:
Vorbereitung & Kontextualisierung
Vor dem Einsatz empfiehlt sich eine kurze Einführung in das Konzept: Warum Gewaltprävention? Warum soziale Kompetenz? Im RU kann man das in Verbindung bringen mit dem biblischen Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, oder mit Jesus, der oft die Gesellschaft aufrief zu Versöhnung, Barmherzigkeit und Gemeinschaft. So entsteht ein inhaltlicher Zusammenhang.
Bausteine auswählen passend zur Lerngruppe
Das Praxisbuch enthält verschiedene Module (Theorieblöcke, methodische Blöcke, Übungen, Reflexionen). Je nach Altersstufe und Klassenklima wählst du einzelne Bausteine, z. B. Übungen zu Konfliktlösung, Kommunikation, Rollenübernahme oder Perspektivwechsel. In einer RU-Digital-Umgebung kannst du einzelne Unterrichtseinheiten als digitale Module (z. B. in Moodle/Teams) aufbereiten.
Arbeit in Kleingruppen / Partnerarbeit
Stelle Aufgaben, in denen Schülerinnen und Schüler Szenarien aus dem Alltag – ähnlich wie im Programm – bearbeiten und in Partner-/Gruppenarbeit Lösungen oder Rollen ausspielen. Digital kannst du Breakout-Räume einrichten, in denen Gruppen sich austauschen. Anschließend teilst du / einzelne Gruppen im Plenum ihre Ergebnisse via Whiteboard, Padlet oder Präsentation.
Rollenspiele & szenische Reflexion
Lasse Schülerinnen und Schüler bestimmte Modellfälle – z. B. ein Konflikt in der Klasse oder eine Beleidigung – erst „typisch“ spielen und dann „besser“ (im Sinne des Programms) neu inszenieren. Anschließend reflektiert ihr gemeinsam: Welche Wirkung hatten die unterschiedlichen Reaktionsweisen? Wo war Stärke spürbar? Wo Verletzlichkeit?
Impulse und Reflexionsphasen integrieren
Nutze gezielte Impulsfragen oder Gesprächsimpulse:
Wo habe ich in meiner Klasse oder meinem Alltag schon erlebt, dass Beziehungen durch Sprache verletzt wurden?
Welche Haltung brauche ich, um in Konflikten zu vermitteln statt zu polarisieren?
Wie kann Vergebung oder Versöhnung praktisch werden?
Welche Rolle spielt Gott oder unser Glaube in einem sozialen Miteinander, das Frieden sucht?
Verbindung zu religiösen Inhalten
Im RU kannst du an Geschichten anknüpfen, in denen Menschen Konflikte durchstehen, vergeben oder in Gemeinschaft versöhnt werden (z. B. Bruderleiden in Genesis, Prodigal Son, Jona, Petrus und Jesus nach der Auferstehung etc.). Frage gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern: Welche Haltung haben diese Personen gezeigt? Wo ist Versöhnung möglich?
Ritualisierung & langfristige Nutzung
Führe regelmäßige Klassenregeln zur Kommunikation ein, die gemeinsam erarbeitet sind und sich an den Grundsätzen des Programms orientieren.
Setze periodische Reflexionsrunden ein, z. B. alle 2–4 Wochen, in denen die Klasse über Konflikte, gelungene Begegnungen oder verletzende Situationen spricht und mögliche Verbesserungen sucht.
Entwickle eine „Fair-Box“ oder Reflexionskarten, auf die Schülerinnen und Schüler in schwierigen Momenten zurückgreifen können (nach dem Max-Besser-Prinzip).
Digital ergänzen
Für RU-Digital kannst du:
Teile Teile des Praxisbuchs als PDF auf der Lernplattform zur Vor- oder Nacharbeit bereitstellen
Digitale Tools verwenden (z. B. Padlet, Mentimeter, Whiteboard) für die Sammlung von Reaktionsideen
In Videokonferenzen gezielt in Gruppen arbeiten lassen
Schüler*innen als „Konflikt-Coaches“ einsetzen, die in Foren oder Chats moderierend aktiv werden
Differenzierung & Reflexion der Lehrperson
Achte darauf, je nach Vorwissen oder Sensibilität der Schülerinnen und Schüler die Übungen zu differenzieren (z. B. Methoden mit weniger hoher sozialer Konfrontation zuerst). Reflektiere als Lehrkraft selbst, in welchen Situationen du konfliktträchtig reagierst, und nutze Teile des Programms zur eigenen professionellen Haltungsschulung.
Abschluss & Rückbindung
Am Ende eines Moduls oder einer thematischen Einheit kann ein Abschlusskreis stattfinden, in dem Rückmeldungen gegeben werden: Was hat geholfen? Wo sehe ich Wachstum? Welche Impulse nehme ich mit? Im RU kann man mit einem religiösen Segen oder Gebet abschließen und die Verbindung zu Gottes Begleitung im Miteinander herstellen.
So kann das Praxisbuch „Max Besser“ im Religionsunterricht nicht nur als Instrument zur Sozialkompetenzförderung dienen, sondern in eine glaubensbezogene Reflexion eingebettet werden – und zwar sowohl in Präsenz- als auch in Digitalformaten.