Der Blogcast von BibleProject mit dem Titel „Eine Geschichte über Weisheit, Reichtum und jede Menge Frauen“ bietet eine differenzierte und theologisch reflektierte Darstellung von König Salomo. Ziel ist es, die biblische Salomo-Erzählung (1. Könige 1–11) nicht nur als Lobeshymne auf einen weisen König zu lesen, sondern als spannungsvollen, literarisch fein gearbeiteten Text, der zur Selbstreflexion anregen will.
Inhalte in fünf Kapiteln zusammengefasst:
1. Salomo – Ein widersprüchlicher Held
Salomo erscheint auf den ersten Blick als Idealfigur: weise, reich, friedlich. Doch der Text enthält von Anfang an Hinweise auf Ambivalenzen: etwa seine Heirat mit der Tochter des Pharaos – ein politisches Bündnis mit dem einstigen Unterdrücker Israels. Die Autoren des Bibeltextes stellen Salomos Entscheidungen nebeneinander und überlassen die moralische Bewertung den Lesenden.
2. Der weise König und erste Risse
Salomo bittet Gott um Weisheit – nicht Reichtum oder Macht. Gott erfüllt ihm alle Wünsche, inklusive Reichtum und Erfolg. Doch bereits früh tritt ein Schatten auf: Die Einführung von Zwangsarbeit unter Israeliten erinnert unangenehm an die Sklaverei in Ägypten. Eine kritische Reflexion wird durch den Bibeltext subtil vorbereitet.
3. Tempelbau und Eigeninteressen
Salomos größtes Werk ist der Tempel in Jerusalem, ein Ort der Begegnung mit Gott. Dennoch verweist der Text darauf, dass Salomo doppelt so lange an seinem eigenen Palast baut wie am Tempel. Auch der Bau eines eigenen Palastes für die ägyptische Frau wirkt symbolisch aufgeladen. Gottes Gegenwart erscheint zwar im Tempel – aber nicht ohne Mahnung.
4. Übermaß, Warnung und Wendepunkt
Ein zweiter Traum Gottes enthält eine Warnung: Wenn Salomo anderen Göttern folgt, wird der Tempel vergehen. Dennoch nimmt sein Streben nach Macht und Reichtum weiter zu: Pferdeimporte aus Ägypten, massiver Goldbesitz, viele Frauen. Die Königin von Saba bewundert ihn – doch die biblische Erzählung lässt offen, ob dies Bewunderung oder Kritik provozieren soll.
5. Theologische Deutung: Zwischen Warnung und Hoffnung
Salomo missachtet fast jede der göttlichen Vorgaben für Könige aus Dtn 17: keine Pferde aus Ägypten, nicht viele Frauen, kein Anhäufen von Reichtum. Die Folge: Sein Herz entfernt sich von Gott. Die Erzählung dient als Warnung vor schleichendem moralischem Verfall. Doch sie endet nicht hoffnungslos: Psalm 72 verweist auf einen kommenden König – den Messias – der die positiven Seiten Salomos ohne dessen Fehltritte verkörpern wird. Die Erzählung leitet so über zu Jesus.