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Religionen im Gespräch

Religionen im Gespräch

Christliches Abendland? | Ep. 18

Veröffentlichung:7.7.2015

Diese umfangreiche Podiumsdiskussion mit 60 Minuten untersucht die Interaktion von Christentum und Islam in Deutschland . 

Das christliche Abendland hat zurzeit Konjunktur. Die Pflege „abendländischer Bildungs- und Kulturwerte“ ist Aufgabe der Schule in einigen Bundesländern. Journalisten fordern die Verteidigung abendländischer Kultur. Demonstranten warnen vor dem Untergang des Abendlands.

Der Islam gehört nicht zu Europa, denn er ist ein Geschöpf des Morgenlandes, sagen nicht wenige. Andere warnen vor falschen Alternativen. Haben Morgenland und Abendland sich nicht schon immer gegenseitig befruchtet? Und was ist das überhaupt, „das Abendland“?

Wo liegen die kulturellen Wurzeln Europas, und wie können wir sie angemessen benennen? Darüber spricht Wolfgang Reinbold mit dem evangelischen Theologen und Islamwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Schreiner von der Universität Tübingen und mit dem Historiker Prof. Dr. Michael Borgolte von der Humboldt-Universität Berlin.

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Die Veranstaltung „Religionen im Gespräch“ widmete sich dem Reizwort „christliches Abendland?“ und fragte nach den kulturellen Wurzeln Europas. Der Mediävist Michael Borgolte und der Religionswissenschaftler/Islam- und Judaistikkundler Stefan Schreiner betonten übereinstimmend: Wissenschaftlich trägt der Abendland-Begriff vor allem eine ideologische Geschichte – als Gegenfolie mal zum „kommunistischen Osten“, heute oft in Abgrenzung zum Islam (Stichwort PEGIDA). Historisch ist Europa hingegen von drei monotheistischen Traditionen geprägt: Christentum, Judentum und Islam. Juden und Muslime sind seit dem frühen Mittelalter in Europa präsent – teils sogar früher als das lateinische Christentum (Beispiel Großfürstentum Litauen mit bis heute nachweisbaren tatarisch-muslimischen Gemeinden). Für die europäische Wissenschaftsentwicklung war die mittelalterliche Übersetzungsbewegung zentral: Antikes Wissen wurde in der islamischen Welt (u. a. in Bagdad) gesammelt, kommentiert und über arabische und hebräische Fassungen nach Spanien/Sizilien ins Lateinische rückübertragen; Papierherstellung beschleunigte die Verbreitung. Die europäischen Universitäten institutionalisierten dieses Wissen neu. Mythisch überhöhte Frontlinien (etwa Tours/Poitiers 732 als „Rettung Europas“) verstellen den Blick: Häufig ging es um Beutezüge, nicht um flächige Islamisierung. Zugleich darf Zusammenleben nicht romantisiert werden – es gab Verfolgungen, aber auch lange Phasen auskömmlicher Koexistenz und produktiver Reibung, die Europa prägte. Gegenwartsbezug: In globalisierten, identitär verunsicherten Zeiten werden Begriffe wie „Abendland“ schnell politisch aufgeladen; dem begegnet nur Bildung und historische Aufklärung. Für den Unterricht heißt das: Europas Kulturgeschichte als verflochtene Geschichte lehren, Quellenarbeit zu Übersetzungsbewegung, islamisch-jüdischen Gelehrten und zur Entstehung der Universität einbauen; gängige Narrative (Ost/West, „wir vs. sie“) kritisch prüfen; die Vielgestaltigkeit innerhalb der Religionen sichtbar machen; und die Ambivalenz von Konflikt und Kooperation als Motor kultureller Entwicklung herausarbeiten.

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