Für den katholischen Religionsunterricht ist diese Dokumentation von besonderer Bedeutung, weil sie ein Thema anspricht, das die Glaubwürdigkeit der Kirche zutiefst erschüttert. Der Film zwingt zur Auseinandersetzung mit der Schuld der Institution und mit der Frage, wie christlicher Glaube gelebt werden kann, wenn seine Repräsentanten versagen. Dabei geht es nicht nur um eine historische oder juristische Aufarbeitung, sondern um den Kern des Evangeliums: Wahrheit, Gerechtigkeit und die unantastbare Würde jedes Menschen. Schülerinnen und Schüler können anhand der Biografien der Betroffenen nachvollziehen, wie tief die Verletzungen reichen und wie sehr ein Leben durch Missbrauch zerstört werden kann. Ebenso wird deutlich, dass Schweigen und Vertuschen weiteres Leid erzeugen und dass es ohne öffentliche Anerkennung und konkrete Schritte zur Heilung keinen Neuanfang geben kann.
Im Unterricht sollte die Dokumentation behutsam eingesetzt werden, da die Schilderungen sehr belastend sind. Geeignet ist sie ab der Sekundarstufe II oder in sensibel ausgewählten Ausschnitten auch in höheren Klassen der Sekundarstufe I. Zunächst kann eine Gesprächsphase Raum geben für persönliche Eindrücke, Gefühle und Fragen. Anschließend bietet es sich an, das Geschehene mit christlichen Grundsätzen wie der Option für die Opfer, der Bedeutung von Wahrheit und Gerechtigkeit und dem Auftrag zur Umkehr in Verbindung zu bringen. Auch die Rolle der Kirche als Gemeinschaft, die Verantwortung übernehmen muss, kann kritisch beleuchtet werden. Methodisch könnte eine Arbeit mit Opferzitaten, eine Gegenüberstellung von kirchlichen Stellungnahmen und Betroffenenberichten oder die Gestaltung von Symbolen des Erinnerns und Mahnens ein vertieftes Verstehen fördern.
Der Film kann helfen, die Lernenden für die Dimension des Leids, aber auch für die Notwendigkeit von Aufarbeitung und Erneuerung zu sensibilisieren. Gleichzeitig bietet er einen Anstoß, über die eigene Haltung zur Kirche nachzudenken, die Spannung zwischen Glauben und Institution auszuhalten und zu fragen, wie Christsein in einer von Missbrauch gezeichneten Kirche heute glaubwürdig gelebt werden kann.
Zusatz: Umgang mit möglichen Betroffenheiten von Schüler:innen
Da das Thema sexuelle Gewalt und Missbrauch für Betroffene traumatisierend sein kann, ist es entscheidend, von Anfang an sensibel und transparent vorzugehen. Die Lehrkraft sollte den Schüler:innen signalisieren, dass die Auseinandersetzung freiwillig ist und niemand persönliche Erfahrungen schildern muss. Es ist ratsam, vorab und nach der Einheit Hilfsangebote (z. B. Beratungsstellen, Telefonnummern) zur Verfügung zu stellen. Eine klare Absprache über Gesprächsregeln schützt die Schüler:innen und schafft einen Rahmen, in dem Gefühle geäußert werden dürfen, ohne dass Druck entsteht. Auch sollte genügend Zeit für Entlastung und positiven Abschluss eingeplant werden, etwa durch einen Blick auf Möglichkeiten von Veränderung, Heilung und Reform.