Die Dokumentation eröffnet Schülerinnen und Schülern einen Zugang zu einem schwierigen, aber hochaktuellen Thema: dem Phänomen geistlichen Missbrauchs innerhalb kirchlicher Gruppierungen. Im Unterricht kann sie helfen, die Gefahren von religiösem Machtmissbrauch und sektiererischen Strukturen zu erkennen. Deutlich wird, wie das Evangelium pervertiert werden kann, wenn Gemeinschaft nicht auf Freiheit und Würde, sondern auf Kontrolle und Gehorsam basiert. Für die Schülerinnen und Schüler bietet sich die Chance, den Unterschied zwischen echter christlicher Nachfolge und autoritärem Missbrauch religiöser Sprache und Rituale zu reflektieren.
Methodisch empfiehlt es sich, mit Auszügen aus der Dokumentation zu arbeiten und anschließend die Erfahrungen der Betroffenen in Beziehung zu biblischen Grundbotschaften zu setzen, etwa zur befreienden Botschaft Jesu (Joh 8,32: „Die Wahrheit wird euch frei machen“) oder zu Paulus’ Worten von der Freiheit der Kinder Gottes (Röm 8). Eine Diskussion kann daran anschließen, welche Merkmale gesunde religiöse Gemeinschaften auszeichnen und wie Kirche kritisch und zugleich hoffnungsvoll betrachtet werden kann. Ebenso bietet es sich an, Parallelen zu anderen Formen von Machtmissbrauch in religiösen oder weltanschaulichen Gruppierungen zu ziehen.
Zusatz: Umgang mit möglichen Betroffenheiten von Schüler:innen
Gerade bei einem Thema wie geistlichem Missbrauch und autoritären Strukturen ist zu bedenken, dass auch Schüler:innen selbst Erfahrungen mit Druck, Abwertung oder gar Missbrauch gemacht haben könnten. Deshalb ist es entscheidend, von Beginn an einen sensiblen Rahmen zu schaffen: Niemand muss Persönliches preisgeben, Gespräche bleiben freiwillig, und Rückzugsmöglichkeiten werden offen kommuniziert. Lehrkräfte sollten darauf achten, nicht zu pauschalisieren oder verurteilend über Glaubenserfahrungen zu sprechen, sondern differenziert zwischen Glauben und Machtmissbrauch zu unterscheiden. Zudem ist es ratsam, auf Unterstützungsangebote hinzuweisen – etwa Schulsozialarbeit, Vertrauenslehrkräfte oder externe Hilfsangebote. So wird der Unterricht nicht nur zu einer Auseinandersetzung mit kirchlicher Vergangenheit, sondern auch zu einem sicheren Raum, in dem Jugendliche eigene Fragen zu Glaube, Freiheit und Verantwortung stellen können.